Löcher in der Matrix – „Krieg und Spiele“

Spiegel Syrien„Strategie gegen den Bürgerkrieg: „Obamas Nachfolger werden entschiedener in Syrien intervenieren““ (spiegel.de, 11.8.2016)


Auf der Startseite von spiegel.de fanden sich gestern sage und schreibe acht (!) Artikel zum Thema Syrien in direkter Abfolge. Darüber ein schmaler Kasten zur Olympiade in Brasilien. Der Screenshot entstammt wohlgemerkt nicht der auf Auslandsthemen spezialisierten Rubrik, sondern der allgemeinen Startseite. „Krieg und Spiele“ scheint nicht nur beim Spiegel das Motto der Stunde zu sein. Auch in anderen Mainstream-Publikationen findet sich aktuell reichlich „Hatespeech“ gegen Russland im Zusammenhang mit der jüngsten Zuspitzung der Konflikte um die Ukraine und Syrien. Für diese Art von Scharfmacherei scheint sich in Deutschland jedenfalls kein Meinungswächter zuständig zu fühlen.

Der gemeinsame Nenner dieser Form von „Berichterstattung“ ist also wieder einmal Moskau – genauer gesagt, die Negativhaltung gegen Russland im Allgemeinen und dessen Präsidenten im Besonderen. Und wenn wir „wieder einmal“ schreiben, dann ist genau dies gemeint: Es vergeht inzwischen kein Tag, an dem nicht verbal auf Putin eingedroschen wird – entweder ganz direkt oder indirekt über die Themen Syrien, Krim, Ukraine, Doping, Russland-Rocker, etc. Man muss eine Botschaft offenbar nur oft genug wiederholen, damit sie endlich geglaubt wird.

Da stört es dann auch nicht weiter, dass die „neuesten Nachrichten“ aus den diversen Krisenregionen rund um Russland in der Regel von „Aktivisten“ stammen, die selbst Konfliktpartei sind, oder von NGOs, die auch oft gegen den Wind nach Geheimdienst und dubiosen Netzwerken riechen. Wer in diesem Konflikt glaubwürdig ist, entscheidet ohnehin der Chor der Mainstreammedien selbst. Es scheint, als solle die Bevölkerung nicht informiert, sondern gegen „den Russen“ auf Linie gebracht werden – zum wievielten Mal eigentlich in den letzten 100 Jahren? Warum das im Vergleich zu den USA mit deutlich kleinerem Militärbudget ausgestattete Russland nichts unversucht lassen soll, den globalen Goliath zu provozieren – und das auch noch an mehreren Fronten gleichzeitig – ist eine Frage, die dagegen nicht gestellt wird.

Die bedrückende Parallele zu den Olympischen Winterspielen von Sotschi im Jahr 2014 besteht darin, dass die Situation erneut im Windschatten eines Megasportereignisses eskaliert wird. Seinerzeit wurde der Putsch gegen die russlandtreue Regierung Janukowitsch in Kiew auf die Zielgerade gebracht – mit den bekannten Ergebnissen, zu denen auch die Abspaltung/Annexion der Krim gehört. Nach dem Ende der Brasilien-Olympiade könnten also auch diesmal ungemütliche Zeiten auf uns zukommen. Die propagandistischen Vorbereitungen laufen jedenfalls auf Hochtouren.

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