Mutter aller Value-Investments

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Wenn anziehende Kurse zum Problem werden

Relativ schwach

Es gilt in Anlegerkreisen als vermessen, Kritik an Warren Buffett zu üben, denn das „Orakel von Omaha“ hat unter den meisten Börsianern den Status eines nahezu unfehlbaren Weisen der Geldanlage. So sind es in der Regel Zocker und andere Jungspunde, die sich – berauscht durch kurzfristige Gewinne – an der Eiche Buffett reiben. Und ja, es ist wahr, in jedem einzelnen Jahr und in jedem einzelnen Monat gab und gibt es unzählige Anleger und Spekulanten, die den „besten Anleger aller Zeiten“ geschlagen haben. Die Monats- oder Jahresperformance war allerdings auch nie eine Zielgröße für Buffett. Seine enorme Anlageweisheit wird erst sichtbar, wenn man von Tages-, Monats- und selbst Jahresschwankungen abstrahiert und weit aus dem Bild herauszoomt. Es bedarf schon einer gewissen Selbstgefälligkeit – und wohl auch Jugend –, die Lebensleistung Buffetts nicht sehen bzw. anerkennen zu wollen. Allerdings zeigt die Relativentwicklung seiner Investmentholding Berkshire Hathaway (WKN A0YJQ2, akt. Kurs: 160,96 EUR) im Vergleich zum US-Blue-Chips-Index S&P 500 – gegenüber dem NASDAQ 100 wäre es noch dramatischer –, dass das Unternehmen von den Anlegern zuletzt nicht gerade favorisiert wurde (vgl. Abb. 1). Seit dem relativen Top vom Jahresende 2018 ist die Aktie ein Underperformer. Das relative Verlaufsmuster des 2018er Crashs ist dabei fast so etwas wie die Blaupause für den Corona-Crash: Denn Berkshire gewann zunächst an relativer Stärke, während sich die Kurse ansonsten im allgemeinen Abwärtssog befanden. Das dürfte sowohl der hohen Cash-Position zu danken gewesen sein, die den Kurs nach unten ebenso abgefedert hatte, wie die „Margin of Safety“, die sowohl in den Bewertungen der Einzelunternehmen als auch in der Investmentholding insgesamt schlummerte. Als andere Aktionäre hart auf dem Boden aufschlugen, fielen die Berkshire-Aktionäre weich. Das Bild änderte sich – damals wie heute – als die Kurse auf breiter Front wieder anzogen. Plötzlich war die Cash-Position ein Nachteil und die Highflyer aus der Zeit vor dem Crash waren, nicht zuletzt aufgrund der erlittenen Kursabschläge, wieder besonders gefragt. Die Value-Perlen fristeten nach dieser kurzen Episode relativer Wertschätzung dagegen wieder ihr in den letzten Jahren zum Normalzustand gewordenes Schattendasein. Entsprechend schmierte der Kurs von Berkshire erst in der Erholungsphase deutlich gegen dem breiten Index nach unten ab, wobei dieser Effekt nach dem Corona-Crash sogar noch ausgeprägter war (vgl. Abb. 1, unterer Teil, rote Markierungen). Im Vergleich zum letzten Schrei der Anlagemode – Biotech, Hightech, Cloud-Computing, Robotik, etc. – fanden sich bei Berkshire eben vor allem die Ladenhüter, die dann, wie die Luftfahrtbeteiligungen, teilweise auch noch zu Ausverkaufspreisen über den Tresen gingen.

 

Abgekühlte „Buffett-Mania“

Der letzte Schrei war allerdings ohnehin nie Buffetts Sache. Im Gegenteil, er profitierte stets davon, dass Unternehmen von der Allgemeinheit sträflich unterschätzt wurden – ein Schicksal, das sein eigenes Unternehmen derzeit zu teilen scheint. Die „Buffett-Mania“ ist aktuell jedenfalls so deutlich abgekühlt, dass die Holding selbst zu einem laut schreienden Investment-Case für Value-Investoren geworden ist. Wenn heute vorschnell das Alter des Duos Buffett & Munger („alte weiße Männer“) als Ursache für den zuletzt glücklosen Kurs ins Feld geführt wird, dann ist das nicht nur diskriminierend. Es geht auch am Kern des Themas vorbei. Solange der Value-Ansatz – wie in den letzten Jahren – keine Überrendite im Vergleich zum breiten Markt erwirtschaftet, wird dies auch die Mutter aller Value-Unternehmen kaum schaffen können. Mit so viel Gegenwind, wie ihn hohe Bewertungen und beständig weiter steigende Kurse darstellen, kämpfen auch die besten Value-Investoren auf ziemlich verlorenem Posten bei der Wiederanlage ihrer Cash-Position. Nun werden einige Value-Investoren sicher versucht sein, sich stärker an das jeweils herrschende Paradigma anzupassen, als dies bei Buffett und Munger der Fall sein wird. Dennoch ist dies nicht unbedingt eine Frage des Alters, sondern wohl eher eine der jahrzehntelangen Erfahrung. Schließlich haben beide schon so viele Verrücktheiten an den Märkten kommen – und auch wieder gehen – gesehen, dass sie auch diesmal auf eine Rückkehr zur Normalität setzen und sich bei dieser Entscheidung auf eine Fülle an Datenmaterial und eben auch ganz persönlicher Erfahrung stützen könnten. Dem Thema „Value“ haben wir übrigens auch die Titelgeschichte des aktuellen Smart Investor 7/2020 gewidmet, wohl ahnend, dass ein über Dekaden bewährter Ansatz nach einer signifikanten und mehrjährigen Durststrecke durchaus das Potenzial für eine Renaissance hat.

 

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Vielleicht diesmal …

Aber könnte diesmal nicht auch alles anders sein? Ja, das kann es immer, auch wenn dieser fundamentale Perspektivwechsel schon sehr viel häufiger ausgerufen wurde als er dann letztlich tatsächlich stattgefunden hat. „Diesmal ist alles anders“ ist der wohl gefährlichste Satz, dem Börsianer folgen können – aber einige wenige Male ist er eben auch richtig. Die aktuelle Kaufpanik nach dem Motto „Die Hausse nährt die Hausse“ weist einen wesentlichen Unterschied zu ihren Vorläufern auf. Das sind nicht die neuen „Anlegerschichten“, die etwa aufgrund des Lockdown-bedingten Ausfalls der Sportwetten an den Markt drängen. Solche neuen Marktteilnehmer gab es schon oft und noch jedes Mal mussten die unerfahrenen Spätankömmlinge einen erheblichen Preis für ihre Jagd nach schnellem Reichtum bezahlen. Auch ein beschleunigter technischer Wandel, wie er aktuell durch die FAANG-Aktien und das NASDAQ-Universum verkörpert wird und zum schleichenden Untergang mancher Geschäftsmodelle führt, während andere neu entstehen, ist nicht wirklich neu.  Neu aber ist, das abrupte Aus ganzer Branchen durch die Lockdown-Maßnahmen und hier scheint es durchaus fraglich, ob es eine rasche Wiederauferstehung geben wird. Selbst Buffett glaubte am Ende nicht mehr an die Erholung der Airlines und schmiss hin. Neu ist auch, dass die aktuelle Manie von höchster Stelle und das heißt direkt aus dem Zentrum der Notenbanken heraus angefeuert wird. Es ist also äußerst unwahrscheinlich, dass hier schnell wieder der Stecker gezogen wird. Die Akteure sind längst zu Gefangenen der eigenen Maßnahmen geworden. Wir nennen das Ergebnis Crack-up-Boom (vgl. Smart Investor 6/2020).

 

Fels in der Brandung

Eine der wenigen Konstanten in diesem Umfeld rascher und tiefgreifender Umbrüche scheint einmal mehr das Gold zu sein. Ohne besondere Beachtung durch die Anlegergemeinde schleicht sich der Goldpreis seit Tagen und Wochen weiter nach oben und hatte heute erstmals seit knapp neun (!) Jahren wieder die Marke von 1.800 USD/Feinunze überwunden. In einer Zeit künstlich aufgeblähter Anleihen- und Aktienkurse ist das gelbe Metall dennoch weit zurückgeblieben. Der untere Teil der Abb. 2 zeigt wiederum einen Relativchart im Vergleich zum S&P 500 und wir können deutlich erkennen, wie vernachlässigt Edelmetalle im Vergleich zum amerikanischen Aktienindex noch immer sind. Gegenüber dem derzeit allgemein favorisierten NASDAQ 100 sähe die Situation noch viel dramatischer aus. Alles also wie bei Buffetts Investment-Holding? Nicht ganz. Denn, erstens hat Gold eine noch wesentlich längere Historie als selbst das beste US-Unternehmen. Zweitens weist Gold keine Gegenpartei- oder allgemeine Geschäftsrisiken auf, wohl aber Risiken durch mögliche administrative Eingriffe. Drittens befindet es sich auf mittlere Sicht in einer klaren Aufwärtsbewegung, zeigt also bereits eine absolute Stärke. Es müsste schon zu sehr schweren Short-Attacken auf den Goldpreis kommen, um diesen Aufwärtstrend kurzfristig zu brechen.

 

Gewichtsverschiebungen

Wer sich grundsätzlich sowohl für Gold als auch für einen Value-orientierten Ausschnitt des US-Aktienmarktes wie Berkshire Hathaway interessiert – also eher ein konservativer Anleger ist –, der kann seine Gewichtung zwischen diesen beiden Anlagen auch entsprechend des Relativcharts zwischen beiden Anlagen verschieben. Als Timing-Instrument können dabei die Schnittpunkte mit einfachen gleitenden Durschnitten dienen, wie in Abb. 3 schematisch dargestellt. Man erkennt, dass spätestens ab dem Jahr 2012 eine Gewichtsverschiebung zu Buffetts Holding angezeigt gewesen wäre, während sich Gold seit Anfang 2019 wieder im relativen Aufwärtstrend befindet. Aggressiviere Investoren können einen vergleichbaren Chart natürlich auch aus Gold und dem NASDAQ 100 erzeugen, wobei Gold dann als eine Art Cash-Ersatz mit Substanz in den Phasen anzusehen wäre, in denen man der NASDAQ (teilweise) den Rücken kehrt.

 

 

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Musterdepot Aktien, Fonds und wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio gibt es heute Erfreuliches über die Entwicklung unseres wikifolios „Smart Investor – Momentum“ zu berichten. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

 

 

Smart Investor 7/2020

Value – vor der Wiederentdeckung?!

Japan: Fernost lockt mit Wachstumswerten

Uran: Aus dem Kern kommt die Kraft

Compounder: Gewinnen mit dem Zinseszinseffekt

 

 

Fazit

Der Kursverlauf von Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway war zuletzt enttäuschend. Damit wird das Papier allerdings selbst zu einem echten Value-Play. Und während man auf die Wiederentdeckung wartet, kann man durchaus weiterhin etwas Geld in Gold parken.

Ralph Malisch

 

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