SIW 3/2019: Wir sind Deal

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SIW 3/2019: Wir sind Deal

Trotz der heutigen Inszenierung dürfte das Thema Handelskrieg nicht abgeschlossen sein

Teilerfolg oder Blendrakete?

Die Welt blickt gespannt nach Washington. Nach fast zwei Jahren permanenter Eskalation und Deeskalation im Handelsstreit mit China scheint es nun einen ersten belastbaren „Deal“ zu geben. Donald Trump und hochrangige chinesische Regierungsvertreter werden heute die erste Phase eines Handelsabkommens zwischen den zwei größten Wirtschaftsnationen der Welt in einer viel beachteten Zeremonie unterschreiben und damit zur Beruhigung eines Konfliktes beitragen, der die Welt insbesondere im letzten Jahr in Atem gehalten hat. Die Frage aller Fragen ist jedoch, was hier überhaupt unterschrieben werden soll. Ersten Meldungen zufolge ist der Erste-Phase-Deal nämlich nicht der große Durchbruch, als den ihn viele angesehen hatten. Neben dem zusätzlichen Kauf amerikanischer Agrar- und Energierohstoffe für mehr als 200 Mrd. USD über zwei Jahre durch die Chinesen sollen einige der zuletzt erhobenen Zölle reduziert werden. Gleichzeitig dürften die USA und China vereinbaren, sich gegenseitig in Zukunft keine neuen Zölle aufzuerlegen. Schwierige Themen wie den Technologie-Diebstahl oder die Währungsmanipulation durch China werden dagegen voraussichtlich erst in einem zweiten Paket angegangen, das letzten Verlautbarungen von Donald Trump zufolge nach der US-Präsidentschaftswahl abgeschlossen werden soll.

 

 

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Kalter Handelskrieg

Genau auf diese Wahl zielt auch der erste Teil des Deals ab. Trump dürfte viel daran liegen, die Konjunktur im Vorfeld der US-Wahl nicht zu schwächen. Klar ist jedoch auch, dass vermutlich Zölle auf Güter im Volumen von 375 Mrd. USD mindestens bis Ende 2020 in Kraft bleiben werden. Die Verhandlungen zu einer zweiten Phase dürften sich auch dann alles andere als einfach gestalten. Völlig abgesehen davon hätten sich vermutlich beide Seiten auch schon vor Monaten auf die nun beschlossenen Punkte einigen können, hätte Trump nicht regelmäßig weiter Öl ins Feuer gegossen. Erfolgreich waren Trumps außenpolitische Aktivitäten bislang meist, wenn er mit maximalem Druck einen schwächeren Gegner in die Knie zwingen konnte. Mit China dürfte diese Taktik kaum aufgehen, zu unsensibel im kulturellen Umgang dürfte Trump gewesen sein und zu selbstbewusst ist die KP-Führung Pekings. Gut möglich, dass die Weltwirtschaft noch lange von einem „kalten Handelskrieg“ begleitet wird – völlig unabhängig übrigens davon, wer im Weißen Haus regiert. Der heute feierlich zu unterschreibende Deal ist daher genau genommen eher wie ein „Waffenstillstand“ und nicht wie ein „Friedensvertrag“ anzusehen, der zudem jederzeit aufgekündigt werden könnte, sollte eine der Parteien gegen darin festgezurrte Punkte verstoßen.

Wetten und deren Chancen

Mit Wetten und deren Chancen beschäftigt sich der bekannte Value-Investor Howard Marks in seinem jüngsten Memo mit dem Titel „You Bet!“ (hier zum Download). Darin beschäftigt er sich mit den Gemeinsamkeiten, die Wetten und Investments besitzen. Im Interview mit dem US-Börsensender Bloomberg wendet er seine Erkenntnisse auf die aktuelle Börsensituation an. Die Märkte seien vergleichsweise teuer, die Hausse eine der ältesten der Geschichte. Zudem sei der laufende Wirtschaftsaufschwung verglichen mit früheren Konjunkturphasen einer der längsten jemals gemessenen. Unterm Strich also eine Zeit, in der neue Wetten – sprich Investments – an der Börse sehr viel geringere Chancen auf Erfolg haben, als noch vor einigen Jahren. Was im Umkehrschluss jedoch noch nicht bedeuten muss, dass die Börsen ab morgen fallen müssten. Das Problem ist laut Marks jedoch, dass viele Anleger kein besonders gutes Verständnis für die ihnen aktuell gegebenen Chancen und Risiken besitzen. Wie bei vielen Glückspielen sei es an den Börsen eine Kombination aus Talent, nicht zugänglichen Informationen und Glück, die über den Erfolg entscheiden. Fehlt jegliches Talent, sei das Spiel an der Börse kaum mehr als ein Glückspiel. Doch auch der talentierteste Anleger sieht sich mit Glück und Pech konfrontiert. Nicht einmal im Nachhinein könne man daher kurzfristig sagen, ob einen Entscheidung wirklich gut oder das Ergebnis vor allem das Resultat von Glück war. Mit Gedanken von Marks im Hinterkopf sollten sich Anleger vor allem in Demut versuchen.

Crash versus weiter-so?

Wenn man sich die Kommentare von Analysten, Journalisten und Bloggern derzeit so ansieht, stoßen einem in erster Linie zwei eher gegensätzliche Thesen ins Auge, die sich herauskristallisiert haben. Die einen sehen Ungemach heraufziehen, z.B. eine Bankenkrise sich nähern, wie der inzwischen zum Internetstar aufgestiegene Dr. Markus Krall. Die anderen sehen in erster Linie den schwelenden Handelskonflikt zwischen USA und China als wichtigsten Faktor für die Börsen an und verweisen gleichzeitig auf die von US-Präsident Donald Trump angestrebte Wiederwahl im Herbst, welcher diese wohl kaum mit unüberlegten Handlungen gefährden will.

 

Lassen wir mal beide auf fundamentalen Entwicklungen beruhenden Thesen weiter unkommentiert nebeneinander stehen, denn in unserem Kapitalmarktausblick 2020 im aktuellen Heft haben wir ja genügend dazu gesagt. Im neuen Februar-Heft, welches am 25. Januar erscheinen wird, finden Sie einen Artikel zum Thema „Zyklen“. Demnach könnte der DAX – ganz unabhängig von all den fundamentalen Überlegungen – in der zweiten Januarhälfte und in den Wochen danach ziemlich durchgeschüttelt werden.

Natürlich ist diese Zyklen-Prognose auch wieder nur eine These,  die wir erst im Nachhinein auf ihre Richtigkeit überprüfen können. Sehen wir uns deshalb also den Chart des DAX an, um eventuelle Hinweise auf die eine oder andere Sichtweise zu bekommen: Links im Chart im Januar 2018 ist das Allzeithoch bei knapp 13.600 DAX-Punkten zu erkennen – dieses Niveau wurde mit einer blauen waagerechten Linie deutlich gemacht.

Interessant ist nun, dass sich die gesamte Aufwärtsbewegung des DAX seit Anfang 2019 zumindest in der zweiten Jahreshälfte in einer aufwärts gerichteten „Keilformation“ abspielt, welche durch die beiden grünen Linien verdeutlicht wird. Solchen aufwärts gerichteten Keilen ist per Lehrbuch ein tendenziell negativer Charakter beizumessen. Natürlich wäre ein Verlassen dieses Keils nach oben ebenfalls möglich („Weiter-so“-These). Allerdings wird die negative Standard-Erwartung (Durchbruch nach unten bzw. starke Korrektur bzw. „Crash“-These) dadurch in gewisser Weise wahrscheinlicher, dass die Keil-Spitze, die sich womöglich in den letzten Tagen ausgebildet haben könnte, eben ziemlich genau auf dem Niveau des Allzeithochs befinden würde. Und dass Allzeithoch-Niveaus eine magische Anziehungs- aber dann auch Abstoßungskraft innewohnt, gehört quasi zum Grundlagenwissen eines jeden charttechnisch Interessierten.

Kurzum: Die augenblickliche Situation beim DAX erscheint vor dem Hintergrund der hier aufgezeigten charttechnischen Überlegungen als nicht ganz unbedenklich. Sollte dieser beschriebene Keil nach unten verlassen werden (was bei etwa 13.200 DAX-Punkten der Fall wäre), so bekommt die angesprochene zyklische Aussage eine hohe Wahrscheinlichkeit, womit ein deutlicher Verfall der deutschen Aktien, wenn nicht gar ein kleinerer Crash im Zeitraum Januar/Februar nicht ausgeschlossen werden sollte.

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Smart Investor 1/2020

Titelstory: Kapitalmarktausblick 2020: Risk on, Risk off, Risk on …

Small-Cap-Konferenzen: Alte Bekannte und neue Entdeckungen

Florida: Sonne, Wasser und Wachstum

Markettiming: Börsenerfolge dank Regeln und Sicherheitsnetz

 

 

Fazit

Trotz der groß inszenierten Unterschriftszeremonie für die erste Phase eines Handelsabkommens zwischen den USA und China dürfte uns das Thema Handelskrieg noch eine Zeit lang begleiten.

Christoph Karl, Ralf Flierl

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