„Ich bin kein Freund des Euro…“

Dr. Holger Schmitz

Smart Investor: Dr. Schmitz, Sie liegen bezogen auf das erste Halbjahr 2017 sowohl mit Ihrem offensiven als auch Ihrem defensiven Fonds in der Spitzengruppe ihres jeweiligen Vergleichsuniversums, genauer gesagt unter den besten 2%. Was ist Ihnen hier im ersten Halbjahr geglückt, womit andere Fonds offensichtlich mehr Probleme hatten?

Schmitz: Womit die anderen jeweils rund 300 Fonds mehr Probleme hatten, kann ich nicht sagen – das dürfte je nach Fonds auch sehr unterschiedlich sein. Was zu unserer deutlichen Outperformance von rund 10% im „Offensiv“ geführt hat, waren in erster Linie zwei Faktoren: Erstens hatten wir stark auf die Emerging Markets gesetzt, welche in den letzten Monaten gut zulegen konnten. Darüber hinaus sind die drei am höchsten gewichteten Titel im Fonds die deutschen eigentümergeführten Nebenwerte Krones, STRATEC Biomedical und Fuchs Petrolub, welche zuletzt alle drei gleichzeitig eine sehr gute Performance lieferten.

Smart Investor: Sie haben ja eine relativ dezidierte Meinung zum Euro und wurden daher im April zu einer ARD-Talkrunde zum Thema „Gibt es den Euro in zehn Jahren noch?“ eingeladen. Wie steht es denn um den Euro, und wann ist er passé?

Schmitz: Ich hoffe, dass es den Euro in zehn Jahren nicht mehr gibt, denn dann ist Deutschland wirklich pleite bzw. verarmt.
Smart Investor: Können Sie das etwas konkretisieren? Schmitz: Nehmen Sie nur mal die 800 Mrd. EUR Target2-Salden, die gegenüber der Deutschen Bundesbank inzwischen aufgelaufen sind. Das sind Forderungen insbesondere gegenüber Spanien und Italien, die wertlos werden, sobald der Euro zerbricht, oder vermutlich schon, wenn ein Euro-Mitglied austritt. Das alleine sind bei 80 Mio. Deutschen schon 10.000 EUR Forderungsvermögen pro Bürger, welches dann verpufft.

Smart Investor: Target2 ist aber für viele Menschen vielleicht etwas abstrakt, oder?

Schmitz: Dann betrachten wir es doch einmal anders herum: Der größte Staatsfonds Norwegens hat ziemlich genau ein Vermögen von 800 Mrd. EUR. Dieses wird zu großen Teilen in Aktien angelegt. In den letzten zehn Jahren hat sich das Vermögen dieses Fonds grob gesprochen verdoppelt. Das kleine Norwegen hat also ein enormes Vermögen durch Anlagen in Produktivkapital aufgebaut, während Deutschland sein Geld in Ecken pumpt, aus denen meiner Ansicht nach kein Euro mehr zurückkommen wird.

Smart Investor: Das nimmt der Deutsche aber relativ gelassen hin…

Schmitz: Stimmt, aber angesichts dieser skandalösen Entwicklung wäre doch ein markerschütternder Aufschrei der deutschen Bevölkerung angebrachter, oder? In der Schweiz, wo ich lebe, gibt es ja bekanntlich viele Volksabstimmungen. Im Vorfeld dazu gibt es viele Diskussionen, und die Schweizer sind dadurch gezwungen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen – auf sehr sachlicher Ebene. Und die Schweizer haben dann meist auch einen relativ hohen Wissensstand darüber. In Deutschland gibt es das kaum, dass sich breitere Bevölkerungsschichten auch mit etwas komplexeren Themen auseinandersetzen und damit Druck von unten auf die Regierung ausgeübt werden würde.

Smart Investor: Nochmals die Frage: Wie lange gibt es den Euro noch?

Schmitz: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das ist wie bei einem radioaktiven Material. Es wird entsprechend einer ganz klaren Gesetzmäßigkeit zerfallen, aber wenn Sie sich ein bestimmtes Atom herausgreifen, dann können Sie nichts über dessen Zerfall sagen. Konkret: Der Euro wird zerfallen, aber man kann nicht sagen, wann genau.

Smart Investor: Was könnte denn Ihrer Ansicht nach ein wahrscheinlicher Auslöser für den Zerfall des Euro(raumes) sein?

Schmitz: Ich könnte mir denken, dass eine solche Entwicklung von Italien ausgehen könnte, an dessen Grenze ich ja wohne. Das Land stagniert seit Jahren, sein Bruttosozialprodukt liegt immer noch 7% unterhalb des Vorkrisenniveaus des Jahres 2008. Es sind dort keine ernsthaften Reformbemühungen zu erkennen, man hält sich nicht an die vereinbarten Spielregeln innerhalb der EU und sucht aber für Fehlentwicklung den Schuldigen immer bei der EU. Das Land hat – vereinfacht gesprochen – die Vorteile, die ihm durch die Euro-Einführung einst entstanden sind, v.a. die tiefen Zinsen, einfach „verfrühstückt“, was sich z.B. in höheren Löhnen zeigte. Nun wird all das rückabgewickelt – und das schmerzt natürlich. Zudem brechen – nach dem Abriegeln der Balkanroute – die Flüchtlingswellen nahezu ungehindert auf Sizilien herein, womit den italienischen Populisten dort genügend Stoff geliefert wird. Ich denke, dass in Italien – vielleicht schon bei den nächsten Wahlen – ein deutlicher Denkzettel an die Politiker vergeben wird. Denn im italienischen Volk rumort es, und das Land ist EU- und Euro-müde.

Smart Investor: Keine guten Aussichten…

Schmitz: Wie bereits gesagt: Ich bin kein Freund des Euro. Deswegen finde ich seinen Niedergang umso besser, je früher er stattfindet.

Smart Investor: Es gibt ja einige Stimmen, die sagen: Der Euro ist gar nicht so schlecht. Nur Deutschland müsse den Konsum via Lohnsteigerungen und besserer Sozialgesetze stärken, dann ginge der Wettbewerbsvorteil  Deutschlands zurück, respektive auch der Wettbewerbsnachteil der anderen Länder. Selbst aus den USA kommen solche Forderungen. Was halten Sie von dieser Sichtweise?

Schmitz: Ich muss wieder das Beispiel Schweiz heranziehen: Dort liegen die Löhne sehr deutlich über denen in Deutschland und zudem gab es noch eine Währungsaufwertung des Franken. Trotzdem brummt der Schweizer Export.

Smart Investor: Das heißt, die Löhne sind gar nicht so entscheidend?

Schmitz: In Grenz- bzw. Kurzfristbetrachtungen natürlich schon. Aber mal ganz ehrlich: Ein Amerikaner oder Grieche kauft doch keine deutschen Produkte, weil hier die Löhne so niedrig sind, sondern weil deutsche Produkte eine herausragende Qualität haben. Das heißt, langfristig setzt sich die Qualität durch.

Smart Investor: In früheren Interviews hatten wir immer wieder auch das Thema Finanzielle Repression angesprochen – zuletzt wurde die Grenze für zulässige Bargeldzahlungen von 15.000 auf 10.000 EUR herabgesenkt. Sehen Sie hier einen Zusammenhang mit dem Thema Euro?

Schmitz: Unbedingt! Es läuft doch wohl darauf hinaus, dass die Staatsschuldenkrise in der EU letztendlich auf Kosten des einzelnen Sparers gelöst werden wird. Wenn das Bargeld weitgehend abgeschafft ist, lässt sich das Sparvermögen beliebig mit Negativzinsen „besteuern“, ohne dass die Sparer nennenswerte Fluchtmöglichkeiten haben. Das dürfte wohl der Plan dahinter sein.

Smart Investor: Haben Sie wirklich Anhaltspunkte dafür, dass es einen solchen Plan gibt?

Schmitz: Klar, z.B. ist Ende März ein Arbeitspapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) öffentlich geworden, in welchem die makroökonomischen Effekte der Bargeldabschaffung behandelt werden. Zwar schreibt der Verfasser in seiner Einleitung, dass seine Ausführungen weder für noch gegen die Bargeldabschaffung gedacht seien, aber, und ich zitiere hier den Ökonomen Thorsten Polleit: „Die Lektüre des Papiers lässt jedoch rasch erkennen, dass es sich um eine Handlungsanweisung handelt, mit der Regierungen das Bargeld nach und nach, vor allem im Zuge von harmlos klingenden Einzelschritten aus dem Verkehr ziehen können.“ Und weiter sagt Polleit: „Das IWF-Papier ist ein weiterer Hinweis, wie intensiv und unbeirrt bestimmte Interessengruppen an der Abschaffung des Bargeldes arbeiten.“ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Smart Investor: Was bedeutet das konkret?

Schmitz: Na, dass z.B. nach den 500-Euro-Scheinen auch die 200er und vermutlich auch die 100er aus dem Verkehr gezogen werden, und dass die „Bargeldbezahlgrenze“ immer weiter gesenkt werden wird. Für den normalen Zahlungsverkehr ist das nicht sehr bedeutend. Aber wer beispielsweise anonym Edelmetalle erwerben will, für den ändert sich dadurch sehr viel.

Smart Investor: Was kann ein Anleger tun, der Ihrer Analyse zustimmt?

Schmitz: Es gibt zwei Ebenen, auf denen man agieren kann: einmal die Ebene der Währung und dann die Ebene der Vermögensklasse. Bezüglich der Währung äußere ich mich ja seit Jahren sehr deutlich, nämlich: Raus aus dem Euro und rein in vergleichsweise starke Währungen wie den Schweizer Franken. In meinem Defensiv-Fonds, in welchem konkret der Euro-Zerfall abgefedert werden soll, sind daher nur etwa 15% in Euro-Anlagen, 70% dagegen in Franken oder Norwegischer Krone oder aber in Edelmetallen angelegt. Die Vermögensklasse-Ebene wird bei uns in erster Linie mit Aktien und Edelmetallen bedient.

Smart Investor: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

 

Dr. Schmitz ist bereits seit 1988 in der Vermögensverwaltung tätig und arbeitete mehrere Jahre bei der FIDUKA Depotverwaltung im direkten Austausch mit Börsenlegende André Kostolany zusammen, bevor er sich 1993 selbstständig machte. Neben der individuellen Beratung und dem persönlichen Depotmanagement erhalten Kunden durch die Kooperation mit der SCHMITZ & PARTNER AG – Privates Depotmanagement die Möglichkeit, in zwei sich ergänzende Vermögensverwaltungsfonds zu investieren: den Schmitz & Partner Global Offensiv sowie den Schmitz & Partner Global Defensiv. Die SCHMITZ & PARTNER AG – Privates Depotmanagement mit Sitz im Tessin, Schweiz, wurde 1997 zur individuellen Betreuung im Vermögensverwaltungsbereich gegründet. Die SCHMITZ & PARTNER AG arbeitet partnerschaftlich mit der 2005 ebenfalls von Dr. Holger Schmitz gegründeten Schmitz & Cie. GmbH – Individuelle Fondsberatung mit Sitz in München zusammen.