Löcher in der Matrix – Zufälle?

„Mason Wells (19) wird vom Terror verfolgt“ (blick.ch, 23.3.2016)

RTEmagicC_Matrix_mit_LochZufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht. Das Schweizer Boulevardblatt „Blick“ – und nicht nur dieses – erzählt uns eine geradezu unglaubliche Geschichte. Mason Wells, ein gerade mal 19 Jahre junger Mann aus den USA soll „vom Terror verfolgt“ sein. Schon bei dem Attentat auf den Boston-Marathon stand er mit seinem Vater an der Ziellinie und wartete auf seine Mutter. Die Explosion soll den Jungen zusammen mit seinem Vater zur Seite geschleudert haben. Beide blieben durch ein Wunder(!) unverletzt.

Letztes Jahr in Paris war Wells nicht ganz so unmittelbar betroffen. Er befand sich „in Paris in der Nähe der Attentäter.“ Zwar „nicht direkt am Ort des Geschehens“, aber doch nah genug, dass ihm „das Gefühl, dass er schon wieder knapp mit dem Leben davon kam, … in die Knochen“ fuhr. Die Pariser „Nahtoderfahrung“ ist möglicherweise nur eine etwas sensationslüsterne Überhöhung des Boulevards um auf die magische Zahl „3“ zu kommen. Im Gegensatz dazu ist der Opferstatus bei der Brüsseler Anschlagsserie bestens dokumentiert – und der eigentliche Aufhänger der Geschichte. Diesmal war der junge Mann so nah an der Bombe, dass er erheblich verletzt wurde.

Nun lässt sich mit Statistiken bekanntlich allerlei Schindluder treiben. Doch obwohl die Terrorgefahr – selbst in Europa – in den letzten Jahren deutlich anstieg, ist die Wahrscheinlichkeit Opfer auch nur eines Anschlags zu werden, nach wie vor äußerst gering. Bei mehreren solchen Vorkommnissen „zufällig“ hautnah dabei zu sein, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Gesucht wird also nach Erklärungen.

Die Gefälligste liefert – etwas verklausuliert – bereits die Überschrift des Beitrags: „Mormone überlebt Anschläge in Boston, Paris und Brüssel“. Das Überleben und der Glaube haben offenbar etwas miteinander zu tun. Starke Botschaft – und eine Sichtweise, für die ein junger Mann auf Missionierungsreise nicht eigens überzeugt werden muss. „Es muss der Segen Gottes sein, dass Mason noch lebt“, war sich auch seine Mutter sicher. Selbst Schutzengel sollen im Spiel gewesen sein. Nur zur Erinnerung: Wir schreiben das 21. Jahrhundert.

Aber in diesem gibt es auch das Internet und das hat für alles eine Erklärung parat – mindestens eine. Gibt man auf youtube.com den Namen „Mason Wells“ ein, so erhält man eine Reihe von Kurzfilmen mit den unterschiedlichsten Theorien für das wiederholte Auftauchen des jungen Mormonen an den Tatorten des Bombenterrors. Die kriminalistisch naheliegendste wäre Vorwissen. Auch könnte er – so eine andere Theorie – eine Art Krisendarsteller („Crisis Actor“) sein, der einem Anschlag im Nachhinein ein medienwirksames Gesicht verleiht oder einer Geschichte einen gewünschten „Spin“ gibt. Die Botschaft würde hier recht gut passen: Bombenwerfer können sich nicht auf Gott berufen, sonst würde ein potenzielles Opfer nicht immer wieder gerettet werden. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Letztlich kann aber sogar das extrem Unwahrscheinliche einfach passieren. So kann man derzeit nur eine Erkenntnis von Masons Vater, Chad Wells, uneingeschränkt unterschreiben: „Wir leben in einer gefährlichen Welt. Nicht alle sind nett und liebevoll.“

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