Grafik der Woche – Gründe für die Euro-Stärke

Die ehemaligen Krisenländer der Eurozone, wie unten am Beispiel Spaniens zu sehen, haben ihre externen Bilanzen repariert

Der EUR hat sich zum USD gegenüber dem noch im Dezember 2016 bei knapp 1,04 USD markierten Mehrjahrestief spürbar gefestigt. Auch sonst ist es allgemein rund um das Thema „Stabilität der Eurozone“ zuletzt sehr ruhig geworden. Da stellt sich die Frage, ob es sich dabei nur um die Ruhe vor dem nächsten Sturm handelt, oder ob sich die Europäische Einheitswährung tatsächlich stabilisiert hat?

Um darauf die passende Antwort zu geben, muss erst einmal geklärt werden, was in den Jahren 2007 bis 2009 für die damalige Krise wirklich verantwortlich war. Beim Versuch, das zu tun, weisen die Experten von der Deutschen Asset Management darauf hin, dass der letzte Sturm, der über die europäischen Volkswirtschaften und Kapitalmärkte hinweg zog, vielfach immer noch als „Staatsschuldenkrise“ bezeichnet wird.

Doch laut den Volkswirten des Vermögensverwalters mag der Begriff „Krise“ zwar durchaus zutreffen, aber man ist nicht davon überzeugt, dass Staatsschulden nicht die Ursache waren. So wiesen die Statistiken des Internationalen Währungsfonds für die Jahre vor der Krise eine irische Staatsverschuldung von 24% vom Bruttoinlandsprodukt aus, für Spanien von 39%, im Falle Portugals von 69% und für Belgien von 91%. Basierend auf dieser Kennzahl wäre Belgien unter den genannten Ländern am meisten gefährdet gewesen. Tatsächlich habe aber Irland als zweites Land nach Griechenland den Rettungsmechanismus in Anspruch nehmen müssen. Eine Sortierung nach der Höhe der Staatsverschuldung sei folglich nicht geeignet, um die in der Krise gefährdeten Länder zu identifizieren.

Wesentlich hilfreicher seien dagegen die Leistungsbilanzsalden gewesen. Irland habe ein Leistungsbilanzdefizit von mehr als 5% des Bruttoinlandsprodukts zu verzeichnen gehabt, Spaniens Defizit habe knapp 10% betragen, bei Portugal seien es 11% gewesen und im Falle Griechenlands sogar 15%. Belgien hingegen habe einen Überschuss von etwas unter 2% des BIP verzeichnet. Dies ist laut Deutsche Asset Management ein klares Indiz dafür, dass die Eurokrise mehr mit Leistungsbilanzsalden als mit öffentlicher Verschuldung zu tun hatte.

So betrachtet sei es positiv zu werten, dass sich die Leistungsbilanzsalden in den vergangenen Jahren durchaus bemerkenswert verbessert hätten: Spanien, das vor der Krise noch ein Leistungsbilanzdefizit von rund 110 Mrd. EUR pro Jahr aufwies, erwirtschafte aktuell einen Überschuss von etwa 20 Mrd. EUR. Auch Portugal habe seine Leistungsbilanz in den Griff bekommen, während Italien sogar einen Überschuss von 45 Mrd. EUR erziele. Bei der Deutschen Asset Management vertritt man daher die Ansicht, dass sich der Währungsraum tatsächlich stabilisiert hat. Wie nachhaltig das ganz sei, bleibe aber abzuwarten und auch deshalb gelte es, die Leistungsbilanzsalden weiterhin aufmerksam zu beobachten.

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