Grafik der Woche: Risikofaktor Unternehmensverschuldung

 

Quelle: OECD, Bundesverband deutscher Banken e. V.

Viele Unternehmen nutzten das Niedrigzinsumfeld, um günstig Fremdkapital aufzunehmen. Trotzdem ist seit der Finanzkrise eine Investitionsschwäche zu beobachten. Laut dem Bundesverband deutscher Banken e.V. gibt es Anlass zur Sorge, dass die aufgenommenen Finanzmittel nicht zu einer Verbesserung der langfristigen Produktionskapazitäten genutzt werden.

Ein Auseinanderdriften von Unternehmensverschuldung und Unternehmensinvestitionen ist dabei sowohl im Euroraum als auch in den USA zu beobachten. Das Phänomen kann laut Bankenverband auf verschiedene Weise gedeutet werden: Zum einen korreliere die steigende Unternehmensverschuldung mit einem historisch hohen Volumen an Aktienrückkäufen. Dies könnte darauf hindeuten, dass Unternehmen Kredite aufnehmen, um Mittel an die Aktionäre zurückzuführen, und nicht, um Investitionen zu finanzieren.

Zum anderen könne der zeitgleiche Anstieg der Aktienrückkäufe und der Unternehmensverschuldung aus einer pessimistischeren Einschätzung der künftigen Entwicklung von Nachfrage und Wirtschaftswachstum herrühren, welche die Unternehmen zum Hinausschieben von Investitionsausgaben veranlasst. Möglich sei drittens auch eine geplante Veränderung der Finanzierungsstruktur, hin zu stärkerer Fremdfinanzierung aufgrund der entstandenen Differenz zwischen Eigen- und Fremdkapitalkosten.

 

Bedenklich ist an dieser Entwicklung nach Einschätzung des Bankenverbandes allemal, dass zu hoch verschuldete Unternehmen in der Regel an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Ein hoher Verschuldungsgrad und eine Verzerrung zugunsten der Fremdfinanzierung schaffe selbst in gesunden Unternehmen eine Präferenz für sicherere Investitionsprojekte mit einer hohen Komponente an materiellen Wirtschaftsgütern sowie stabilen und vorhersehbaren Gewinnaussichten. Das wiederum könnte eine mögliche Erklärung für das derzeit niedrige Produktivitätswachstum sein.

Den Bundesverband deutscher Banken bringt all dies zu folgendem Schluss: Auch wenn die derzeit hohe Verschuldung keine unmittelbare Gefahr für die Solvenz der Unternehmen darstellen dürfte, vermindert sie doch deren Fähigkeit, Nachfrageschwankungen standzuhalten, und erhöht ihre Anfälligkeit gegenüber Finanzierungsschocks. Dies gilt insbesondere bei einer geldpolitischen Straffung oder steigenden Refinanzierungsrisiken. Die globale Entwicklung der Unternehmensverschuldung muss deshalb sorgfältig beobachtet werden, da eine exzessive Verschuldung ein anfälliges Umfeld für schwere Rezessionen und Finanzkrisen schaffen kann.

⇐ Vorherige Grafik der Woche   Nächste Grafik der Woche ⇒