“Cash is Trash” … oder fesch?

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Wenn zwei sich streiten, bleibt der Dritte ratlos.

Großinvestoren uneins

In einem prinzipiell chaotischen Umfeld wie der Börse greifen Anleger und Spekulanten gerne nach jedem Strohhalm, der Orientierung verspricht. Mehr als bloße Strohhalme sind Großinvestoren vom Schlage Warren Buffett oder Ray Dalio. Sie sind die Felsen in der Brandung, die über viele Jahrzehnte bewiesen haben, dass sie so manchem Börsensturm trotzen konnten. Wie praktisch auf jedem Gebiet, ist es auch an der Börse ein guter Ansatz, sich die Besten des Faches zum Vorbild zu nehmen. Zwar werden die wenigsten direkt in deren Fußstapfen treten können, aber lehrreich ist es allemal, wie die Koryphäen denken, argumentieren und vor allem handeln. Was die Märkte jedoch grundsätzlich von anderen Tätigkeitsfeldern unterscheidet, ist etwas, das man als „best practice“ oder den aktuellen Wissensstand bezeichnen könnte. In den meisten Bereichen folgen die Berufsangehörigen solchen Regeln und Verfahren, die erst dann in Frage gestellt werden, wenn sich durch Innovationen neue, bessere Regeln oder Verfahren herausbilden. An den Märkten ist dies grundsätzlich anders und wird auch grundsätzlich anders bleiben. Denn gäbe es nicht stets Käufer und Verkäufer würde der Handel zum Erliegen kommen. Entsprechend kann es auch keine „best practice“ geben, die dazu führen würde, dass die Mehrheit der sach- und fachverständigen Berufsangehörigen simultan zu den gleichen Schlussfolgerungen kommt. Würde sich eine Tendenz in dieser Richtung abzeichnen, dann ist es in aller Regel eine Preisbewegung, die Marktteilnehmer dazu veranlasst, die Seiten zu wechseln und die Gegenposition einzunehmen. Und weil das so ist, können und werden sich immer auch wieder die Titanen des Geschäfts mit ihrer jeweiligen Gefolgschaft auf unterschiedlichen Seiten der Marktgleichung wiederfinden, so wie es derzeit mit Warren Buffett (Berkshire Hathaway) und Ray Dalio (Bridgewater Associates) gerade der Fall ist.

 

 

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„Cash is Trash“

Dalio war noch im Januar 2020 mit einem gewohnt apodiktischen Urteil zu vernehmen: „So the question is, what do you jump into, when you jump off the train. You can’t jump into cash. Cash is trash.” („Die Frage ist also, in was springt man hinein, wenn man vom Zug abspringt. Sie können nicht in Bargeld springen. Bargeld ist Müll.“). Was Dalio da anlässlich des World Economic Forum (WEF) in Davos sagte, wurde durchaus als Anlageempfehlung für das Jahr 2020 aufgefasst. Schon eine Woche später, nach einer ersten scharfen Marktkorrektur, relativierte er allerdings seine Aussage. Zwischenzeitlich war er sogar mit einem Vergleich der aktuellen Situation mit der Großen Depression der 1930er Jahre am Markt der Meinungen vertreten. Ansonsten wendet sich der fleißige Twitterer (@RayDalio) wieder vorzugsweise seinen Prinzipien („Principles“) und grundlegenderen Themen zu – zuletzt auch immer häufiger Gedanken über Evolution, Revolution und die Veränderung der Weltordnung. Bei Argumentationen anhand von 500-Jahres-Zyklen werden zumindest Timing-Probleme zur Nebensache. Das Timing war jedenfalls eines der Probleme seiner Aussage aus dem Januar. Dabei ist es ganz grundsätzlich schwierig, wenn sich Großanleger mit Prognosen, oder dem, was als Prognose interpretierbar ist, an die Öffentlichkeit wenden. Weil sie erfolgreich sind und sich Anleger an ihnen orientieren (s.o.), können solche Aussagen Märkte bewegen. Genau das aber wissen auch die Großanleger selbst, die in aller Regel eben nicht das aussprechen, was sie erst noch zu tun gedenken, sondern das, was sie bereits getan haben. Nun muss man nicht so weit gehen, dass Großanleger oder Fondsmanager mit ihren Aussagen bewusst die Werbetrommel für die eigene Position rühren, ganz sicher aber wird es praktisch niemanden gegen, der sich öffentlich gegen die eigene Position stellt. Ein Großanleger, der sich explizit für eine konkrete Position ausspricht, wird in der Folge also kaum noch als Käufer dieser Position auftreten, weshalb es lohnend sein kann, auch einmal das Gegenteil der Aussage gedanklich durchzuspielen.

Auf der sachlichen Ebene hatte Dalio aber in jedem Fall einen Punkt: Sobald man sich aus den Märkten verabschiedet hat und auf einem Berg Bargeld sitzt, bekommt man ein neues Problem. War das Timing nicht perfekt, muss man schlimmstenfalls sogar steigenden Kursen hinterherlaufen, um wieder in den Markt hineinzukommen. Trotz des ganzen Aufwands hätte man sich am Ende sogar schlechter gestellt als zuvor. Das liegt natürlich vor allem am Wesen des Fiatgeldes, das ganz grundsätzlich nicht zur Wertaufbewahrung taugt, was angesichts der aktuell grotesk hohen Geldschöpfung durch die Notenbanken sogar Cash-affinen Anlegern auffallen könnte. Insofern ist die Aussage „Cash is Trash“ nicht von der Hand zu weisen, selbst vor dem Hintergrund hoch bzw. überbewerteter Aktien. Die rationale Alternative zu Aktien heißt ohnehin nicht Cash, sondern Gold. Das allerdings wäre ein anderes Thema.

Cash ist fesch

Die Gegenposition zu Dalios Aussage nimmt praktisch Warren Buffett ein. Der sitzt inzwischen auf einem Cash-Berg von rund 137 Mrd. USD, wozu auch seine Verkäufe von Goldman-Sachs-Papieren und den Titeln diverser Fluggesellschaften beigetragen haben. Auch nutzte er bekanntlich das März-Tief an den Märkten nicht für den Wiedereinstieg. Das trug ihm insbesondere viel Kritik und Häme von jenen Tradern ein, die seitdem hohe zweistellige Renditen einfahren konnten. Gegen diese Performance sah Buffett mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway wie ein alter Mann aus, der er ja mit 89 Jahren objektiv auch ist. Allerdings ist er vor allem auch ein mit allen Wassern gewaschener Börsenfuchs, der eine möglicherweise altersbedingt geringere Risikoneigung durch jahrzehntelange Erfahrung ausgleichen kann. Es wäre nicht das erste Mal, dass manch einem, der sich über den scheinbar aus der Zeit Gefallenen lustig machte, das Lachen letztlich im Halse stecken bliebe. Auch die in der zwischenzeitlichen Aufwärtsbewegung verpasste Performance ist nicht wirklich ein Argument gegen Buffetts langfristig orientierten Ansatz, weil es schlicht und einfach gar nicht sein Anspruch ist, aus kurzfristigen Preisbewegungen der Aktienmärkte einen Profit zu generieren. Sein Ansatz konzentriert sich weiter darauf, gute Geschäft(smodell)e zu einem attraktiven Preis zu erwerben, um diese dann dauerhaft zu halten. Insofern steckt in den erfolgten Verkäufen und in der Kaufzurückhaltung eine klare Botschaft: Erstens, sind über einigen Geschäftsmodellen, wie den Fluggesellschaften, dunkle Wolken aufgezogen. Zweitens, ist Buffetts Kaufzurückhaltung ein starker Hinweis darauf, dass er die Kurse nicht für attraktiv hielt. Tatsächlich sind Kennzahlen wie der Buffett-Indikator bzw. die Buffett-Ratio (Verhältnis der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt BIP) oder das Shiller-KGV – im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 – bislang noch nicht wieder auf einem attraktiven Kaufniveau angekommen.  Aktuell sind beide Indikatoren sogar wieder weit davon entfernt, der Markt also zu teuer.

Die Fallstricke des Value-Investings

Um Buffetts Handlungsweise zu verstehen, muss man also weder eine Ferndiagnose wagen noch Küchenpsychologie über alte Männer bemühen. Tatsächlich sind seine Überlegungen rational und stehen im Einklang mit seinen immer wieder kommunizierten Anlagegrundsätzen. Dass es Ansätze gibt, die phasenweise eine höhere Performance liefern, wird er bestenfalls schulterzuckend zur Kenntnis nehmen, falls überhaupt. In einem Umfeld, das wenig Value anbietet, tun sich Value-Investoren allerdings schwer. Dass im Thema Value – gerade auch in der aktuellen Situation – einige Fallstricke angelegt sind, werden wir in der Titelgeschichte des neuen Smart Investor 7/2020 näher beleuchten, an der wir gerade mit Hochdruck arbeiten. Als kleinen Gedankenanstoß hier schon einmal die folgende Frage: Was machen Value-Anleger eigentlich, wenn sie von den Notenbanken durch eine beschleunigte Geldentwertung aus ihren Cash-Positionen getrieben werden?

 

 

 

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Zu den Märkten

In der Vorwoche machten wir an dieser Stelle auf den Widerstandsbereich bei rd. 13.000 Punkten aufmerksam, den der DAX nach einer beispiellosen Aufholjagd inzwischen wieder erreicht hat. Das ist angesichts der schlechten Wirtschaftsdaten bemerkenswert und wohl einer Mischung aus überbordender Liquidität auf der einen Seite, sowie der Hoffnung auf eine rasche wirtschaftliche Erholung auf der anderen Seite geschuldet. Während die Liquiditätsschwemme Fakt ist, ruht die Hoffnung bislang auf einem vergleichsweise schwachen Fundament. Gleich der letzte Donnerstag hat gezeigt, wie wenig es bedarf, um den Markt in dieser Situation ordentlich unter Druck zu nehmen. Die Nachrichten über neue Corona-Fälle in Peking führten unmittelbar zu Sorgen über eine „Zweite Welle“, die der Weltwirtschaft, so wie wir sie kannten, dann wohl endgültig den Rest geben dürfte. Da waren die anhaltenden Unruhen in den USA nur noch das Tüpfelchen auf das i. Dennoch fing sich der Markt bereits am Freitag und eroberte seitdem das verloren gegangene Terrain Stück für Stück wieder zurück. Zu den Zahlen, Bildern und Nachrichten will das zwar alles nicht recht passen, aber unendliche Liquidität führt eben letztlich vielleicht doch dazu, dass die Bäume in den Himmel wachsen – wir nennen das Crack-up-Boom. Entscheidende charttechnische Marken, die in den nächsten Tagen Beachtung verdienen, sind die untere Begrenzung des Aufwärtstrends (vgl. Abb., blaue Linien) und die Widerstandszone bei knapp 13.000 Punkten (rote Linie).

 

Musterdepot Aktien, Fonds und wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio lesen Sie heute über einen neuen Kauf und die Entwicklung unseres wikifolios „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

 

 

 

Smart Investor 6/2020

Titelstory: Crack-up-Boom – Katastrophenhausse voraus?

Handelsstreitigkeiten: Globale Machtspiele

Beteiligungsgesellschaften: Der große Überblick

Biopharma: Der Corona-Profiteur

 

 

 

Fazit

Cash ist Trash, aber phasenweise doch ziemlich fesch. Selbst die Titanen der Märkte sind sich in dieser Frage immer einmal wieder uneins.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

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