Grafik der Woche – Sicherheit hat ihren Preis

Median-KGV der Aktien mit der niedrigsten Volatilität aus dem S&P 500 Index (31.07.1972 – 29.07.2016)

Grafik

Quellen: S&P Capital IQ Compustat, Ned Davis Research

Trotz eines in den USA inzwischen seit mehr als sieben Jahren währenden Bullenmarktes sind die Anleger selbst dort stark verunsichert. Die vielen Krisen in der jüngeren Vergangenheit zusammen mit nach wie vor bestehenden Problemen im volkswirtschaftlichen Umfeld verlangen eben ihren Tribut.

Als Reflex darauf setzen viele Investoren bevorzugt auf Aktien, deren Kurse vergleichsweise wenig ausschlagen. In den USA sind in dieser Gruppe momentan Aktien aus den Bereichen Versorger, Finanzen und Verbrauchsgüter überproportional stark vertreten. Als bekannte Einzeltitel gehören dazu Namen wie Colgate Palmolive, Johnson & Johnson,  Home Depot, Berkshire Hathaway, Procter & Gamble, PepsiCo oder AT&T.

Die Motivation für den Kauf von Niedrig-Volatilitäts-Aktien gründet auf der Hoffnung auf Schutz bei etwaigen Marktturbulenzen. In der Vergangenheit ging diese Rechnung auf, wie geringe Einbußen dieser Titel bei Kurseinbrüchen am Gesamtmarkt belegen. Ob sich diese Vorgehensweise allerdings auch dieses Mal wieder lohnt, ist angesichts der großen Beliebtheit dieser Aktien eine offene Frage. Denn die Bewertung der Aktien aus dem S&P 500 Index mit den niedrigsten Kursschwankungen liegt auf Rekordniveau (siehe Chart).

Der US-Finanzdienstleister Ned Davis Research beziffert deren KGV auf Basis der in den vergangenen zwölf Monaten erzielten Gewinne auf 22,9. Das ist so hoch wie nie seit mindestens dem 1972 und stellt eine Standardabweichung von 2,2 vom Mittelwert dar. Langfristig sei dies nicht haltbar. Es werde zu einer Wiederannäherung an den Mittelwert kommen, ist sich US-Stratege Ed Clissold sicher.

Offen ist laut dem Experten von Ned Davis Research allerdings der Zeitpunkt, wann es dazu kommen wird. Gefährdet seien diese Titel bei steigenden US-Zinsen, weil die relativ hohe Dividendenrendite der Niedrig-Volatilitäts-Aktien dann verglichen mit Anleihen weniger stark als Kaufargument ins Gewicht fallen würde. Auch eine Sektor-Rotation, wie sie an den Börsen in unregelmäßigen Abständen immer wieder vorkommt oder eine mögliche Schwäche am Gesamtmarkt seien als Risikofaktoren zu beachten.

Immerhin: Unmittelbar bestehe bei diesen Punkten vermutlich noch keine Gefahr, so Clissold. Als Ruhekissen will der Ned Davis Research Stratege diesen Hinweis aber nicht verstanden wissen. Vielmehr erinnert er Anleger ausdrücklich daran, sich im Klaren darüber zu sein, wie überlaufen Niedrig-Volatilitäts-Aktien als Anlageklasse seien und sie deshalb nicht so sicher sein könnten wie sie wahrgenommen werden.

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