Auf dem fundamentalen Auge blind

Ufuk Boydak, Loys AG

Aktive vs. passive Aktieninvestments

Die Vorteile einer langfristigen, disziplinierten Geldanlage in Aktien lassen sich im Niedrigzinsumfeld mühelos zeigen. Aber immer noch wird debattiert, ob Anleger eher den Weg über passive, also indexorientierte, Strategien gehen oder ihr Vermögen einem aktiven Vermögensverwalter anvertrauen sollen. Aktiven Fondsmanagern wird seit jeher ein höheres Risiko zugeschrieben. Aktuell jedoch scheint ein Investment in passiven ETFs spekulativer zu sein als die Geldanlage in einem aktiven, solide gemanagten Aktienfonds.

Trendverstärker ETF

Die Anlage in indexnahen ETF-Produkten ist aufgrund der niedrigen Gebühren beliebt. In den USA macht der hieraus resultierende Handel mittlerweile schon ca. 30% bis 35% des gesamten Börsenumsatzes aus und hat die Marktstruktur nachhaltig verändert. ETFs unterscheiden nicht, ob sie in ein gutes oder schlechtes Unternehmen, in eine teure oder billige Aktie investieren. Sie handeln prozyklisch und folgen den Mittelflüssen. Dadurch verstärken sie bestehende Trends, bis ein Marktereignis den Trend unterbricht oder beendet. Dann wirkt der Trendverstärker Passiv-Investment auch in die andere Richtung.

Aktive Wertschöpfung

Die beschriebene Veränderung der Marktstruktur in den letzten Jahren führt zunehmend zu Fehlbewertungen, die den fundamentalen, wertorientierten Fondsmanagern gute Investitionschancen bieten. Dabei folgen aktive Anleger der Überzeugung, dass Aktienkurse langfristig den Wert der dahinterstehenden realwirtschaftlichen Leistung reflektieren. Aktive Fondsmanager suchen gezielt nach soliden Firmen mit einem bewährten Geschäftsmodell, um ihre Aktien dann zu kaufen, wenn der Börsenwert den fairen fundamentalen Wert unterschreitet.

ETFs verstärken Fehlbewertungen

Der aktuelle Aufwärtstrend zeichnet sich durch eine zunehmende Konzentration in den am höchsten kapitalisierten Aktien aus. Sie bekommen weiterhin Zuflüsse aus ETFs, obwohl ihre Bewertungen angesichts nachlassender Gewinndynamik riskant hoch sind. So konzentriert sich fast die Hälfte der Marktkapitalisierung bei den wichtigen US-Indizes auf die jeweils fünf bis sechs größten Unternehmen. Wer also meint, per ETF-Investment eine hochdiversifizierte Aktienanlage zu tätigen, befindet sich im Irrtum. Dank der inzwischen neun Jahre andauernden Rally mit historisch niedrigen Volatilitäten wurde diese Einengung der Risikoverteilung noch nicht zum Problem. In der nächsten Abwärtsphase dürften aber wohl die ETF-Anbieter den Beweis schuldig bleiben, dass sie das risikoärmere Investment liefern, denn wenn Kapital abgezogen wird, dann trifft es die überbewerteten Aktien am schlimmsten.

Aktienselektion wichtiger denn je

Einer ganzen Reihe von Unternehmen gelingt es durch die Konjunkturzyklen hindurch, ihr Geschäftsmodell an den ökonomischen Wandel anzupassen. Langfristig schaffen sie auch für ihre Aktionäre nachhaltigen Mehrwert. Gerade in der aktuellen späten Phase der Hausse
kommt es mehr denn je auf die gezielte, wertorientierte Aktienselektion an. Mit einer disziplinierten und kontinuierlichen Anlageform, wie beispielsweise einem Sparplan, profitiert man neben den Vorteilen der Diversifikation aktiv gemanagter Fonds vor allem von der Risikominderung durch die zeitliche Streuung der Anlagebeträge.

 

Über Ufuk Boydak

Ufuk Boydak, 32, ist Teilhaber und Vorstandssprecher der LOYS AG. Er wurde für seine Fondsmanagementleistungen in den Fonds LOYS Europa System und LOYS Global L/S schon mehrfach mit einem AAA-Rating ausgezeichnet. Boydak rangiert im Dreijahresvergleich unter den vordersten drei Plätzen innerhalb der Vergleichsgruppe von 352 europäischen Aktienfondsmanagern. Zudem managt er den Fonds LOYS Global System. Die inhabergeführte LOYS AG, gegründet 1995, ist ein Spezialist für wertorientiertes aktives Aktienfondsmanagement mit einem Anlagevolumen von rund 1,5 Mrd. EUR. Die LOYS AG weist eine langjährige überzeugende Leistungsbilanz auf dem Gebiet internationaler Aktienfonds aus und ist mit hohen Eigeninvestments in den LOYS-Fonds investiert.