Neues Allzeittief

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Warum alle über das Allzeithoch des Goldes reden, aber niemand über die Allzeittiefs bei Euro und US-Dollar.

Ungeliebte Anlageklasse

Edelmetalle gehören aus Sicht des Mainstreams zu den eher ungeliebten Anlageklassen. Denn wer Gold und Silber kauft, arrondiert damit nicht nur sein Portfolio mit zwei zeitlosen Klassikern, er drückt damit auch ein gewisses Misstrauen aus; dies vor allem gegenüber der bestehenden Fiatgeld-(Un)ordnung, die nicht zuletzt durch die Corona-Folgen einer weiteren schweren Belastungsprobe ausgesetzt ist. Dabei steckte insbesondere dem Euro noch die Finanzkrise des Jahres 2008 in den Knochen, was man schon daran erkennen kann, dass die EZB zwischenzeitlich nicht annähernd zur Normalität zurückgefunden hatte und – diese Prognose ist nicht schwer – auch nicht mehr zur Normalität zurückfinden wird. Die anhaltende Null- und Negativzinspolitik und die erneut sturzbachartige Ausweitung der Geldmenge sind in zweifacher Hinsicht starke Argumente für Edelmetalle: Zum einen verschiebt die weltweite und keineswegs auf den Euro beschränkte Geldmengenausweitung das Preisniveau aufgrund geänderter relativer Knappheiten zwischen Fiatgeld und Edelmetallen tendenziell nach oben. Zum anderen senken Null- und Negativzinsen die Haltekosten für Edelmetalle, was deren relative Attraktivität erhöht und entsprechend die relative Attraktivität anderer zinsloser Anlagen senkt.

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Realzinsturbo

Eigentlich ist es der Realzins, der für den Goldpreis von besonderer Relevanz ist. In ihm stecken neben dem Nominalzins noch als Abzugsposten die jeweilige Inflationsrate. Je niedriger der Nominalzins und je höher die Inflationsrate, desto mehr Rückenwind wird dem Goldpreis zugetraut. Und gerade die Inflationsrate könnte sich perspektivisch durchaus nachhaltiger erhöhen. Denn anders als bei der Finanzkrise, wo das frische Geld im Wesentlichen im Finanzsystem kreiste und dort zu einer Assetpreisinflation bei Anleihen, Immobilien und Aktien führte, gibt es diesmal direkte Geldkanäle in die Realwirtschaft. Wenn Unterstützungszahlungen an vom Lockdown betroffene Unternehmen oder Schecks direkt an Verbraucher verteilt werden wie in den USA, dann sollte das auf Sicht auch eine Wirkung auf die Preise entfalten – besonders dort, wo das Angebot durch den Lockdown und die damit einhergehenden Produktionsausfälle ausgedünnt ist. Ansonsten ist der externe Schock durch Corona natürlich klar deflationär, was sich unmittelbar an den Kaufkraftverlusten von Arbeitnehmern und Unternehmern ablesen lässt. Aber selbst in Zeiten einer echten Deflation ist Gold eine gute Anlage, weil man ein Gegenparteirisiko nicht zu befürchten braucht.

Allwetterparkposition

Gold ist so gesehen eine Allwetteranlage, eigentlich eine Allwetterparkposition, die immer dann ihre Stärken ausspielt, wenn entweder Zweifel an der Kaufkrafterhaltung des Fiatgelds auftreten, oder die Visibilität für produktivere Verwendungen des Kapitals vergleichsweise gering und/oder die Risiken als besonders hoch wahrgenommen werden. Momentan dürften beide Motive für den Run auf Gold eine Rolle spielen. Wenn man davon ausgeht, dass die Fiat- bzw. Papiergeldsysteme derzeit tatsächlich in eine Art Endspiel einmünden – wir „Österreicher“ nennen das Crack-up-Boom (vgl. Titelgeschichte Smart Investor 6/2020) –, dann muss einem um die weitere Entwicklung des Goldpreises nicht bange sein. Wohl aber sind diejenigen, die sich gegen jene Geiser stemmen, die sie einst selbst gerufen hatten und noch immer rufen – also die Politik und die Notenbanken –, durchaus bereit mit harten Bandagen oder schlicht unfair zu kämpfen. Aus diesem Blickwinkel ist die angekündigte Besteuerung des beliebten Wertpapiers XETRA-Gold durch Bundesfinanzminister Scholz nur konsequent. Auch dürfte es sich nicht um die letzte Attacke dieser Art gegen Gold im Speziellen und das Eigentum im Allgemeinen handeln. Sollte die Steuerpflicht auf XETRA-Gold erst einmal etabliert sein, kann man sich sicher sein, dass laut darüber nachgedacht werden wird, ob es denn gerecht sein könne, dass physisches Gold anders besteuert werde (einkommenssteuerfrei nach Ablauf der einjährigen Haltefrist) als XETRA-Gold, das wirtschaftlich im Prinzip das Gleiche ist.

Widerwillige Berichterstattung

Und weil sich die großen Medien seit Jahren immer weniger als kritische Begleiter und immer mehr als bloße Sprachrohre der Regierung zu verstehen scheinen, kann es auch nicht Wunder nehmen, dass man den jüngsten Rekordlauf beim Gold mitunter nur widerwillig kommentiert. Das beginnt schon mit der Auswahl eines möglichst unattraktiven Chartausschnitts. Die Maßgabe scheint zu sein, dass man weniger über die leckere Suppe als über das vermeintliche Haar darin zu berichten habe. So wies eine große deutsche Tageszeitung fast triumphierend darauf hin, dass sich Gold angesichts der kurzen Inflationswelle aufgrund der Wiedervereinigung nicht als Inflationsschutz bewährt habe. Nun, der Goldpreis ist ein globaler Preis, während die Wiedervereinigung ein lokales Phänomen des DM-Raumes war. Ganz so wichtig nahm die Welt den Bananenpreis an deutschen Supermarktkassen denn doch nicht.

Gespielte „Sorge“

Auch die gerne vorgetragene Sorge, ob man denn jetzt noch in den Goldmarkt einsteigen solle, weil dieser doch ziemlich teuer sei, kommt nur in der Verkleidung eines guten Anlagerats daher. Im Prinzip kann man es so zusammenfassen: Ist der Goldpreis unten, dann ist Gold unattraktiv, ist der Preis oben, ebenfalls. Seit US-Dollar, Euro, Yen und Yuan inflationiert werden, als gäbe es kein morgen, ist Gold immer mehr oder weniger „teuer“ – gemessen in elektronischen Zahlenkolonnen, die auf Knopfdruck beliebig vermehrt werden können. Spektakulär war die Kursentwicklung vor allem in US-Dollar, denn der war die letzte große Währung, in der Gold bislang keine Allzeithochs erreichen konnte. Das wurde nun in den letzten fünf Handelstagen auf überzeugende Weise nachgeholt und gleichzeitig wurde schon einmal an der 2.000 USD-Marke gekratzt, die einen zumindest psychologischen Widerstand darstellt. Die aktuelle Stärke soll nun keineswegs bedeuten, dass Gold „nie wieder schwach“ wird. Im Gegenteil, das luftige Preisniveau und der stark übergekaufte Markt, machen Gold – genau wie Silber, das zuletzt sogar noch kräftiger zugelegt hatte – kurzfristig zu einem attraktiven Ziel für Short-Attacken, zumal die Shorties hier, anders als etwa bei Wirecard, nicht befürchten müssen, dass ihnen Aufsichtsbehörden oder die Politik dabei Steine in den Weg legen werden. Am langfristigen Aufwärtstrend ändert das freilich nichts.

Sinnlose Messung

Wie bereits angedeutet ist die Messung des Goldpreises in US-Dollar zwar gebräuchlich, aber vergleichsweise sinnlos. Damit eine solche Messung gelingen kann, müsste der Maßstab stabil sein, während das zu Messende sich in der interessierenden Dimension verändert. Hier ist es aber streng genommen genau umgekehrt. Beim Gold verändert sich vergleichsweise wenig, beim Dollar dagegen zuletzt sehr viel. Die richtige Aussage wäre also, der US-Dollar hat ein Allzeittief gegenüber dem Goldpreis erreicht. Allerdings ist die Paarung Gold/USD ohnehin nicht die, die Anleger primär interessiert. Wer goldaffin ist, sieht darin das beste Geld der Welt, und obwohl Gold kein offizielles Zahlungsmittel mehr ist, kann man dieser Betrachtung in wirtschaftlicher Hinsicht einiges abgewinnen. Gold ist damit so eine Art Cash-Position für jene, die aus gutem Grund den Kaufkrafterhalt in Fiatgeld nicht mehr gewährleistet sehen. Die reale Entscheidungssituation ist hier also Gold als Parkposition (s.o.) oder Beteiligung am Wertschöpfungsprozess in Form von Aktien.

Zu den Märkten

Der obige Chart verdeutlicht diese Entscheidungssituation anhand des Verhältnisses zwischen Gold und dem breiten US-Standardaktienindex S&P 500. In dieser Relativbetrachtung sind klare Aufwärts- und Abwärtstrends zu unterscheiden. Dabei sind die unteren Umkehrformationen eher untertassenförmig (grüne Bögen), während die obere Umkehr einen Fahnenstangencharakter mit anschließendem Kurseinbruch aufweist (roter Bogen). Aktuell haben wir die untere Umkehrformation gerade erst verlassen, so dass man im Verhältnis zu Aktien eher vom Beginn einer Aufwärtsbewegung als von deren Ende sprechen sollte. Sowohl hinter dem Kursaufschwung bei Aktien als auch dem bei Gold steckt die ultralockere Notenbankpolitik. Allerdings beginnen die Märkte wohl aktuell damit, die Gewichte ein wenig in Richtung „Risk off“ zu verschieben. An dieser Stelle noch ein Hinweis: Aus sehr langfristigen Charts zwischen Dow Jones und Goldpreis werden gerne „magische“ Umkehrbereiche zwischen den Preisen bei 1:1 und 1:10 abgeleitet. Das würden wir aufgrund mangelnder statistischer Fundierung als Börsenfolklore abtun. Denn während Gold statisch ist, werden Blue-Chip-Aktienindizes nach Performance konstruiert und enthalten eine Auswahl produktiver und erfolgreicher Unternehmen. Aus diesem Grund sollte sich über alle Zyklen hinweg eigentlich ein Aufwärtstrend der dynamischen Aktienindizes gegenüber dem statischen Gold zeigen.

Der DAX ist zuletzt wieder unter die Marke / den Bereich von 13.000 Punkten gefallen. Das geschah zwar mit einem ordentlichen Abwärts-Gap, in der Folge entwickelte sich jedoch bislang keine weitere Abwärtsdynamik. Dies, obwohl auch der kurzfristige Aufwärtstrend nach unten verlassen wurde. Ein kleineres „Luftloch“, also ein rascher Kursrückgang von mehreren hundert Punkten, ist aus einer solchen Position heraus leicht möglich, ohne dass die positive Grundstimmung dadurch nachhaltig zerstört werden muss.

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Musterdepot Aktien, Fonds und wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über zwei Verkäufe und unser wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Smart Investor 8/2020

Growth Value – Über FAANG, CANSLIM und den Crack-up-Boom

Eurowahn: Club-Med-Alimentierung dank Druckerpresse

Infrastruktur: Lebensadern der Wirtschaft

Zukunftsszenarien: Hightech- & Megatrends auf den Zahn gefühlt

Fazit

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles, formulierte einst Goethe. Dagegen bleibt der Andrang nach Euro und US-Dollar weiter überschaubar.

Ralph Malisch

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Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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