Grafik der Woche – nicht dramatisch genug?!

Während fast alle Medien gebannt auf die Zahlen der Neuinfektionen mit COVID-19 in einzelnen Ländern starren, also eigentlich auf die Zahlen der frisch auf COVID-19 positiv Getesteten, rücken andere Daten etwas in den Hintergrund. Zu Unrecht: Da sind beispielsweise die im Wochenrhythmus vom US Department of Labour (Employment and Training Administration) erhobenen Zahlen zu den Initial Jobless Claims, also zu den wöchentlichen US-Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung (U.S. Employment and Training Administration, Initial Claims [ICSA], retrieved from FRED, Federal Reserve Bank of St. Louis; www.fred.stlouisfed.org/series/ICSA). Die letzten Zahlen stammen von heute und beziehen sich auf die Woche, die am Samstag, den 4. April endete.

Die Zahlen sind dramatisch, zeigen sie doch bereits zum dritten Mal in Folge wöchentliche Erstanträge in Millionenhöhe (vgl. Abb.). Allerdings ist diese Zahlenreihe für ihre hohe Volatilität bekannt, weshalb auf der Website der St. Louis Fed auch eine Glättung mit einem Vier-Wochen-Durchschnitt empfohlen wird („A good use of moving averages“). Einigen, wie dem US-Portal www.zerohedge.com, waren die Zahlen aber wohl noch nicht dramatisch genug, weshalb man sie ein wenig aufbereitete: Veröffentlicht wurde dort nicht etwa der empfohlene Vier-Wochen-Durchschnitt, sondern eine vollkommen unübliche Drei-Wochen-Summe(!), die dann zum Ausweis satter 17 Mio. Erstanträge führte. Und weil das Ergebnis gar so sensationell war, wurde es in unzähligen Blogs völlig unkritisch geteilt. Das Gros der Blogger hatte nicht einmal bemerkt, mit welchem Kunstgriff hier gearbeitet wurde, und das könnte auch daran liegen, dass Statistiken oder allgemein Informationen, die das eigene Weltbild besonders gut bestätigen auch besonders gerne geglaubt werden.