SIW 49/2019: Fressen statt buddeln

© Bildagentur PantherMedia / Krisana Antharith

SIW 49/2019: Fressen statt buddeln

„Black Friday“ in der Goldminenbrache

Goldene Zeiten voraus?

Mit einer ungeahnten Wucht kommt derzeit eine Übernahme über die Goldminenbranche. Kirkland Lake Gold plant den Kauf von Detour Gold, die chinesische Zijin Mining will Continental Gold akquirieren und Endeavour Mining versucht sich sogar an einer feindlichen Übernahme von Centamin. Spricht diese Entwicklung für den Sektor oder ist es sogar schon ein Indiz für eine Überhitzung? Nach unserer Auffassung eher für Ersteres. Denn während die Branchenschwergewichte in der Vergangenheit häufig gerade dann zugeschlagen haben, als der Goldpreis neue Höchststände erklommen hatte, könnte man nun mit ein bisschen Phantasie ein antizyklisches Verhalten unterstellen. Zwar dürfte sich Gold aktuell in einem neuen Bullenmarkt befinden (siehe Chart unten), allerdings noch in einem relativ frühen Stadium. Waren es zuletzt noch Elefantenhochzeiten zwischen Branchengrößen wie Barrick und Randgold oder Newmont und Goldcorp, die die Schlagzeilen beherrschten, sind es nun Übernahmen mittelgroßer Unternehmen mit einer Produktion von einigen 100.000 Unzen Gold pro Jahr. Waren in der Vergangenheit häufig die Ambitionen des Managements und die teuer erkauften Wachstumsaussichten der Unternehmen der Hauptbeweggrund für Akquisitionen, stehen nun ganz individuelle operative Überlegungen im Vordergrund. Kirkland versucht ganz offensichtlich seine hohe Bewertung aufgrund des sensationellen Erfolgs seiner Fosterville-Mine in Australien zu nutzen. Während diese lediglich eine Rest-Lebensdauer von rund fünf Jahren besitzt, bringt es Detour auf satte 26 Jahre. Die chinesische Zijin möchte sich mit Continental den Zugriff auf deren Buritica Gold Projekt in Kolumbien sichern. Ab 2020 soll die jährliche Produktion dort rund 250.000 Unzen pro Jahr betragen. Endeavour Mining hat schließlich einige Synergien identifiziert, die man im Verbund mit Centamin heben könnte. Durch die langfristigere Ausrichtung des kombinierten Unternehmens könne man die vorhandenen Werte der ägyptischen Sukari-Mine besser heben als Centamin heute.

 

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Neue Hausse mit anderen Vorzeichen

Ob all diese Vorhaben in der Realität auch so gelingen, wie es in den schön aufbereiteten Präsentationen steht, ist eine andere Frage. Klar ist aber auch, dass damit die überfällige Konsolidierung der Branche ins Rollen kommt. Es sieht so aus, als ob die fähigen Management-Teams aktuell die Gunst der Stunde nutzen, ihre Ressourcen zu akzeptablen Preisen zu ergänzen und sich damit entsprechende Entwicklungspotentiale schaffen. Positiv ist daran auch, dass die jüngsten Übernahmen fast ausschließlich in Aktien bezahlt werden. Ganz anders in den Jahren vor 2011, als die meisten Zukäufe auf „Pump“ finanziert wurden. Dass zu viel Leverage im volatilen Rohstoffgeschäft tödlich sein kann, mussten viele Gold- und Silberminen im darauf folgenden Abschwung schmerzlich feststellen. Heute sieht die Lage etwas anders aus. Die guten Unternehmen des Sektors haben die vergangenen Jahre genutzt, um ihre Kosten in den Griff zu bekommen. Bereits zum heutigen Goldpreis werden hohe freie Cashflows erzielt. Nach der Jahrtausendwende stieg zwar der Goldpreis, gleichzeitig aber auch der Ölpreis, der ein nicht zu unterschätzendender Kostenfaktor im Minengeschäft ist. Aktuell ist auf der Kostenseite kein großer Druck zu erwarten, jeder weitere Dollar Anstieg der Goldnotierung führt damit unmittelbar zu höheren Cashflows. Sollten die alten Höchststände bei 1.900 USD in Angriff genommen werden, dürften die Minen gar nicht wissen wohin mit dem vielen Geld. Hohe Ausschüttungen und Aktienrückkäufe sollten dann ganz oben auf der Prioritätenliste stehen – keine neuen Mega-Übernahmen. Bislang sieht es so aus, als ob die Branche die Basis für die kommenden Jahre legt. Lediglich den Goldpreis selbst haben die Manager natürlich nicht in der Hand.

„Letztes Aufgebot“

Wenn wir den Blick zurück nach Deutschland richten, dann fällt zuerst das Klein-Klein der Innenpolitik ins Auge. Die SPD, immerhin Juniorpartner in einer Verbindung, die in Verkennung der Umstände noch immer gerne als „große“ Koalition apostrophiert wird, will sich eine neue Parteispitze geben. Seit Martin Schulz, der mit seinem Schulz-Zug noch rechtzeitig entgleiste bevor er gegen die Wand donnern konnte, werden neue SPD-Chefs in den Medien gerne als „letzte Hoffnung“ für die Partei bezeichnet. Letztes Aufgebot trifft es eher. Nach dem Willen der Genossen sollen künftig Norbert Walter-Borjans, ein B-Promi mit der Kernkompetenz Geldrauswerfen, und eine weithin unbekannte, stramm sozialistische Hinterbänklerin die Fallgeschwindigkeit der Partei noch einmal beschleunigen. Keine leichte Aufgabe. Alleine die krampfhaft aufgestellten w/m-Duos hatten etwas Erbarmungswürdiges. Offenbar ist niemand in der ganzen Partei manns, frau oder trans genug, das, was von der SPD noch übrig ist, alleine zu führen. Es ist ja nicht so, dass es nicht hinreichend Erfahrungen mit Doppelspitzen in Politik und Wirtschaft gäbe. Die einzig uns bekannte, die über längere Zeit funktioniert hat und noch immer funktioniert, heißt Buffett/Munger – und die ist formal betrachtet nicht einmal eine echte Doppelspitze.

Dass die SPD unter ihren künftigen, (Gro)Ko-kritischen Chefs die Koalition tatsächlich verlassen wird, ist noch lange nicht ausgemacht. Das Dilemma der Partei bleibt nämlich unter neuer Leitung das alte: Schnelle Neuwahlen sind bei den aktuellen Umfragewerten ziemlich unattraktiv, allenfalls könnte man sich einen kleinen Sympathiebonus der Wähler für einen aktiven Bruch der Koalition ausrechnen. Ansonsten geht die erdrückende Umklammerung durch Merkel bis zur nächsten regulären Wahl einfach weiter. Denn die CDU signalisierte bereits ihre Ablehnung von Nachverhandlungen des Koalitionsvertrages. Eine Plattform zur Profilierung will man den Neuen demnach offenbar nicht bieten. Das kann sich aber noch ändern. Apropos ändern: Man mag über Kevin Kühnert, einen der prominentesten Koalitionskritiker der SPD denken, was man will. Aber er besitzt genügend politischen Instinkt, um jetzt – ganz „staatsmännisch“ – den Dampf aus genau dem Kessel entweichen zu lassen, den er zuvor selbst kräftig angeheizt hat. Seiner Parteikarriere wird es nicht schaden.

 

 

Zu den Märkten

Die Einkaufstour der Goldminen hat einen realen Hintergrund. Obwohl es in den letzten Wochen wieder vergleichsweise still um den Preis des gelben Metalls wurde, ist das größere Chartbild noch immer positiv zu interpretieren. Denn nach dem ungestümen Aufwärtsschub der Monate Juni bis August findet die anschließende Konsolidierung vergleichsweise geordnet innerhalb einer Flaggenformation (vgl. Abb., blaue Linien) statt. Das Ganze passiert auch noch oberhalb der steigenden 200-Tage-Linie (grün). Die Standarderwartung einer solchen Abfolge von Aufwärtsimpuls und Korrektur wäre ein erneuter Ausbruch nach oben. Allerdings lässt sich aus diesem Muster nicht ablesen, dass dieser nun bereits zwingend während der aktuellen Anstiegsphase anstünde. Vielmehr wäre auch ein erneuter Test der unteren Flaggenbegrenzung mit einer Fortsetzung des übergeordneten Aufschwungs vereinbar. Selbst ein Fehlausbruch nach unten würde daran nichts ändern. Sobald aber die obere Flaggenbegrenzung sowie die erste psychologisch wichtige Widerstandsmarke bei 1.500 USD/Feinunze wieder überwunden werden, steigen die Chancen auf eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends.

 

Musterdepot Aktien & Fonds

Große Übernahmen sind traditionell nicht die Sache von Agnico-CEO Sean Boyd. In einem Interview machte er zuletzt dennoch interessante Aussagen über die Zukunft der Goldminenbranche. Mehr dazu im heutigen Musterdepot. Sie können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

 

 

Smart Investor 12/2019

Nebenwerte: Es kommt nicht auf die Größe an

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Fazit

Die lange überfällige Konsolidierung der Goldminenbranche kommt so langsam ins Rollen. Sollten die Manager der Unternehmen tatsächlich etwas dazugelernt haben, könnte dies den Anfang und nicht das Ende einer neuen Edelmetall-Hausse markieren.

Christoph Karl, Ralph Malisch

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