Editorial

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Ralf Flierl, Chefredakteur

„Mit 90% aller Menschen nicht übereinzustimmen, ist eines der wichtigsten Anzeichen für geistige Gesundheit“.

Es klingt tatsächlich vermessen, was der bekannte irische Romanautor und Lyriker Oscar Wilde da vor rund 120 Jahren zum Besten gab. Auch wurde diese Behauptung meines Wissens bisher noch nie verifiziert. Und dennoch scheint sie nicht ganz falsch zu sein, zumindest in Börsenangelegenheiten. Denn um hier erfolgreich zu sein, muss man irgendetwas anders bzw. besser machen als die meisten anderen. „Die Masse liegt an der Börse in der Regel falsch“ lautet daher auch eine geflügelte Anlegerweisheit.

Wer sich an der Börse nur an der Umsatz- und Gewinnentwicklung eines Unternehmens orientiert, der dürfte im Durchschnitt kein gutes Timing beweisen. Denn schon der legendäre Börsenaltmeister André Kostolany wusste:

Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie.“

In unserer Titelgeschichte ab S. 20 haben wir uns daher mit der Psychologie des Anlegers und den Eigenheiten bei der Informationsverarbeitung auseinandergesetzt. Sie finden dort verblüffende Erkenntnisse zu den mentalen Erfolgsfaktoren, aber auch zu den Fallstricken, die nahezu unweigerlich zu Verlusten führen.

Während Aktien in der Regel als gefährlich wahrgenommen werden, empfindet die Mehrheit der Deutschen Immobilien als die sichere Anlage schlechthin. Dass sich die Masse auch in diesem Punkt irren könnte, geht aus dem Beitrag von Norbert Keimling auf S. 42 über das langfristige Aktienmarktpotenzial hervor. Zudem finden Sie auch in unserem alljährlichen großen Immobilienaktien-Spezial samt großer Kennzahlentabelle zu allen deutschen börsennotierten Gesellschaften einige Hinweise für diese These.

Und hier noch eine Frage, die auf der Hand liegt, die sich aber vermutlich nur eine Minderheit der Deutschen stellen traut: Wie kann es angehen, dass ein Land, das jahrelang Exportweltmeister war und immer eine positive Leistungsbilanz aufwies, nicht auch über ein weltmeisterliches Vermögen verfügt; das wäre doch volkswirtschaftlich zwingend nötig, wenn die Exportgüter nicht verschenkt werden. Tatsächlich gehören den Deutschen aber noch nicht einmal ihre eigenen großen Firmen, denn über die Hälfte der DAX-Konzerne sind inzwischen mehrheitlich in ausländischer Hand. Weiterhin ist der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland nicht mehr in der Lage, seine Familie als Alleinverdiener zu ernähren, und beim privaten Immobilienbesitz liegen die Deutschen weit hinter Italien oder Frankreich zurück. Die „deutsche Tonne“ muss also ein gewaltiges „Leck“ haben! Im Gespräch mit dem Buchautor Bruno Bandulet auf S. 28 ergründen wir diesen ungeheuren Vermögensabfluss.

Nur weil eine Meinung von einer Minderheit vertreten wird, heißt das nicht, dass sie falsch ist. Und was von der Mehrheit immer wieder behauptet wird, muss demzufolge auch nicht richtig sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele neue Erkenntnisse beim Lesen dieser September-Ausgabe.

Herzlichst

Unterschrift

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