Endliche Geschichte

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Blick auf das richtige Papier

Zockerparadies

Wie in der letzten Ausgabe beschrieben, ist die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard nun endgültig zum Zockerpapier verkommen. Gegenüber dem vergangenen Freitag legte das Papier in der Spitze um mehr als 600% zu. Ein Signal zum Einstieg ist dies dennoch nicht. Denn schon einen Tag nach unserem letzten SIW 26/2020 kündigten die Aschheimer einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung an. Inzwischen steht das Unternehmen unter Insolvenzverwaltung. Im Wesentlichen gibt es derzeit zwei Handlungsstränge, die Beachtung verdienen: Zum einen ist da das eigentliche Insolvenzverfahren. Aktuell scheint es auf eine Zerschlagung des Konzerns hinauszulaufen, wobei es innerhalb des Wirecard-Geflechts durchaus erhaltenswerte und weiter funktionsfähige Einheiten gibt, für die Investoren aus dem In- und Ausland bereits Interesse angemeldet haben. Vor allem das eigentliche Kerngeschäft inklusive Kundenstamm und Technologie scheint Gefallen zu finden. Die nordamerikanische Tochter stellte sich sogar gleich selbst zum Verkauf. Es mag schon sein, dass sich an solchen Informationssplittern die Fantasie der Alt- und Neu-Aktionäre des Unternehmens entzündet, insbesondere natürlich auch an der stürmischen Kursentwicklung der letzten Tage. Ein Blick auf den Kurs der Wirecard-Anleihe (WKN: A2YNQ5) zeigt allerdings, wie wenig Substanz solche Spekulationen haben. Denn die Anleihe hat nach der Ankündigung des Insolvenzverfahrens keine vergleichbaren Aufwärtsschübe gezeigt. Sie verläuft unspektakulär im Bereich von 19% des Nominalwerts. Anleiheinvestoren gelten als kühler, mathematischer orientiert und – last but not least – ihre Ansprüche gegen das Unternehmen gehen im Rang jenen der Aktionäre vor. Und diese kühlen Rechner bewerten ihr Investment momentan mit 19 Cents für den Euro.

 

 

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„Nachwehen“

Den zweiten Handlungsstrang würden wir als die Nachwehen der Wirecard-Pleite bezeichnen. Da ist vor allem die Klagewelle zu nennen, die nun auf das Unternehmen, dessen bis dahin führende Köpfe, die Wirtschaftsprüfer und die Aufsichtsbehörden zurollt. Mehrere Kanzleien haben bereits zum Rundumschlag gegen das Wirecard-Biotop ausgeholt und das Thema wird die Gerichte mutmaßlich noch über Jahre beschäftigen. Das ist der sichtbarste Teil der Nachwirkungen. Ebenfalls nicht zu unterschätzen dürfte in diesem Zusammenhang sein, dass nun nach weiteren Verfehlungen gesucht werden wird. Da könnte also durchaus noch die eine oder andere Leiche nach oben treiben, zumal nach dem Abgang der entscheidenden Vorstandsmitglieder auch die „schützende Hand“ über einzelnen Geschäftsvorgängen und -gestaltungen fehlen wird. Von wem und ob Wirecard überhaupt weitergeführt wird – seien Sie auf weitere negative Überraschungen gefasst. Schließlich wird der Fall Konsequenzen über das eigentliche Unternehmen hinaus haben. Die Schockwellen können die deutsche Startup-Szene ebenso erreichen, wie den Finanzplatz Deutschland. Insbesondere wird man sich auch mit der Frage zu beschäftigen haben, wie die Finanzaufsicht künftig so gestaltet werden kann, dass sie schwarze Schafe frühzeitiger identifiziert, statt sich schützend vor sie zu werfen, wie das etwa mit dem phasenweisen Leerverkaufsverbot für Wirecard-Aktien der Fall war.

Quintessenz für Anleger

Kann man aus dem Fall Wirecard Lehren für das eigene Anlageverhalten ziehen? Wir denken ja, und sie sind nahe an dem, was ein sachverständiger Anleger ohnehin tun sollte. Sowohl Warren Buffett als auch der legendäre Fondsmanager Peter Lynch schworen bzw. schwören darauf, sich nur an Geschäften zu beteiligen, die sie verstanden haben. Bei Wirecard wurden manche Teile des Geschäfts offenbar nicht einmal innerhalb des Unternehmens richtig verstanden. Für Otto Normalanleger war das Unternehmen ohnehin eine Blackbox, auf dem das zukunftsträchtige Label „Fintech“ prangte, was dann wiederum bereits als Investment Case genügte. Man hätte also gut daran getan, dem Rat der beiden alten Haudegen zu folgen. Allerdings ist das auf den ersten Blick sehr viel einfacher als auf den zweiten: So werden in den Technologieindizes zahlreiche Unternehmen notiert, deren Geschäftsmodelle tatsächlich nur von wenigen verstanden wurden, die aber trotzdem seriös waren und durch ihren revolutionären Ansatz die Welt veränderten. Die Herangehensweise von Warren Buffett hat eben auch dazu geführt – er gibt das selbst freimütig zu –, dass er viele der besten Unternehmen der letzten Jahre lange Zeit nicht auf dem Radar hatte. Und auch diese besten Unternehmen wurden während ihres Siegeszugs von den Unkenrufen der Ungläubigen begleitet. Nun gut, bei Wirecard bezog sich die Kritik auf möglichen Betrug, was grundsätzlich etwas anderes ist als ein skeptischer Blick auf die Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells.

Noch ein interessanter Aspekt: Selbst eine schlechte bzw. fragwürdige Aktie kann zu einem Schnäppchenpreis durchaus attraktiv sein, während selbst ein hervorragendes Unternehmen zu einem überhöhten Preis letztlich unattraktiv ist. Value-Investoren konzentrieren sich auf genau solche Fehlbewertungen, was allerdings voraussetzt, dass man tatsächlich tief in ein solches Unternehmen hineinschauen kann, um sich ein zutreffendes Bild zu machen. An Wirecard hätten und haben sich aber die meisten die Zähne ausgebissen. Mit dem Thema „Value“ befassen wir uns übrigens auch in unserer Titelgeschichte im aktuellen Smart Investor 7/2020. Der Anlagegrundsatz, der das Wirecard-Desaster im eigenen Portfolio zumindest stark abgemildert hätte, lautet übrigens Mischung und Streuung. Er ist insofern robust, als er jeder einzelnen Position ein erhebliches Verlustrisiko einräumt und damit die Auswirkung auf das Portfolio insgesamt begrenzt.

 

 

Politische Risiken

Am anderen Ende der Skala sind die erfolgsverwöhnten FAANG-Aktien, deren Management scheinbar nichts falsch machen kann. Selbst vom Corona-Crash haben sie sich in rasender Geschwindigkeit erholt und streben immer neuen Höchstkursen entgegen. Dass aber selbst deren Geschäftsmodelle verletzlich sind demonstrierte am vergangenen Freitag die Facebook-Aktie (vgl. Abb.). Der Kurs hatte sich zwar schon in den Tagen davor schwergetan, den Bereich von 240 USD nachhaltig zu überwinden, zum Vorwochenschluss sackte der Titel dann aber um satte 8,4% in nur einer Sitzung ab. Inzwischen konnte sich der Kurs allerdings wieder bis an den Widerstandsbereich erholen. Hintergrund der Kursschwäche waren Boykottdrohungen großer Anzeigenkunden, falls Facebook nicht mehr gegen sogenannte Hatespeech unternehme. Das ist für den Konzern eine missliche Lage, denn im Prinzip nehmen die Werbekunden damit Einfluss auf den Charakter des Netzwerks, in Richtung auf einer Art weichgespülter Werbeplattform. Dieser Schuss kann für alle Beteiligten durchaus nach hinten losgehen, denn der Reiz dieser und auch anderer Social-Media-Plattformen besteht zu einem gewissen Grad eben auch in heftig geführten Diskussionen und dem stündlichen Skandal. Schon jetzt wird auf Facebook, Youtube & Co. kräftig zensiert und erst diese Woche wurden reichweitenstarke Kanäle politischer Blogger ohne Vorwarnung geschlossen. Betroffen war unter anderem der kanadische Philosoph Stefan Molyneux (https://www.freedomain.com/), der auf Youtube rund eine Million (!) Follower hatte und dessen Kernkompetenz nachdenkliche Kommentare zum Zeitgeschehen waren. Sowohl die Blogger als auch deren Publikum wandern nun verstärkt auf zensurarme alternative Plattformen wie Bitchute, Telegram und Parler ab. Wie gesagt, der Schuss könnte nach hinten losgehen. Das Ganze – wie fast alles, was derzeit in den USA politisch passiert – muss man vor dem Hintergrund der beginnenden heißen Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfes sehen. Wir können uns nicht erinnern, dass ein Kandidat von seinen Gegnern so leidenschaftlich gehasst wurde wie Donald Trump. Was angesichts der recht einseitigen Berichterstattung in Europa leicht übersehen wird, er verfügt auch über eine nicht minder leidenschaftliche Anhängerschaft. Im Ergebnis wird auf allen Ebenen und mit äußerst harten Bandagen gekämpft. Wenn die großen Social-Media-Plattformen Trump-Spots künftig nicht nur sporadisch sperren, sondern seine Reichweite insgesamt beschränken, finden sie sich inmitten des Wahlkampfgeschehens wieder und müssen dann auch mit Gegenmaßnahmen der Trump-Kampagne rechnen. Eine verzwickte Lage. Nachdem der 2016er Wahlkampf schon eine beispiellose Schlammschlacht war, werden wir diesmal wohl noch eine Steigerung erleben. Die gute Nachricht: Die Geschäftsmodelle der Social-Media-Riesen sind im Wesentlichen intakt und im November wird dann auch dieser Wahlkampf Geschichte sein.

 

 

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Musterdepot Aktien, Fonds und wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung unseres wikifolios „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

 

 

Smart Investor 7/2020

Value – vor der Wiederentdeckung?!

Japan: Fernost lockt mit Wachstumswerten

Uran: Aus dem Kern kommt die Kraft

Compounder: Gewinnen mit dem Zinseszinseffekt

 

 

Fazit

Für Wirecard reichte es diesmal nicht mehr. Der einstige Shootingstar der deutschen Fintech-Szene ist insolvent. Dagegen sind US-Social-Media-Plattformen so erfolgreich, dass sie im anstehenden US-Präsidentschaftswahlkampf sogar ins Kreuzfeuer geraten. Das Klima bleibt rau.

Ralph Malisch

 

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Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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