Löcher in der Matrix – Totalisator der Prognosen

Es gibt Themen, zu denen fühlt man sich im deutschen Medienmainstream nur bedingt gut informiert. Dazu gehört spätestens seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA auch die amerikanische Politik. Ginge es nach den hiesigen Schlagzeilen, würde Trumps Stuhl jede Woche aufs Neue bedenklich wackeln – und zwar seit dem ersten Tag im Amt. Nun soll es nach dem Willen der Demokraten tatsächlich ein Amtsenthebungsverfahren („Impeachment“) geben. Es geht um ein Gespräch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenski, das nach Ansicht der Demokraten explosiv genug ist, um ein solches Verfahren zu rechtfertigen. Während hierzulande weitestgehend unreflektiert die Position von Trumps Gegnern wiedergegeben wird, kann dieser Schuss durchaus auch nach hinten losgehen. Denn erstens schätzen es die Wähler nicht sonderlich, wenn auf diese Weise in den Wahlkampf eingegriffen wird und zweitens denkt man beim Thema Ukraine doch eher an Joe Biden und seinen Sohn Hunter. Zumindest brüstete sich Biden sen., heute einer der aussichtsreicheren demokratischen Bewerber um die Präsidentschaft und früher Vizepräsident unter Obama, ganz offen damit, einen ukrainischen Staatsanwalt aus dem Amt gekegelt zu haben – „quid pro quo“ vom Feinsten.

Klar ist: Wenn schon der 2016er Wahlkampf schmutzig war, der kommende wird noch schmutziger werden. Und da auch die US-Medien längst eine der beiden Seiten gewählt haben, sind objektive Informationen Mangelware. Die aber wären angesichts der anstehenden Richtungsentscheidung notwendiger denn je. Und da bietet sich mit sogenannten Wahlbörsen eine interessante Möglichkeit, die allzu schrillen politischen Medien ein wenig mit der Realität abzugleichen. Diese Börsen funktionieren nach dem Motto „Put your money where your mouth is“. Hier geht es also nicht einfach darum, seine Meinung per Twitter kundzutun. Nein, die Teilnehmer setzen Geld ein und haben damit „Skin in the game“. Entsprechend ist ihre Motivation auch eine andere. Es geht nicht darum Argumente für die favorisierte Seite zu sammeln, sondern eine realistische Perpektive zu gewinnen, um eine profitable Prognose abgeben zu können. Natürlich stehen auch die Teilnehmer solcher Wahlbörsen unter dem Einfluss der Tagesaktualitäten. Aber: Sie fangen die allfälligen Übertreibungen schneller wieder ein. Denn immer wenn eine Meinung sich in unrealistischer Weise verselbständigt, wird es attraktiv dagegenzuhalten.

Eine interessante Einrichtung in dieser Hinsicht ist das Projekt PredictIt (www.predictit.com) der Victoria University of Wellington. Dort wird eine Vielzahl an politischen Wetten angeboten. Der Einsatz sind immer Cents auf den Dollar. Das heißt, man gewinnt auf diesen Einsatz entweder einen Dollar oder man verliert den Einsatz. Eine Wette, die beispielsweise nur 10 Cents kostet, setzt entsprechend auf ein Ereignis, das als sehr unwahrscheinlich gilt. Der Clou besteht darin, dass diese Wetten handelbar sind. Bei einigen politischen Themen liegen die Einschätzungen der Wettteilnehmer teilweise recht weit neben der veröffentlichten Meinung. Beim Eingangsthema Impeachment ist der Wert nach der Rede von Nancy Pelosi, die als Sprecherin des Repräsentantenhauses ein solches Verfahren ankündigte, sprunghaft nach oben gegangen. Er steht nun bei 61 Cents gegenüber 12 Cents vor der Rede. Interessanterweise gab es zwei Schübe: Der erste erfolgte nach der Rede selbst, der zweite mit kurzem Abstand nach der Veröffentlichung des Gesprächsmitschnitts. Tatsächlich wurde dieses Protokoll zunächst als Entlastung Trumps wahrgenommen, weshalb die Wahrscheinlichkeit unmittelbar danach erst einmal wieder absank. Als aber klar wurde, dass die Demokraten in jedem Fall ein Amtsenthebungsverfahren anstreben, schoss die Wahrscheinlichkeit wieder nach oben. Bei dieser Wette kommt es übrigens nicht darauf an, ob Trump tatsächlich seines Amtes enthoben wird, sondern lediglich, ob das Repräsentantenhaus ein entsprechendes Verfahren mit einfacher Mehrheit einleiten wird („Will Trump be impeached by end of 2019?“).

Der Stand dieser Wette ist so gesehen auch konsistent mit anderen Wetten: So wird derzeit mit überwältigender Mehrheit davon ausgegangen, dass Trump sowohl zum Jahresende 2019 Präsident sein („Will Trump be president at end of 2019?“), als auch insgesamt seine erste Amtszeit zu Ende bringen wird („Will Trump complete his first term?“). Aktuell gilt er sogar als wahrscheinlichster Gewinner der Wahlen im nächsten Jahr („2020 presidential winner“). Das allerdings liegt auch daran, dass sich die Wahrscheinlichkeiten des demokratischen Lagers derzeit noch auf mehrere Kandidaten verteilen. Insgesamt haben die Demokraten derzeit die Nase für die 2020er Wahl aber vorne („Which party wins the Presidency in 2020?“). Zumindest eine Sache darf als sicher gelten: Beim Friedensnobelpreis wird Trump wohl auch dieses Jahr leer ausgehen („Trump named 2019 Nobel Peace winner?“).

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