Berlin, Berlin …

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… fahr’n wir nach Berlin?!

 

Wider die Vernunft

Auch beim Smart Investor gibt es Rituale und Traditionen wie z.B. das Redaktionswochenende, an dem unsere monatliche Druckausgabe ihren Feinschliff erhält. Eine inzwischen fast schon liebgewonnene Konstante, die allerdings in Corona-Zeiten – wie so vieles – auf den Prüfstand gestellt wird. Während in unserem Fall das „neue Normal“ auch relativ reibungsarm im Home Office gelebt werden könnte, fährt „Elter Staat“ andernorts im Stundentakt neue Ge- und Verbote auf. Das scheint inzwischen mehr die Verwirrung als die Gesundheit zu fördern. Wenigstens bleibt den Menschen bei dieser Taktfrequenz kaum Zeit nachzugrübeln, wie rasant sich die Welt um sie herum verändert. Dennoch haben wir für die neue Ausgabe innegehalten und den Versuch unternommen, das aktuelle Corona-Geschehen mit Fallzahlen, PCR-­Tests, Todeszahlen, Saisonalität – Stichwort: Zweite Welle –, usw. greifbar zu machen. Dass wir die offizielle Corona-Politik nur bedingt nachvollziehen können, mag daran liegen, dass der Öffentlichkeit hier auch Fakten vorenthalten werden, oder aber es liegt daran, dass sich aus den nüchternen Ist-Zahlen derzeit kaum Honig für eine politische Instrumentalisierung saugen lässt – zumindest nicht bei verständiger Einordnung.

 

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Wenn die Straße Politik macht

In einer repräsentativen Demokratie kann das Demonstrationsrecht gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, gehört es doch neben der Meinungsfreiheit zu den wenigen Elementen, die es jedem einzelnen Bürger ermöglichen bzw. ermöglichen sollten, seine höchstpersönliche Haltung zu politischen Fragen sichtbar zu machen. Dabei ist es die natürlichste Sache der Welt, dass sich eine Demonstration gegen die Regierung und deren Politik richtet. Sowohl in der Geschichte der Bundesrepublik als auch in derjenigen der DDR lassen sich einzelne Großdemonstrationen identifizieren, die den Lauf der Geschichte tatsächlich beeinflusst, wenn nicht verändert haben, was wiederum die Bedeutung solcher Ereignisse unterstreicht. Schlaglichter in der Bundesrepublik waren die Demonstrationen und Unruhen anlässlich des Schahbesuchs (1967), die Demonstration gegen den NATO-Doppelbeschluss in Bonn (300.000 Menschen, 1981), die Münchener Lichterkette gegen Fremdenhass (400.000 Menschen, 1992), bundesweite Anti-AKW-Demonstrationen nach dem Fukushima-Unglück (250.000 Menschen, 2011), die Demo gegen das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP in Berlin (250.000 Menschen, 2015), die Demonstration gegen Fremdenhass in Berlin (240.000 Menschen, 2018), usw. In der DDR sind vor allem drei Ereignisse zu nennen: Der von den Sowjets brutal niedergeschlagene Volksaufstand von 1953, sowie die Dresdner Montagsdemonstrationen (1989) und die Demonstration für Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Berlin (500.000 Menschen, 1989), denen letztlich der Sturz des SED-Regimes folgte. Inzwischen regiert die SED-Nachfolgepartei in Berlin wieder mit, und Innensenator Geisel (jetzt SPD) ließ die für diesen Samstag angemeldete Großdemonstration „Fest für Freiheit und Frieden“ heute auf Basis einer unfassbar dünnen und fadenscheinigen Argumentation verbieten – nämlich aufgrund der bloßen Annahme(!) möglicher(!) Regelverstöße. Als nächstes steht nun der juristische Schlagabtausch zwischen Veranstaltern und Stadtregierung an. Viele potenzielle Teilnehmer bekundeten indessen bereits in den sozialen Medien, dass sie sich durch das Verbot nicht von einer Reise nach Berlin abbringen lassen werden – und sei es auch nur, um dort durch die Straßen zu flanieren. Will der Innensenator dann etwa eine Ausgangssperre verhängen und die Straßenkreuzungen im „Sowjet-Style“ mit Panzerspähwagen blockieren lassen?!

Demonstrationsnotbremse

Schon um die Vorgängerdemonstration vom 1. August tobte ein heftiger Meinungsstreit hinsichtlich der Teilnehmerzahlen und der politischen Einordnung. Während die Politik und die ihr nahestehenden Medien die Teilnehmerzahl bis auf 17.000 Menschen kleinredeten, kursierten unter den Demonstranten Zahlen von bis zu 1.300.000 Teilnehmern. Liebe Leute, um den Faktor 76 (!) kann man sich nicht mal eben „verrechnen“, vorausgesetzt man ist nicht mit völliger Blind- und Taubheit geschlagen. Dass man sich aber nicht einmal bei etwas so objektivem, wie einer Zahl auf einen gemeinsamen Nenner einigen kann, zeigt den tiefen Graben im Lande. Realistischerweise würden wir auf Basis von Bildern und unterschiedlichen Einschätzungen von einer deutlich sechsstelligen Teilnehmerzahl am 1. August ausgehen. Der Demonstration folgte, wie schon den Black-Lives-Matter-Protesten Anfang Juni übrigens keine(!) neue Ansteckungswelle. In jedem Fall fügt sich diese Demonstration damit klarer Weise in den Reigen der oben angeführten Großdemonstrationen ein – als tiefgelbe Karte für die Regierung und deren Politik. Für diesen Samstag wurden noch einmal deutlich mehr Teilnehmer erwartet, es roch also nach einer roten Karte für die Corona-Politik. Denn solche Menschenmassen – und diesmal hätte man sich wohl um bestmögliche Fotobeweise bemüht – können nicht einmal von den willfährigsten unter den regierungstreuen Pseudo-Journalisten in die vergleichsweise kleinen Schubladen der Aluhutträger und Rechtsextremen hineingestopft werden. Was da auf der Straße war und diesen Samstag wieder sein wollte, das ist das Volk – und vor dem hat man in Berlin inzwischen offenbar mehr Angst als vor dem Virus selbst. Die jetzt gezogene Demonstrationsnotbremse signalisiert nämlich nicht die Sorge um die Menschen, sondern Angst vor dem eigenen Machtverlust. Im Gegensatz zu den rasch gealterten Managementmaximen der Greta Thunberg ist Panik allerdings der denkbar schlechteste Ratgeber, besonders für eine Regierung.

Setzen, sechs!

Der Wiener Psychiater Raphael Bonelli bezeichnete das Verbot in einer ersten Youtube-Stellungnahme aus psychologischer Sicht als „eine denkbar schlechte Idee“, weil dies extrem zur Eskalation beitragen werde: Demonstrationen, auch gegen die Maßnahmen einer Regierung, müsse man in einer Demokratie aushalten, so Bonelli. Offenbar sind wir aber inzwischen an einem Punkt angekommen, wo selbst das Aussprechen einer solchen Selbstverständlichkeit als vorrevolutionärer Akt wahrgenommen wird. Auch bei www.bild.de  schlug man mit einem Leitartikel in dieselbe Kerbe: „Das ist ein inakzeptabler Angriff auf eines unserer höchsten Grundrechte, gegen jede Verhältnismäßigkeit und obendrein an politischer Dummheit kaum zu überbieten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht das hier: „Die Demonstranten werden behaupten, dass die Absage politisch motiviert ist – und es fällt schwer, da selbst dem irrsten Wirrkopf zu widersprechen.“

The winner takes it all?

Zurück zu unserem neuen Heft: „Heilsbringer Wasserstoff“ könnte es einem durch den Kopf gehen, verfolgt man Kurse und Sensationsmeldungen rund um das – zumindest aus chemischer Sicht – simple Element. Vielfältigste Einsatzmöglichkeiten, lupenreine Ökobilanzen sowohl bei Herstellung als auch beim Verbrauch und schier endlose Ressourcen – ein (Wasser-)Stoff aus dem Börsianer-Träume sind. Aber es lauern auch Fallstricke, schließlich müssen „Megatrends“ erst einmal den Beweis antreten, dass sie – gerade auch auf längere Sicht – dieses Prädikat überhaupt verdienen und sich nicht in die Bedeutungslosigkeit „verflüchtigen“. Ebenso dürfte das weite Feld der Akteure, die sich in diesem Feld tummeln, noch gehörig eindampfen. Dies sollte aber kein Grund sein, nicht bereits jetzt aussichtsreiche Kandidaten im Wasserstoffsegment auf dem Schirm zu haben. Ein Grundgedanke, der auch bei den Edelmetallminen angebracht erscheint, wobei hier das Feld für potenzielle Fehlgriffe um einiges größer ist. Schließlich bedarf es – salopp formuliert – nur eines Claims und „goldener“ Zukunftsaussichten, damit die Werbetrommel investorenwirksam gerührt werden kann. Substanzhaltigen Edelmetallinvestments widmen wir seit Jahren unsere Aufmerksamkeit – in der aktuellen Ausgabe haben wir uns dazu eingehender mit Minen aus dem „Reich der Mitte“ beschäftigt. Das und noch vieles mehr im neuen Smart Investor 9/2020, der zum Wochenende erscheint.

 

Zu den Märkten

Sollte es in Berlin über das Wochenende tatsächlich zu einer Eskalation kommen, dürfte die Welt nicht nur anders auf Deutschland blicken, sondern auch auf die deutschen Märkte. Ohnehin scheint der DAX nach dem Spurt der letzten Monate für eine Korrektur anfällig zu sein (vgl. Abb.). Erstens kommen wir nun saisonal in schwierigeres Fahrwasser bzw. stecken schon mitten drin. Zweitens ist die Lage der Realwirtschaft sehr viel schlechter als es die Börsenkurse aktuell suggerieren (Stichworte: Insolvenzverschleppung und verlängerte Kurzarbeiterregeln). Aber auch technisch fehlt es dem Markt inzwischen an Aufwärtsdynamik. Im Prinzip hat sich hier seit Juni eine Keilformation herausgebildet (rote Begrenzungslinien). Zudem konnte sich der DAX noch immer nicht überzeugend von der 13.000er Marke nach oben lösen. Etwas Zurückhaltung könnte also in den nächsten Tagen nicht schaden.

 

Musterdepot Aktien, Fonds und wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über eine erfolgte Transaktion im Aktien-Musterdepot und über die Entwicklung unseres wikifolios „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

 

 

Smart Investor 8/2020

Growth Value – Über FAANG, CANSLIM und den Crack-up-Boom

Eurowahn: Club-Med-Alimentierung dank Druckerpresse

Infrastruktur: Lebensadern der Wirtschaft

Zukunftsszenarien: Hightech- & Megatrends auf den Zahn gefühlt

 

Fazit

Kleine Aufgabe für Freunde des gepflegten Framings: Wenn man Bürger, die ihre Grundrechte wahrnehmen wollen als „Covidioten“ und Aluhutträger verunglimpft, wie würde man dann eigentlich Politiker nennen, die die Bürger an der Wahrnehmung ihrer Grundrechte hindern?

Ralph Malisch, Marc Moschettini

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Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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