Under Pressure

Bildnachweis: © Bildagentur PantherMedia / Joaquin Corbalan (YAYMicro).

Corona-Pandemie und Unruhen erschüttern die USA

Bemühtes Framing

Die deutschen Medien mühen sich seit Tagen redlich ab, die gewaltsamen Ausschreitungen, Brandschatzungen und Plünderungen in den USA als „Proteste gegen Rassismus“ zu framen, was in den USA ganz generell und unter Trump im Besonderen schon irgendwie nachvollziehbar sei. Trumps Amerika eben, der nun die Quittung für eine Politik der Spaltung ernte. Auslöser der landesweiten, schweren Unruhen war bekanntlich der Tod des Afro-Amerikaners George Floyd. Ursächlich war nach aktuell kommuniziertem Entwicklungsstand der unmittelbar vorangegangene brutale Einsatz eines weißen Polizisten. Es ist nicht so, dass es in den USA nicht immer wieder Klagen über brutale Polizeieinsätze gäbe – eine Wahrnehmung, die sich insbesondere außerhalb der USA längst zu einer Art Gewissheit über „die US-Polizei“ und deren latenten Rassismus verdichtet hat. Aber auch innerhalb der USA besteht offenbar ein Interesse, dieses Narrativ für eigene politische Zwecke wachzuhalten und zu nutzen. Die rasche landesweite Ausbreitung der Unruhen wäre ohne die emotionale Aufladung des Vorfalls über das Thema „Rasse“ nicht möglich gewesen, und sie zeigt sehr deutlich, wo man in multikulturellen Gesellschaften auch den Hebel ansetzen kann, um diese zu spalten. Das wissen die Extremisten auf beiden Seiten des politischen Spektrums nur zu genau. Die mahnenden Worte von Terence Floyd, dem Bruder des Getöteten, gingen in der Gewaltorgie dagegen fast unter: „If I’m not over here messing up my community. Then what are y’all doing?“ („Wenn ich nicht hier bin und meine Gemeinde verwüste, was macht ihr dann alle hier?“).

 

 

 

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Das gängige Narrativ

Die Frage muss allerdings erlaubt sein, warum die Situation ausgerechnet jetzt so eskaliert, dass selbst der direkt betroffene Bruder fassungslos danebensteht? Schließlich soll Polizeigewalt in den USA doch ein alltägliches Phänomen sein, warum kommt es dann nicht alltäglich zu solchen Unruhen? Warum kam es beispielsweise nicht zu Unruhen, als die australisch-amerikanische Staatsbürgerin Justine Damond im Juli 2017 getötet wurde – ebenfalls von einem Polizisten und ebenfalls in Minneapolis? Auch dieser Todesfall betraf zwei unterschiedliche Rassen, allerdings mit umgekehrten Rollen: Damond war weiß, der Polizist schwarz. In das gängige Narrativ wollte dieser Fall nicht passen – falscher Täter, falsches Opfer. Auch die allfällige Empörungswelle der Hollywood-Stars und das Echo der europäischen Medien blieben damals aus. Es spricht also einiges dafür, dass der Fall George Floyd bewusst instrumentalisiert wurde, weil er sich mühelos an das „Vorwissen“ über Polizeibrutalität und Rassismus innerhalb der Polizei anknüpfen ließ.

Hohe Einsätze

Verstörend an der aktuellen Situation ist auch, dass äußerst aggressive weiße Täter in den Bildern der Gewaltexzesse dokumentiert werden, was stark an die entfesselte Gewalt anlässlich des G-20-Gipfels in Hamburg im Jahre 2017 oder die Gewaltorgien in den Pariser Banlieues im Jahr 2005 erinnert. Diese Art von Gewaltausbrüchen ist weder ein amerikanisches Phänomen noch ein „Phänomen Trump“. Für die aktuelle Eskalation lassen sich tatsächlich mehrere offensichtliche und auch einige weniger offensichtliche Gründe finden: Der offensichtliche Grund ist in den Medien bereits ausgiebig diskutiert worden (s.o.). Etwas weniger offensichtlich ist der dramatische Abwärtsgang der US-Wirtschaft, in der die Arbeitslosigkeit Corona-bedingt in kürzester Zeit auf Rekordniveaus gestiegen ist. Die Situation in den sozialen Brennpunkten, die sich durch den Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre entspannt hatte, verschärfte sich dadurch wieder schlagartig. Auch eine durch monatelange Lockdown-Maßnahmen gesteigerte Frustration bzw. aufgestaute Aggression können eine Rolle gespielt haben. Zudem kristallisieren sich die politischen Gegensätze in einem Wahljahr in besonderer Weise heraus. Mit welch harten Bandagen schon zuvor gekämpft wurde, zeigen das sogenannte Russland-Dossier, das Trump vom ersten Tag seiner Amtszeit zu Fall bringen sollte, oder der Impeachment-Versuch durch die Demokraten. Es wäre also eher verwunderlich, wenn nicht auch aus der Situation in Minneapolis politisches Kapital geschlagen würde. Insbesondere extreme Kräfte – man kann sich noch nicht einmal sicher sein, ob sie vom äußeren linken und/oder rechten Rand kommen – halten wohl ihre Stunde inmitten einer heraufziehenden Wirtschaftskrise für gekommen. Das könnte sich als grandiose Fehleinschätzung erweisen. Die USA sind noch lange nicht das Land, in dem man durch „spontane“ Erhebungen eine Farbenrevolution nach ukrainischem Vorbild vom Zaun brechen kann. Falls es Trump gelingt, zeitnah die öffentliche Ordnung wiederherzustellen, dürfte er sogar als Gewinner aus dieser Eskalation hervorgehen: Denn die Normalbürger wünschen sich keine brennenden Supermärkte oder geplünderte Geschäfte in der Nachbarschaft und schon gar keine eingeschlagenen Fensterscheiben an der eigenen Wohnung, völlig unabhängig von Hautfarbe, Nationalität oder Religion. Somit ist das die Zeit eines Law-and-Order-Mannes und den verkörpert im US-Wahlkampf keiner glaubwürdiger als Trump. Ist Trump damit erfolgreich, geht er mit starkem Rückenwind in die Endphase des Wahlkampfes. Darüber sind sich natürlich auch seine erbitterten Gegner im Klaren, weshalb diese nun wohl erst recht versuchen werden, ihn in die Enge zu treiben. Noch nie wurde um eine US-Präsidentschaft mit derart hohen Einsätzen gespielt wie im Jahre 2020.

 

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Gelassen aufwärts

Erstaunlich gelassen reagierten die US-Aktienmärkte auf die anhaltenden Unruhen in den USA.  Per Saldo stiegen führende Indizes wie S&P 500 oder NASDAQ 100 sogar weiter an. Dies kann Ausdruck des unverbrüchlichen amerikanischen Optimismus sein, dass den dunklen Tagen neuer Glanz folgen werde. Es könnte auch bereits eine Spekulation auf den Ausgang der Wahl mitschwingen, was ebenfalls auf Trump als Wahlgewinner deuten würde. Ohne den Corona-Crash waren die Jahre seiner Präsidentschaft nämlich außergewöhnlich gute Börsenjahre – sehr zum Leidwesen seiner Gegner, die sich bereits im Jahr 2016 kräftig verspekuliert hatten. Die naheliegendste Erklärung sind allerdings keine politischen Spekulationen, sondern monetäre Fakten. Wenn Liebe aus Mut gemacht wird, wie Nena einst trällerte, dann werden Kurse aus Liquidität gemacht – und von der gibt es derzeit reichlich. So reichlich, dass diese Krise – wir sprechen jetzt von der Corona-Krise und nicht von den bürgerkriegsähnlichen Zuständen – durchaus die sehr reale Gefahr beinhaltet, dass sogar zu viel an Liquidität in die Welt gepumpt wird. Die Austrians nennen diese Situation einen Crack-up-Boom und der ist der Spezialfall der österreichischen Konjunkturtheorie, wo derart viel Geld in den Umlauf gebracht wird, dass die Menschen das Vertrauen in das Geld selbst verlieren. Dieser Prozess ist erst schleichend und steigert sich dann immer mehr in Richtung einer galoppierenden Inflation, die nach und nach alle Sachwerte erfasst. Falls Ihnen das ein bisschen weit hergeholt erscheint, dann denken Sie doch einfach mal kurz über all das nach, was in diesem Jahr bereits geschehen ist, und wie weit hergeholt es Ihnen noch im letzten Jahr erschienen haben mag. Was es genau mit dieser Katastrophenhausse auf sich hat, lesen sie im brandneuen Smart Investor 6/2020, der zum Wochenende erschienen ist.

 

 

Zu den Märkten

Betrachtet man den NASDAQ 100, dann kommt man wohl kaum auf die Idee, dass die USA – wie von manchen Kommentatoren orakelt wird – bereits am Rande eines Bürgerkriegs stünden. Neben der Großen Depression gehört der Civil War zu den beiden großen Traumata der Amerikaner. Beide Themen sind nun fast gleichzeitig zurück im Bewusstsein. Wie gesagt, ein Blick auf den Technologieindex genügt, um auf andere Gedanken zu kommen. Ein naheliegender Gedanke wären beispielsweise Allzeithochs, sowie die magische 10.000er Marke. Sind die Märkte also völlig losgelöst oder einfach nur zynisch?! Menschen, die mit der Funktionsweise von Märkten nicht vertraut sind, wird das fast zwangsläufig so erscheinen, aber es gibt keinen überzeugenden Beleg für diese Annahme. Abgesehen davon, dass sich Marktteilnehmer gelegentlich – und gar nicht so selten – durch falsches Handeln unabsichtlich selbst schädigen, sind sie primär darauf bedacht ihren Nutzen zu mehren. Sie handeln also nach bestem Wissen, manche sogar nach bestem Gewissen. Denn es gibt an den Märkten schlicht keinen Anreiz dafür, im Irrtum zu verharren. Mehr noch, wer dies tut, dessen Einfluss auf das Marktgeschehen wird sich perspektivisch verringern, weil seine Mittel weniger werden. Diejenigen, die dagegen marktbeeinflussend disponieren, gehören zu den Besseren und wer da eine Chance oder ein Risiko entdeckt, wird versuchen, sich marktgerecht, also erfolgsversprechend zu verhalten – Irrtum eingeschlossen. So gemächlich wie der Markt gerade noch nach oben zieht, scheint den Marktteilnehmern derzeit also weder um die Zukunft der USA noch um die Zukunft von US-Technologieaktien bange zu sein. Punkt.

 

Allerdings sind solche Aufwärtsbewegungen bei sinkender Volatilität nicht ganz ungefährlich. Mitunter gibt es daraus ein böses Erwachen, das insbesondere jene trifft, die es sich in einer solchen Bewegung buchstäblich bequem gemacht haben. Ein Hinweis könnte in diesem Zusammenhang die Saisonalität sein. Während sich nach einer Untersuchung des CFD-Brokers IG Markets der Mai seit dem Jahr 2000 gar nicht schlecht schlug – die Kurse stiegen per Saldo in 57% der Jahre –, ist der nun anstehende Juni inzwischen einer der schlechtesten Monate des Jahres (vgl. Abb. 2). Das würde eine kleinere Korrektur durchaus plausibel machen. Allerdings muss man sagen, dass in diesem Jahr derart massive Kräfte am Werk waren, dass die Saisonfigur bislang nicht mehr als ein Hintergrundrauschen war. Wenn die Geldschöpfung im bisherigen Tempo weitergeht, dann dürfte zudem das Thema Crack-up-Boom (s.o.) wesentlich relevanter werden als die Frage, in welchem Börsenmonat wir uns gerade befinden.

 

 

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Musterdepot Aktien, Fonds und wikifolio

In der Rubrik Musterdepots teilen wir heute aktuelle Überlegungen zu den Musterdepots und zu unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

 

 

 

Smart Investor 6/2020

Titelstory: Crack-up-Boom – Katastrophenhausse voraus?

Handelsstreitigkeiten: Globale Machtspiele

Beteiligungsgesellschaften: Der große Überblick

Biopharma: Der Corona-Profiteur

 

 

Fazit

Gerade als Börsianer sollten Sie nicht allzu viel auf die Schlagzeilen des Tages geben. Versuchen Sie einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen, zum Beispiel indem Sie sich fragen, warum die Märkte so reagieren, wie sie reagieren.

Ralph Malisch, Ralf Flierl

 

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