SIW 39/2019: Wiederwahl oder Amtsenthebung?

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SIW 39/2019: Wiederwahl oder Amtsenthebung?

Wenn der Wahlkampf die Konjunktur macht

Druck auf Trump

Nach einem turbulenten August war in den Handelskrieg zwischen den USA und China zuletzt etwas Ruhe eingekehrt. Donald Trump hatte sich versöhnlich gezeigt und für Ende September angekündigte Zölle auf Waren im Wert von 250 Mrd. USD auf den 15. Oktober verschoben. Er wolle damit „ein Zeichen des guten Willens“ setzen und komme Premier Xi entgegen, immerhin feiert die Volksrepublik im Oktober ihr 70 jähriges Bestehen. Es dürfte jedoch nicht ganz uneigennützig gewesen sein. Trump muss völlig klar gewesen sein, dass sein Twitter-Gepolter im August eine enorme Belastung für die Börsen darstellte. Solange dies noch keine negativen Effekte auf die US-Konjunktur mit sich bringt, ist das für ihn wohl Teil des Spiels. Sollten sich die Konjunkturdaten in den USA aber merklich verschlechtern, würde dies dem Präsidenten einen entscheidenden Trumpf aus der Hand nehmen. Er wäre  möglicherweise gezwungen, einen Deal einzugehen, alleine um die US-Wirtschaft auf Kurs zu halten und die Chancen auf seine Wiederwahl hochzuhalten. Entgegen der langläufigen Meinung scheinen die Börsen übrigens mehr Angst vor einer Abwahl von Trump zu haben, als vor einer Fortsetzung seiner Regierung. Beobachtbar war dies am gestrigen Handelstag, als die Märkte durch die Nachricht auf das angekündigte Impeachment-Verfahren durch die Demokratin Nancy Pelosi auf Talfahrt geschickt wurden. Zwar dürfte dies eher Show-Charakter haben. Denn es ist kaum Vorstellbar, dass solch ein Verfahren vor der Wahl im nächsten Jahr abgeschlossen wäre. Möglicherweise werden die Börsen aber irgendwann beginnen, einen demokratischen Wahlsieg einzupreisen. Und der könnte für die Märkte einige unangenehme Überraschungen beinhalten. Darunter vor allem ein Zurückdrehen der Unternehmenssteuerreform oder zunehmende Regulierung statt deren Abbau.

 

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Tu Felix Austria?

Am kommenden Wochenende erfolgt die Nationalratswahl in Österreich. Nachdem die Mitte-Rechts-Regierung zerbrochen war, wird das Land bekanntlich von einer Interims- bzw. Expertenregierung regiert. Eigentlich erfreute sich die alte Koalition aus ÖVP und FPÖ eines guten Zuspruchs aus der Bevölkerung, stolperte dann aber über die sogenannte Ibiza-Affäre des damaligen FPÖ-Chefs Strache. Nun deuten die Umfragen auf eine neue Regierung hin, die zwar wieder von Altbundeskanzler Kurz geführt werden dürfte, mit einem wahrscheinlichen Koalitionspartner SPÖ wohl aber eine Mitte-Links-Regierung werden wird. Das war zumindest schon unsere Prognose in Smart Investor 8/2019, nachdem wir uns dort bereits ein paar Gedanken abseits der Tagesaktualitäten gemacht hatten. Zugegeben, die österreichische Innenpolitik ist möglicherweise nicht das interessanteste weltpolitische Thema dieser Woche. Immerhin versuchen die US-Demokraten gerade Donald Trump per Impeachment aus dem Amt zu kegeln und Boris Johnson kämpft weiter um den Brexit. Aber, das österreichische Geschehen erinnert doch ein wenig an die Zustände in Italien, und dieses Land ist derzeit so etwas wie die Sollbruchstelle des Euro-Raums. Auch Italien wurde von einer, insbesondere im Verhältnis zu Brüssel, Paris und Berlin, etwas widerborstigen Regierung gelenkt, die ebenfalls über sich selbst stolperte und ebenfalls einer Übergangsregierung Platz machen musste. Spätestens da aber beginnen die Unterschiede: Denn das wesentliche Ziel der italienischen Regierung scheint darin zu bestehen, den ehemaligen Innenminister Salvini so lange wie möglich von künftigen Regierungsämtern fernzuhalten, weshalb dort, im Gegensatz zu Österreich, baldige Neuwahlen nicht auf der Tagesordnung stehen.

 

Böse Überraschung

Eine böse Überraschung erlebten Bitcoin-Anleger gestern gleich in zweifacher Hinsicht: Nicht nur, dass der Kurs auf die Unsicherheiten um die Ankündigung der US-Demokraten zu einem möglichen Trump-Impeachment nicht ähnlich positiv reagierte wie der Goldpreis, er ging regelrecht in den Sturzflug über. Am Ende schlug ein Tagesminus von mehr als 13% oder 1.000 USD zu Buche. Immerhin konnte die Marke von 8.000 USD gehalten werden. Die Schere zwischen Bitcoin-Kurs und Goldpreis ist insofern bemerkenswert, als beide, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und mit unterschiedlicher Berechtigung als Krisenanlagen für die Wechselfälle des Anlegerlebens wahrgenommen werden. Beim Bitcoin ließ sich die Kursbewegung zu einem guten Teil aus der Chartsituation erklären (vgl. Abb.). Die Abfolge aus zunächst fast eingeschlafenen Kursen, denen dann eine dynamische Ausbruchsbewegung folgte, war zuletzt schon zweimal zu beobachten (vgl. Markierungen). Dabei sieht man der Ruhephase allerdings nicht an, in welche Richtung der Kurs ausbrechen wird. Was man aber sieht: In beiden Fällen kam es nach dem Ausbruchstag noch zu einer ausgedehnteren Kursbewegung in Ausbruchsrichtung. Sollte der Bitcoin also das gestern verlorene Terrain nicht unmittelbar zurückerobern können, was dann gestrigen Tag zu einem charttechnischen Fehlsignal machen würde, ist hier zunächst tendenziell mit eher weiter nachgebenden Kursen zu rechnen. Wir betonen diese Überlegungen auch deshalb, weil es bei Bitcoin & Co. nur am Rande um fundamentale Einschätzungen geht.

Die werden eher als Erklärungsversuche nach einer Kursbewegung angeboten und halten einer genaueren Überprüfung oder auch nur einem simplen Plausibilitätscheck oft genug nicht stand: So wurden für den aktuellen Kurseinbruch beispielsweise folgende Erklärungen angeboten: Der Start des Bakkt-Futures habe die Marktteilnehmer verschreckt. Kaum vorstellbar, dass dadurch die aktuellen Turbulenzen ausgelöst worden sein sollen, zumal nur etwas mehr als 50 Bitcoins über diesen Future gehandelt wurden. Als zweiter möglicher Grund war ein kurzfristiger Einbruch der sogenannten Hashrate um rund 40% genannt. Der Wert gibt Auskunft über die dem Bitcoin-Netzwerk zur Verfügung gestellte Rechenleistung und wird als Indikator für die Gesundheit des Netzwerks angesehen. Angeblich sollen Serverfarmen in der Mongolei abgeschaltet worden sein bzw. solche von jenen Produzenten, die bei den gesunkenen Kursen nicht mehr profitabel waren. Nun, inzwischen ist die Hashrate wieder auf dem Ausgangswert, während sich der Bitcoin noch nicht erholen konnte. Es ist irgendwie beruhigend, oder eigentlich nicht, dass selbst Bitcoin-Experten angesichts der jüngsten Kursbewegung ratlos sind.

Mehr Beton als Betongold

Immobilien steigen langfristig immer! So ähnlich lauten die typischen Mythen, die Makler und vermeintliche Experten am Immobilienmarkt erzählen. Klar, denn mit dieser Begründung lässt sich auch nach einem zehn Jahre währenden Boom ein weiterer Preisanstieg begründen. Die Realität ist jedoch etwas komplexer. So wie es über Jahre tatsächlich gute fundamentale Gründe für eine Aufwertung des Betongolds gibt tauchen nun vermehrt Anzeichen für ein Ende der Hausse auf. Zu Zinsen, die eigentlich nicht mehr sinken können, kommt nun auch ein demographisches Problem und immer gravierendere politische Eingriffe. Im neuen Smart Investor, der kommenden Samstag erscheint, gehen wir daher der Frage nach, was dies für den zuletzt boomenden Immobilienmarkt und die börsennotierten Immobilienaktien bedeutet. Wir haben uns dazu die Standardtitel der Branche angesehen und nach attraktiven Aktien aus der zweiten Reihe Ausschau gehalten. Wie jedes Jahr finden Sie auch wieder unsere große Tabelle, in der wir die wichtigsten Kennzahlen der börsennotierten Immobilienunternehmen darstellen. Daneben haben wir mit Dr. Olaf Hein, Vorstand der Beteiligungsgesellschaft Elbstein AG, gesprochen, der über eine jahrelange Erfahrung mit Immobilienaktien verfügt. Mit Prof. Dr. Harald Simons vom Rat der Immobilienweisen haben wir zur Binnenmigration und deren Implikationen auf die Immobilienpreise befragt. So viel können wir bereits hier verraten: Es ist nicht nur die jeweilige Wirtschaftskraft, die eine marode Altbauwohnung in München-Schwabing attraktiver als eine Neubauwohnung in Duisburg-Marxloh macht. Entgegen der Intuition deuten die Migrationszahlen innerhalb Deutschlands zuletzt außerdem nicht auf eine Fortsetzung des Booms in den großen Metropolen hin – unterm Strich hatten diese 2018 nämlich einen Wegzug zu verzeichnen.

Zu den Märkten

Nachdem sich der DAX in den letzten Wochen in die Nähe seiner Jahreshochs vorgearbeitet hatte, läuft es seit einigen Tagen nicht mehr rund. Vor der Marke von 12.500 Punkten ging dem Index zunächst die Puste aus. Als in der Vorwoche dann auch der zweite Anlauf scheiterte, nutzten die Anleger das konjunkturell und politisch unsichere Umfeld zu Gewinnmitnahmen. Die nächste Unterstützung stellt der Bereich um 12.000 Punkte dar.

Musterdepot Aktien & Fonds

Donald Trump erwähnte Micron Technologies in seiner Rede vor der UN, wir warten auf die morgigen Quartalszahlen. Lesen Sie dazu mehr im heutigen Musterdepot. Sie können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Veranstaltungshinweis

Am 12. Oktober laden die European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF) und die Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft zur Währungskonferenz 2019 ins Steigenberger Parkhotel Düsseldorf ein. Auch im dritten Jahr ist es den Veranstaltern gelungen, hochkarätige Experten zu gewinnen, die sich in Zeiten von Bitcoin und Mini-Bots einem brandaktuellen Leitthema widmen werden: „Wie weit sind wir auf dem Weg zur Entnationalisierung der Währungsordnung?“

Wir bei Smart Investor werden nicht müde, die Bedeutung des Geldwesens und die segensreichen Wirkungen einer guten Geldordnung für das friedliche Zusammenleben und die Prosperität einer Gesellschaft zu betonen. Deshalb werden wir auch bei dieser wichtigen Grundsatzdebatte wieder selbst vor Ort sein und freuen uns, Sie dort zu treffen.

Für die ganztägige Veranstaltung (9:30 Uhr – 18:00 Uhr) wird ein Kostenbeitrag von 130 EUR erhoben. Nähere Informationen finden Sie hier: www.hayek.de/pec-events/waehrungskonferenz-2019/

 

 

Smart Investor 9/2019

Titelstory: Börsenweisheiten – Von Kanonendonner und zittrigen Händen

Nachhaltige Energien: Abgerechnet wird erst zum Schluss

Perma-Performer: Diese US-Aktien laufen und laufen und laufen

Edelmetalle: Erst der Beginn des Bullenmarktes

 

Fazit

Zwar haben politische Börsen meist kurze Beine, selten aber so viele wie in diesem Jahr.

Ralph Malisch, Christoph Karl

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner.                                                                                                           Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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