SIW 6/2020: Die Aktie, die uns dumm aussehen lässt …

Bildnachweis: © Bildagentur PantherMedia / Wavebreakmedia (YAYMicro).

SIW 6/2020: Die Aktie, die uns dumm aussehen lässt …

 … und Elon Musk besonders clever

Parabolischer Anstieg

Gibt es eine Aktie, die in den letzten Jahren nicht nur uns, sondern auch eine Reihe sehr viel intelligenterer Investoren, relativ dumm aussehen hat lassen wie Tesla? Vermutlich kaum. Alleine seit Jahresanfang dürften die Leerverkäufer der Aktie des Elektroauto-Pioniers mehr als 8 Mrd. USD verloren haben – verglichen mit rund 6 Mrd. USD an kumulierten operativen Verluste, die das Unternehmen selbst seit seiner Gründung angehäuft hat. Kaum eine Aktie hat in den letzten Jahren so polarisiert. Einen Mittelweg zwischen den euphorischen Tesla-Optimisten und der sogenannten TSLAQ-Community (Q ist das nachgestellte Kürzel für insolvente Unternehmen an den amerikanischen Börse), die von einer Pleite des Unternehmens ausgeht, scheint es nicht zu geben. Daran dürfte auch der parabolische Kursanstieg der letzten Tage nichts geändert haben, der das Unternehmen mit einem Börsenwert von 160 Mrd. wertvoller als Volkswagen und BMW zusammen machte. Zunächst einmal müssen wir selbstkritisch anmerken: Auch wir standen auf Seiten der Kritiker und haben dem Unternehmen in einer Titelstory bereits 2017 keine große Zukunft prognostiziert. Als Tesla 2018 durch die „Produktionshölle“ ging und Elon Musk schließlich die Privatisierung seines Unternehmens zu einem (damals absurd erscheinenden) Kurs von 420 USD ankündigte, erschien uns das Platzen der Tesla-Blase zum Greifen nahe zu sein. Es kam schließlich völlig anders.

 

 

 

Anzeige
___________________________________________________________________

Am 21. März 2020 wird von 10:00 bis 19:30 Uhr im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden der SOLIT Go for Gold-Wertekongress 2020 stattfinden.

Der SOLIT Go for Gold-Wertekongress richtet sich an Gold-Freunde, Wirtschaftsinteressierte, Sparer und kritische Geldanleger. Die Teilnehmer erfahren in den Vorträgen mehr über die aktuelle Entwicklung der Weltwirtschaft, die Stellung von Politik und Medien und die glänzende Zukunft von Gold.

Die Vorträge:

  • Dr. Hans-Werner Sinn | Die Entwicklung der Weltwirtschaft: Trump, Brexit, Eurokrise. Was wird aus Deutschland?
  • Daniel Stelter | Das Märchen vom reichen Land: Wie die Politik uns ruiniert
  • Daniele Ganser | Können wir Medien noch trauen?
  • Marc Friedrich & Matthias Weik | Der größte Crash aller Zeiten: Wirtschaft, Politik, Gesellschaft. Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können
  • Lutz Wagner | Werthaltig entscheiden
  • Robert Vitye | „Nach Gold drängt, am Golde hängt doch alles.“
  • Tim Schieferstein | Goldwerte Tipps für Edelmetallkäufer

Bestellen Sie jetzt Ihr Ticket auf www.goforgold.de

___________________________________________________________

 

 

Wie Volkswagen anno 2008

Um zu verstehen, was hier tatsächlich passiert ist, sollte man verschiedene Ebenen betrachten. Da ist zunächst die operative Entwicklung, die einige Kritiker (uns eingeschlossen) zuletzt tatsächlich widerlegte. Sah es Mitte 2019 danach aus, als ob das Wachstum des Unternehmens zum Erliegen gekommen ist, zeigt das letzte Quartal hier ermutigende Zeichen. Die These, dass die Nachfrage nach den Modellen von Tesla nach dem Abarbeiten der Vorbestellungen rapide abnehmen wird, hat sich ebenfalls nicht bewahrheitet. Die „Produktionshölle“ scheint endgültig überwunden zu sein, Tesla erreicht inzwischen die selbst gesteckten Produktions- und Auslieferungszahlen. Ein anderer Punkt dürfte jedoch der Short-Squeeze sein, der nicht ganz unschuldig an dem raketenhaften Anstieg der Aktie ist. Zwar deuten die Zahlen nicht darauf hin, dass die Leerverkäufer endgültig den Rückzug angetreten hätten. Es darf jedoch vermutet werden, dass einige der Panikkäufe der letzten Tage der Eindeckungen von Shortpositionen gedient hat. Der Kursverlauf erinnert frappierend an den von Volkswagen im Herbst 2008, einen der spektakulärsten Short-Squeezes der jüngeren Vergangenheit. Das große Problem der damals unter Druck geratenen Hedgefonds war jedoch, das rein mathematisch klar war, dass es nicht genügend Aktien zum Glattstellen aller offenen Leerverkäufe gab. Lediglich der gute Wille des Hauptaktionärs Porsche, einige VW-Aktien abzugeben, sorgte schließlich für Entspannung. Dies ist bei Tesla jedoch nicht der Fall. Es sollten genug Aktien umgehen, um auch größere Shortpositionen zeitnah zu schließen.

 

 

Ein Kurs und seine Wirkung

Was sich am Beispiel Tesla ebenfalls studieren lässt, ist die Reflexivitätstheorie, die einst George Soros formulierte. Demnach sind Finanzmärkte eben nicht ein Markt wie alle anderen, sondern einer, auf dem die zustande gekommenen Preise eine Auswirkung auf die Realität haben. Im Fall von Tesla sieht dies so aus: Als das Unternehmen Mitte 2019 einen Börsenwert von 30 Mrd. USD hatte, lasteten die Schulden von rund 13 Mrd. USD ganz erheblich auf dem Unternehmen und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Pleite. Bei einem Börsenwert von 160 Mrd. USD sieht dies dagegen etwas anders aus. Würde Musk die Gelegenheit beim Schopf packen, und den heutigen Kurs zu einer minimal verwässernden Kapitalerhöhung nutzen – Tesla wäre trotz aller angekündigten Projekte auf Jahre hinaus durchfinanziert. Wir brauchen vermutlich kaum darüber lamentieren, dass die Aktie heute hoffnungslos überbewertet ist. Die Börsen preisen eine mehr als perfekte Zukunft ein, die selbst die großen Visionen von Musk weit übertreffen müsste. Der Kursverlauf der Aktie zeigt dennoch, dass das Spiel mit einem Tesla-Short brandgefährlich ist. Anleger sollten das Schauspiel möglichst aus einer sicheren Entfernung betrachten und sich über den dabei eintretenden Lerneffekt freuen.

 

 

 

Anzeige


Wir haben die Lösung!

Ein kostenloses Depot für alle Wertpapiere, mit 4€ pro Order dauerhaft günstig:

– Aktien, Fonds, ETFs, Anleihen, Zertifikate, Optionsscheine
– Alle deutschen Börsenplätze
– Kostenlose Fonds-Sparpläne

– Wertpapierkredit ab 2.25% p.a.
– 18.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag
– Telefonische Kundenbetreuung

Jetzt auf Smartbroker.de!


 

 

Auch eine lange Reise …

… beginnt mit dem ersten Schritt. Und genau diesen ersten Schritt sind die Briten mit dem offiziellen Brexit am 31. Januar 2020 gegangen. Damit sind sie die erste Nation, die die Europäische Union wieder verlässt. Ob weitere folgen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die erste Klippe ist die nun laufende Übergangsphase, in der entscheidende Weichen zwischen Großbritannien und der Rest-EU gestellt werden. Allen Lippenbekenntnissen zum Trotz wird man in Brüssel wohl auch weiter bestrebt sein, den Briten die Sache nicht allzu leicht zu machen. Schließlich weiß man dort ganz genau, dass die jüngere Entwicklung der EU und die zunehmend anmaßende Haltung des EU-Spitzenpersonals in etlichen europäischen Hauptstädten schon jetzt mit Misstrauen, ja Missfallen beobachtet werden. Dort interessiert man sich entsprechend sehr dafür, ob aus dem britischen Versuch, wieder auf eigenen Füßen zu stehen, letztlich nicht doch ein Erfolgsmodell wird. Die Rest-EU steht damit aber vor dem Dilemma, einerseits die eigenen Lippenbekenntnisse von europäischer Verbundenheit nicht allzu sichtbar zu unterlaufen, den Abtrünnigen aber andererseits das Leben so schwer wie möglich zu machen.

 

Freiheitsgrade und Optionen

Vergessen wir einmal die interessegeleiteten Horrorprognosen vom kommenden wirtschaftlichen Niedergang der Inseleuropäer, dann hat der Brexit für das derzeit noch Vereinte Königreich zumindest zwei positive Effekte: Zum einen ist die Rückgewinnung der eigenen Souveränität mit einem erweiterten Handlungsspielraum verbunden. Während in der Rest-EU weiter der von Bürokraten verordnete sozialistische „One size fits all“-Einheits-Chic getragen werden muss, wird in London künftig wieder Maßgeschneidertes angesagt sein. Zum anderen sind die Mitgliedsstaaten der EU aufgrund ihrer räumlichen Nähe zwar tatsächlich so etwas wie natürliche (Handels-)Partner der Briten, aber keineswegs deren einzige. So hat ihnen Trump bereits einen attraktiven „Deal“ in Aussicht gestellt, was die traditionell engen Beziehungen beider Länder einmal mehr unterstreicht. Die Rest-EU dürfte also ganz gut beraten sein, den Bogen nicht zu überspannen, denn nach dem de facto gescheiterten Impeachment spricht vieles dafür, dass der alte US-Präsident auch der neue sein wird – und dem ist das britische Hemd offenbar näher als der EU-Hosenanzug. Trotz dieser guten Voraussetzungen wird aber letztlich entscheidend sein, in welcher Richtung der mit einer äußerst komfortablen Parlamentsmehrheit ausgestattete Boris Johnson seine Impulse setzen will. Noch sind die Signale widersprüchlich und schwanken irgendwo zwischen „Singapur an der Themse“ und einem Standort, dessen Umwelt- und Sozialstandards sogar noch höher als die in der EU ausfallen könnten.

 

 

Zu den Märkten

Gemischt sind weiter die Nachrichten aus China. Die Ausbreitung des neuen Coronavirus 2019-nCoV geht unvermindert weiter. Ein Lichtblick ist lediglich, dass nun auch die Zahl der Geheilten deutlich ansteigt und inzwischen auch über der Anzahl der Todesopfer liegt. Das Errechnen von statischen Verhältniszahlen ist hier allerdings nicht so ohne weiteres möglich, da die Zahl der Infizierten einen Vorlauf vor den Zahlen der Todesopfer und Geheilten aufweist. Die Märkte konnten sich in der Zwischenzeit stabilisieren (vgl. Abb.), sahen also zuletzt keinen Grund weitere negative Auswirkungen der Quarantänemaßnahmen auf die stark mit China verfochtene Weltwirtschaft einzupreisen. In diesem Zusammenhang solle man allerdings zwei Punkte beachten: Zum einen setzt an den Märkten vergleichsweise schnell so etwas wie Gewöhnung für ein bereits bekanntes Thema ein. Was Nicht-Marktteilnehmer schnell als eine gewisse Abgebrühtheit interpretieren, ist möglicherweise auch nur eine hohe Effizienz bei der Informationsverarbeitung. Preise und Kurse dürfen in dieser Hinsicht also nicht als moralische Kategorien missverstanden werden wie das heute so routiniert geschieht; sie sind Elemente in einem Prozess der Informationsgewinnung über Knappheiten und Erwartungen – ähnlich wie an allen anderen Märkten auch. Allerdings ist Epidemiologie nicht wirklich das Metier der Marktteilnehmer. Mit ihren Käufen und Verkäufen geben sie also aktuell auch ein Urteil über die Auswirkungen eines Bereichs ab, in dem sie nicht zuhause sind. Es wird also wohl so sein, dass sie, je nach Nachrichtenlage – etwa bei Gerüchten über sinkende Ansteckungszahlen oder neue Impfstoffe –, ihre Meinung noch häufiger anpassen werden. So führten offenbar aktuelle Meldungen über einen möglichen Durchbruch bei der Impfstoffforschung bzw. bei den Behandlungsmethoden heute zu deutlichen Kursaufschlägen auch bei deutschen Aktien.

 

Musterdepot Aktien & Fonds

Lesen Sie im heutigen Musterdepot über die zwei Themen, die Facebook-Anlegern Sorgen bereiten. Sie können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fonds-Musterdepot

Keine Veränderungen

 

 

 

Smart Investor 2/2020

Titelstory: Emerging Markets –
zwischen Tradition und Moderne

Zyklen: Von der Kunst, die
Märkte zu lesen

Cannabisaktien: Ist die Zeit nun reif
für den Einstieg?

Schlüsselwährungen: Mehr als ein Bonmot:
„Geld regiert die Welt“

 

Fazit

Themen wie Brexit, Coronavirus oder der E-Auto-Pionier Tesla haben bei allen Unterschieden auch gewisse Gemeinsamkeiten: Es handelt sich um neue Entwicklungen, für die es praktisch keine historischen Vergleichsfälle gibt. Die Einpreisung der Zukunft kann deshalb hier besonderen Schwankungen unterliegen – Irrtümer eingeschlossen.

Christoph Karl, Ralph Malisch

 

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Smart Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.


Abonnements:
Ein kostenloses zweimonatiges Kennenlern-Abo des Magazins Smart Investor kann unter
Smart Investor Abonnements angefordert werden.Das Magazin:
Das aktuelle Inhaltsverzeichnis des Smart Investor Magazins können Abonnenten unter Smart Investor Ausgabe 2/2020 einsehen.E-Mail-Versand:
Sollten Sie den E-Mail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine E-Mail mit dem Betreff “Abbestellen des SIW” an weekly@smartinvestor.de.Unsere Datenschutzerklärung finden sie hier.

Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

Jetzt Probe-Abo sichern!

 

Im Probeabo erhalten Sie kostenlos zwei Ausgaben des Smart Investor. Sofern Sie nicht binnen zwei Wochen nach Erhalt der zweiten Ausgabe kündigen, wandelt sich das Probeabo automatisch in ein Jahresabo Classic + Online zum Gesamtpreis von derzeit 64,- Euro innerhalb Deutschlands bzw. 84,- Euro im Rest der Welt (Zustellung per Luftpost); es enthält die monatliche Ausgabe des Smart Investors (12 Ausgaben für 61,- Euro bzw. 81,- Euro inkl. Versandkosten) sowie den Online-Zugang unter smartinvestor.de zu allen je erschienen Ausgaben (für 3,- Euro). Das Abonnement verlängert sich um jeweils ein Jahr, wenn es nicht bis sechs Wochen vor Ablauf gekündigt wird.

Bei fristgerechter Kündigung des Probeabos entstehen keine weiteren Verpflichtungen.

Abonnements

  • Hiermit informieren wir Sie über die Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten durch die Smart Investor Media GmbH und die Ihnen nach der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) zustehenden Rechte. Zu den Informationen