Löcher in der Matrix – Schrott für die Quote

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Videostreaming: Netflix droht Quote“ (faz.net, 19.5.2016)

In der EU-Variante des Sozialismus heißt die naheliegende Lösung für immer mehr Probleme: Quote statt Markt. Zumindest findet man in Brüssel auffallend oft „Probleme“, für die genau dies die maßgeschneiderte „Lösung“ sein soll. Aktuell sind amerikanische Videostreaming-Anbieter wie Netflix und Amazon ins Visier der Politkommissare geraten. Nach einem Pressebericht fühlen sich Letztere nun für die Programmgestaltung der Ersteren zuständig. Wohlgemerkt, wir sprechen von privaten Unternehmen, die ihre Dienste auf dem Markt anbieten. Man mag sie nutzen, oder auch nicht – freiwillig. Das unterscheidet Netflix & Co. vom Staatsfunk, der sich sein Programm auch von all jenen vergüten lässt, die es weder sehen noch hören wollen – zwangsweise.

Nun lässt sich über die Motive der EU-Kommission trefflich spekulieren. Als wesentlichen Hinweis liefert der Beitrag die Aussage, dass es um die „gleichen Regularien“ wie für „herkömmliche Sendeanstalten in Europa“ gehe. Ah ja. Folgt man dieser Logik, dann wäre es als Begründung für mehr Unfug ausreichend, dass man diesen bereits an anderer Stelle praktiziert. In der Juristerei wird ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht verneint. In der Politik jedoch gelten andere Regeln. Ferner erfahren wir: „In einigen EU-Nationalstaaten gehört auch die finanzielle Förderung europäischer Produktionsinhalte zu den Auflagen.“ Das zumindest wäre ein handfestes Motiv, das gut hörbar den Geist der Brüsseler „Lobbykratie“ atmet. Wenn man es schon selbst nicht schafft, den Geschmack des Publikums zu treffen, dann sorgt man wenigstens dafür, dass die Politik den Absatzkanal sichert – „europäische Kultur“ heißt das dann ganz gerne und ein bisschen Umerziehung fürs Publikum ist gleich mit eingeschlossen – eine Hand wäscht die andere.

Wer seinen Aufsichtsratssitz, Arbeits- oder Sendeplatz der Quote verdankt, dem haftet ein ebenso strenger Geruch an, wie dem fürs Unternehmerische nicht recht talentierten Juniorchef. Da mag man herumparfümieren so viel man will, der Leistungsvergleich zu den „Peers“ macht deutlich, wer seinen Platz nur mit Rückenwind erreicht hat. Denn die, die zwar formal auf Augenhöhe sind, spielen in der Praxis halt doch in unterschiedlichen Ligen. Beim Streamen von Videos verschärft sich diese Grundsatzproblematik der Quote noch durch Fehlanreize, auf die auch Netflix aufmerksam macht: „Inhalteanbieter würden durch Mindestquoten dazu gebracht, möglichst billige und qualitativ schwache Produktionen einzukaufen.“ Oder kurz: Schrott für die Quote!

Sollte solches, möglichst wirtschaftlich produziertes Füllmaterial prägend für das EU-Segment werden, dann wirkt auch hier der politische Eingriff kontraproduktiv. Die Herkunftsbezeichnung „Made in EU“ könnte sich zu einem ähnlichen „Qualitätsmerkmal“ wie die Bezeichnung „B-Movie“ entwickeln. Man darf also gespannt sein, wie sich die Interventionsspirale konkret weiter drehen wird. Denkbar wären Mindestbudgets, was – wie man nicht nur von Staatskünstlern vergangener Tage weiß – Kreativität und Qualität besonders zuträglich ist. Die Filmindustrie des Kontinents dürfte sich jedenfalls freuen. Oder man identifiziert endlich die freie Willensentscheidung des Zuschauers als die eigentliche Schwachstelle solcher Quoten. Dann dürfte der Einzelne Fremdinhalte beispielsweise erst freischalten, wenn er bereits sein Soll an verantwortungsbewusster europäischer Zuschauerarbeit erfüllt hat.

<- Vorheriges Loch         Nächstes Loch ->