Grafik der Woche – Noch keine Bewertungsblase bei US-Tech-Aktien

Vergleich von S&P 500 Technology Sector Index und S&P 500 Index auf Basis der für die nächsten 12 Monate erwarteten operativen Gewinne

Quelle: Capital Economics

Der technologielastige Nasdaq 100 Index hat am 9. und 12. Juni binnen zweier Handelstag in der Spitze 4,3% an Wert verloren. Bei Ausschlägen dieser Art nach unten stellen sich Anleger stets besorgt die Frage, ob die Abwärtsbewegung der Vorbote für einen baldigen noch größeren Rückschlag ist. Denn möglicherweise handelt es sich auch um eine kleine temporäre Korrektur im grundsätzlich weiterhin intakten Bullenmarkt. Das ist auch dieses Mal nicht anders, zumal auch noch ein wichtiger Marktteilnehmer wie die US-Investmentbank Goldman Sachs die Verunsicherung mit dem Hinweis schürte, einige Tech-Schwergewichte seien inzwischen überbewertet.

Nachdem der Nasdaq 100 im laufenden Bullenmarkt seit März 2009 von 1.037 auf 5.885 Punkten, und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt in der Form des S&P 500 Index gestiegen ist, dürfte klar sein, dass das auch Spuren bei den Bewertungen hinterlassen hat. Doch wenn man den Analysten von Capital Economics Glauben schenkt, sind die Bewertungen im Technologie-Sektor im Vergleich zum Gesamtmarkt derzeit noch längst nicht so übertrieben hoch, wie dies beim Platzen der Technologie-Blase zur Jahrtausendwende der Fall gewesen ist.

Nicht teurer als der Gesamtmarkt

Als Maßstab für dieses Urteil zieht das preisgekrönte bankenunabhängige britische Research-Haus das Verhältnis der Kurse zu den auf Sicht der nächsten 12 Monate erwarteten operativen Gewinnen heran. Mit dem rund 20-fachen fällt diese Relation für den S&P 500 Information Technology Sector Index in etwa so hoch aus wie für den marktbreiteren S&P 500 Index (siehe Grafik oben). Ähnlich fällt das Urteil übrigens auch auf Basis des so genannten Shiller-KGVs aus, bei dem die KGV-Berechnung auf der Basis der durchschnittlichen Gewinne der vergangenen zehn Jahre erfolgt und um die Inflation bereinigt wird. Auf dieser Basis ist das KGV des S&P 500 Technology Sector Index zwar etwas höher als beim S&P 500 Index, aber ebenfalls längst nicht so übertrieben hoch wie im März 2000.

Rezession statt hoher Bewertung

Capital Economics-Analyst John Higgins blickt wegen dem hausintern in den USA für 2019 erwarteten deutlich höheren Rezessionsrisiko zwar nicht sorgenfrei auf den US-Aktienmarkt. Aber dafür ist weniger die Bewertung als vielmehr das erwähnte volkswirtschaftliche Szenario verantwortlich. Denn wenn sich dieses wie skizziert einstellt, könnte dies die Gewinnmargen der Unternehmen belasten.

Eine Beruhigungspille für nervöse Anleger hat ansonsten noch Mensur Pocinci, Charttechnik-Experte bei Julius Bär, parat. Sich auf Vergangenheitsdaten stützend hat er folgende Botschaft: „Historisch betrachtet können wir sagen, dass im Durchschnitt starke 1-Tages-Rückschläge eine Kaufgelegenheit darstellten. Wie in der Grafik unten zu sehen, ist der Nasdaq 100 in den auf einen Rückschlag folgenden 250 Tagen im Schnitt um 25% gestiegen. Deshalb denken wir weiterhin, dass dies nur ein Ablenkungsmanöver des Bullenmarkts ist. Denn wie sonst wäre es möglich, dass Investoren den Markt underperformen? Die Korrektur vom Freitag ist eine Bullenmarkt-Korrektur und wir empfehlen den Investoren, den Nasdaq 100 weiter zu halten, welchen wir schon im Februar 2016 zum Kauf empfohlen haben und der seither um 40% gestiegen ist.“

 

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