Value-Aktien weltweit – Über den europäischen Tellerrand blicken

Innerhalb des „Circle of Competence“ – aber außerhalb der Eurozone

Value-Anleger gelten traditionell als risikoscheu. Fremde Länder und fremde Märkte sind für viele daher ein Tabu. Schließlich lassen sich Geschäftsmodelle fernab der Heimat sehr viel schlechter analysieren. Beim Blick über den Tellerrand ist daher deutlich größere Vorsicht geboten als bei Investments vor der Haustüre. Die folgenden Aktien eint daher vor allem eines: Sie sind so einfach zu verstehen, dass die räumliche Distanz gerechtfertigt ist.

Kein Ende des Wachstums in Sicht

Aus dem Silicon Valley stammend, aber in der ganzen Welt zu Hause ist die Google-Holding Alphabet*. Zwar wird die Aktie häufig als Teil der gehypten FAANG-Aktien wahrgenommen, auf den zweiten Blick erscheint Alphabet jedoch wie ein typischer Value-Titel. Das Unternehmen erwirtschaftet enorme Cashflows (2017: 37 Mrd. USD) und sitzt auf einer riesigen Cash-Position von zuletzt 103 Mrd. USD. Obwohl Alphabet zu den größten börsennotierten Unternehmen der Welt zählt, wurde das Wachstum zuletzt sogar noch dynamischer. 2016 und 2017 legte der Umsatz jeweils um mehr als 20% zu. Denn Google kann seine Algorithmen immer effizienter zu Geld machen. Da zudem immer mehr klassisches Werbegeschäft auf den effizienteren Onlinekanal wechselt, dürfte dies auch in den nächsten Jahren so bleiben. Der Burggraben um das Geschäftsmodell der Suchmaschine dürfte einer der unüberwindbarsten sein, die es jemals gegeben hat. Adjustiert man die Bewertung um Cash, setzt einen fairen Wert für YouTube und das Cloud-Geschäft an und korrigiert die Erträge um die Verluste aus den Venture Capital-Investments („Other Bets“), errechnet sich für das Suchmaschinengeschäft ein 2018er-KGV von knapp 20. Vergleichbare Bewertungen werden auch für zyklische Geschäftsmodelle mit weit kleinerem Burggraben bezahlt.

Glamourös und günstig

Nicht nur Frauen dürften die Dessous von Victoria’s Secret ein Begriff sein. Immerhin zählen einige der bekanntesten Models der Welt als „Engel“ zu den Werbegesichtern des Konzerns. Weniger glamourös dagegen sieht das Tagesgeschäft der Marke von L Brands aus. Mit seinen Läden in den klassischen amerikanischen Malls ist der Konzern unmittelbar von deren Sterben und der Verlagerung des Handels in das Internet betroffen. Doch die Schwierigkeiten des klassischen Einzelhandels dürften nicht das Ende von Victoria’s Secret und deren Schwestermarke Bath & Body Works bedeuten. Denn noch immer besitzen 99% aller Läden einen positiven Cashflow, wenn auch die Margen zuletzt unter Druck geraten sind. Doch selbst falls sich diese nicht dauerhaft erholen, reicht ein Wachstum weit unter der Guidance des Managements (5% bis 10% p.a.), damit die Aktie zu einem deutlichen Abschlag auf den inneren Wert notiert. Dazu beitragen könnte auch das zweistellige Wachstum im Onlineshop, der zudem mit deutlich höheren Margen einhergeht. Sollte der Glanz der Marke Victoria’s Secret nicht verblassen, dürfte diese auch im Amazon- bzw. Online-Zeitalter strahlen. Mit einer Dividendenrendite von fast 7% können Anleger auch temporäre Kursrücksetzer kompensieren.

Die am meisten gehasste Anlageklasse

Quasi auf den Vermieter von L Brands setzen Anleger mit der Aktie der Washington Prime Group. Der REIT steht quasi sinnbildlich für eine der aktuell am verhasstesten Anlageklassen und ist damit die klassische Zigarrenstummel-Aktie: Shoppingcenter in den USA. Mit 108 Objekten in B-Städten erwirtschaftet das Unternehmen entgegen der Erwartungen noch immer stabile Mieteinnahmen. Zwar dürfte es möglicherweise nicht bei der Dividendenrendite von zuletzt knapp 13% bleiben. Da die Aktie nur beim rund Vierfachen der FFOs (Funds from Operations, eine Cashflow-Kennzahl im Immobiliensektor) notiert, bleibt jedoch viel Spielraum für Fehlentwicklungen. Bewertet man die Objekte des Unternehmens zu Marktpreisen, dürfte die Aktie knapp 50% unter dem inneren Wert notieren.

Diamonds are forever

Ein antizyklisches Investment stellt auch die Aktie von Sarine Technologies dar. Das israelische Unternehmen ist Weltmarktführer (ca. 70% Marktanteil) bei Produkten zur Verarbeitung von Rohdiamanten. Ein zyklisches Geschäft, in dem die zumeist indischen Kunden zuletzt von Überkapazitäten geplagt waren. Trotz der schwachen Branchenkonjunktur scheint Sarine jedoch seinen Marktanteil halten bzw. sogar ausbauen zu können. Die anlaufende Konsolidierung der Branche und die zunehmende Automatisierung spielen dem Unternehmen dabei in die Tasche. Trotz der mauen Branchenkonjunktur verfügt Sarine zudem über eine blitzsaubere Bilanz (29 Mio. USD Netto-Cash) und arbeitet profitabel …

(Der vollständige Beitrag erschien im Smart Investor 7/2018 im Rahmen der Titelstory „Value Investments“ auf den Seiten 10/11.)

 

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