The Limits of Thoughts

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Zu guter Letzt

Von Ralph Malisch, Redakteur des Smart Investor

Ralph Malisch

Über Wirtschaftswachstum darf heute ohne umfangreichen Beipackzettel eigentlich nicht mehr nachgedacht werden: Denn dieses Wachstum, es schädigt die Umwelt, das Klima – und wenn wir so weitermachen, wird diese Welt schon bald gänzlich verbraucht sein. Plopp. Eine zweite Erde, so weiß man inzwischen, gibt es nicht. Nur Elon Musk ist sich da noch nicht ganz sicher. Diese wachstumsfeindliche Denke geht auf Horrorszenarien zurück, wie sie 1972 vom Club of Rome in „The Limits of Growth“ skizziert wurden. Eigentlich ist sie sogar noch viel älter, denn schon Thomas Robert Malthus hatte sich in seinem „Essay On The Principle of Population“ aus dem Jahre 1798 um die Zukunft gesorgt. Sein Fokus hatte damals allerdings noch nicht einem als zu aufwendig empfundenen Lebensstil seiner Zeitgenossen gegolten, sondern deren schlichter Anzahl und Vermehrungsfreude.

Zumindest mit Blick auf die Vermehrungsfreude seiner Schäfchen hatte Pfarrer Malthus recht; mit den düsteren Implikationen seines „Bevölkerungsgesetzes“ erlitt der politische Ökonom Malthus dagegen Schiffbruch. Heute, mehr als sieben Milliarden Menschen später ist die Malthusianische Katastrophe noch immer nicht eingetreten. Auch die vom Club of Rome herbeiorakelte Apokalypse ist zwar tief in den Köpfen der Menschen verankert, jedoch bislang ausgeblieben. Das mag auch daran liegen, dass die dort verwendeten Computermodelle mit der Realität in etwa so viel zu tun hatten wie ein sowjetischer Fünfjahresplan. Die alten Clubknaben geben sich jedenfalls seit Jahrzehnten unbelehrbar, und überhaupt sei alles heute noch viel schlimmer als damals – doppelplusschlimm, wenn man so will. So falsch wie die Prognosen waren auch die Rezepte des Clubs, der seit fast 50 Jahren nicht müde wird, weniger Markt, weniger Wohlstand, mehr Planung und mehr supranationale Lenkung zu empfehlen. Wie gut das funktionierte, ließ sich im ehemaligen Ostblock beobachten, der zwar tatsächlich nur einen beklagenswert geringen Output erzeugte, dafür aber – ein bisschen Schwund ist immer – einen bemerkenswert großen Flurschaden anrichtete.

Ein Problem scheint zu sein, dass die Wachstumsfeinde menschliche Kreativität, Eigeninitiative und Innovation weder modellieren können noch wollen. Entsprechend ist Wachstum stupides, umweltverschlingendes Mengenwachstum. Veränderte Qualitäten, umgeformte Stofflichkeiten oder gar die Produktion von Umwelt finden in diesen Denkstübchen frühestens dann statt, wenn sie von der Regierung, der EU oder der UN als Green Growth bzw. „Degrowth“ (= Verringerung des Wachstums) angeordnet wurden. Nicht zu Brüdern werden alle Menschen im Ökodirigismus, sondern zu Kindern, die ihren Infantilismus kollektiv in virtuellen Hüpfburgen abfeiern – denn den Durchblick haben allein die supranationalen Spitzenfunktionäre. Alles klar, Herr Kommissar?!

Leider ist das Wissen um die systemische Unfähigkeit der Apparatschiks inzwischen so weit verblasst, dass eine neue Generation heranwachsen bzw. herangezogen werden konnte, die den Sozialismus wieder für ein erstrebenswertes Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell hält. Besonders bei den Bienchen und Blüm*innen ist der Sozialismus im grünen Blättergewand mehrheitsfähig.

Dabei sollte doch ein aktueller Blick auf die Akteure und Entscheidungsprozesse supranationaler Organisationen für eine vollkommene Desillusionierung ausreichen – das tagelange Gezerre beim letzten EU-Gipfel zeigte doch höchst anschaulich, wie Zukunftsfähigkeit nach Funktionärsart geht: Hauptsache, am Ende sitzt die Frisur.

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