Das Index-Auf-und-Ab

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Wer kommt in den Index, wer fliegt raus?

Wandel als Konstante

In regelmäßigen Abständen werden die Börsenindizes zu einem Spiegelbild sportlicher Wettbewerbe. Es werden Aufsteiger und Absteiger benannt, die in eine Börsenliga auf- oder absteigen. Auch wenn zuletzt der Fall Wirecard (ISIN: DE0007472060) und der aufgrund einer Lücke im Börsen-Regelwerk viel zu lange Verbleib der Aktie im DAX die Schlagzeilen bestimmten, so sollten Anleger sich doch eher den anderen Bewegungen zwischen MDAX, SDAX und Co. widmen. Denn aus diesen lässt sich grundsätzlich viel darüber ableiten, welchen Geschäftsmodellen und Unternehmen an der Börse die Zukunft gehören könnte und aus welchen man sich vielleicht eher verabschieden sollte. Dabei zeigt das Beispiel Wirecard aber auch, dass allein die Zugehörigkeit zu einem Index noch kein Qualitätskriterium darstellt, selbst wenn die Firmen ihre Aufnahme gerne als „Ritterschlag“ interpretieren. Da die Deutsche Börse bei ihren Kriterien bislang allein auf den Börsenwert und die Handelsumsätze abstellt, ist über die Qualität eines Unternehmens bis dahin noch kaum etwas gesagt.

Auch hier ließe sich überlegen, inwieweit man weiche Faktoren – wie zum Beispiel den Nachweis nachhaltiger Gewinne – zukünftig in die Indexentscheidungen einbezieht. Dann nämlich wären Delivery Hero (ISIN: DE000A2E4K43) heute kein DAX-Mitglied. In den USA verfährt man traditionell anders. Dass beispielsweise Tesla trotz seiner Größe nicht in den S&P500 aufgenommen wird, lässt durchaus Interpretationen zu.

 

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Technologie auf dem Vormarsch

Unter dem geltenden Regelwerk wurden nun aber die Aktien der Shop Apotheke (NL0012044747) und von Wacker Chemie (ISIN: DE000WCH8881) in den MDAX aufgenommen. Platz machen mussten der Medienkonzern RTL (ISIN: LU0061462528) und der Start-up-Investor Rocket Internet (ISIN: DE000A12UKK6). Im SDAX neu vertreten sind der Online-Modehändler Global Fashion Group (ISIN: LU2010095458), der Spezialpharmawert Medios (ISIN: DE000A1MMCC8) und der IT-Dienstleister Secunet (ISIN: DE0007276503). Für dieses Trio müssen der skandalgebeutelte Möbelhändler Steinhoff (ISIN: NL0011375019), der stark auf die Automobilbranche ausgerichtete Ingenieurdienstleister Bertrandt (ISIN: DE0005232805) und Atoss Software (ISIN: DE0005104400) aus dem SDAX weichen. Im Fall von Atoss lag die Herausnahme jedoch weder am mangelnden operativen Erfolg – das Unternehmen steuert 2020 auf ein weiteres Rekordjahr zu – noch an der Kursentwicklung (+92% seit Januar). Ausschlaggebend waren allein die zu geringen Börsenumsätze. Als Kriterium für eine Indexzugehörigkeit erscheinen diese zumindest diskussionswürdig, schließlich verbleiben dafür andere Unternehmen mit mehr oder weniger unsicheren Zukunftsperspektiven in M- und SDAX. Betrachtet man das größere Bild, so zeigt sich trotz des Sonderfalls Atoss auch hierzulande die zunehmende Bedeutung des Technologiesektors. Längerfristig wird sich der durch Digitalisierung und Online-Geschäftsmodelle beschleunigte Strukturwandel in der Zusammensetzung der Indizes widerspiegeln. Ohnehin ist es recht wahrscheinlich, dass Atoss früher oder später ihr SDAX-Comeback feiern dürfte.

 

 

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Das Missverständnis vom „Corona-Profiteur“

Egal ob Shop Apotheke, Global Fashion Group oder auch Secunet – sie alle werden gerne mit dem Etikett „Corona-Profiteur“ versehen. Dieses Label suggeriert, dass es in der „Nach-Corona-Zeit“ (wann auch immer diese beginnen soll) für alle drei operativ wieder bergab gehen dürfte. Dem ist jedoch nicht so. Corona hat allenfalls den übergeordneten Wachstumstrend noch einmal beschleunigt und dafür gesorgt, dass die Unternehmen ihre Ziele schneller als geplant erreichen werden. Bei der Shop Apotheke wurden gleich mehrfach die Ziele für das Gesamtjahr angehoben, bei Secunet könnte die nächste Prognoseerhöhung spätestens im Herbst anklopfen. Gleiches gilt für die Online-Modehändler. Sie alle wären auch ohne Corona in diesem Jahr gewachsen und hätten damit vom strukturellen Wandel in ihrer jeweiligen Branche profitiert. Käme es demnächst an der Börse zu einem Favoritenwechsel – zum Beispiel weil ein Impfstoff zugelassen würde oder eine Zulassung kurz bevor stünde – dann könnten deutliche Kursrücksetzer bei all diesen Werten/Corona-Profiteuren neue Einstiegschancen eröffnen. Denn Digitalisierung und Internet-Handel werden auf Jahre den Wandel unserer Wirtschaft prägen.

Die Ausnahme von der Regel

Gerade deshalb ist es umso erstaunlicher, dass sich ausgerechnet jetzt der Start-up-Investor Rocket Internet von der Börse zurückziehen will. Gerüchte gab es diesbezüglich schon länger. Der Eindruck, dass die von Oliver Samwer geführte Beteiligungsgesellschaft nicht so wirklich an die Börse gehört, war offenbar richtig. Neben vielen in der Rückschau eher unglücklichen Entscheidungen – im Frühsommer 2020 verkaufte man für 8 EUR sämtliche HelloFresh-Aktien – warfen Anleger dem Firmenchef angesichts eines milliardenschweren, auf neue Anlagechancen wartenden Cash-Bergs immer öfter Fantasielosigkeit vor. Während viele Online-Geschäftsmodelle boomen und die Aktien dieser Firmen gefragter denn je zu sein scheinen, näherte sich das Papier von Rocket Internet zuletzt sogar wieder seinen Corona-Tiefs aus dem März. Hinzu kam nun der Abstieg aus dem MDAX. Für die Aktienkultur sind die Pläne Rocket Internets ein weiterer Rückschlag. So will man die anderen Aktionäre mit dem gesetzlichen Pflichtangebot von 18,57 EUR abfinden, obwohl man vor sechs Jahren beim eigenen IPO noch einen Maximalpreis von 42,50 EUR verlangte (und auch bekam). Bleibt nur zu hoffen, dass sich möglichst viele Rocket-Aktionäre diesem unmoralischen Angebot widersetzen.

 

 

Zu den Märkten

Dass wir die Lage an den Börsen zunehmend skeptisch betrachten, hatten wir nicht zuletzt im Weekly der vergangenen Woche betont – zumindest aus charttechnischer Sicht. In unserer aktuellen Heftausgabe haben wir sogar die Gründe für einen holprigen Börsenherbst genannt. Als da wären die anstehende US-Präsidentschaftswahl, in deren Vorfeld man realistischer Weise noch mit einigem Ungemach rechnen muss, was die Börsen nicht kalt lassen dürfte. Zudem haben wir unter dem zugegebenermaßen etwas plakativen Stichwort „zweite Welle“ darin auch die Entwicklungen an der Corona-Front beschrieben, die uns zusehends Sorgen machen. Nein, weniger das Virus an sich, sondern die Maßnahmen der Politik darauf. Denn sollte es wie im Frühjahr nochmals zu wie auch immer gearteten Maßnahmen kommen, so würde das für viele Unternehmen den Garaus bedeuten – oder aber das Ausgeliefertsein an staatliche Hilfs- oder Rettungsmaßnahmen.

Der DAX laboriert immer noch an seiner ausgeprägten charttechnischen  Keilformation herum (siehe Weekly von letzter Woche), ohne dass sich hier ein klares Signal ergeben hätte. Allerdings kam es jenseits des großen Teichs aufgrund der deutlichen Schwäche der Hightech-Werte dort zu Kursentwicklungen, die wir Ihnen hier nicht vorenthalten wollen. Denn realistisch betrachtet können sich die europäischen Börsen davon nicht loslösen.

Nahezu die meisten großen IT- und Internetaktien wurden in den letzten Tagen arg gebeutelt, manche Titel wie z. B. die vom fundamentalen Gesichtspunkt aus jenseits von Gut und Böse bewertete Tesla verloren gar ein Viertel ihres Wertes in wenigen Tagen. Der NASDAQ 100 brach jedenfalls seinen markanten Aufwärtstrend seit April dieses Jahres (siehe Chart). Ist das der Beginn eines Crashs oder wenigstens einer ausgemachten Baisse? – ein Index-Kursrückgang von mehr als 20% wäre dafür das definitorische Kriterium. Wir wollen diese Frage in Anlehnung an unsere Titelgeschichte des Heftes 9/2020 keinesfalls verneinen, auch wenn wir einen Zusammenbruch wie im Frühjahr dieses Jahres nicht sehen.

 

Musterdepot Aktien, Fonds und wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

 

 

Smart Investor 9/2020:

Titelstory: Die zweite Welle und die Wahl

Wasserstoff: Megatrend vs. Luftnummer?

 Nachhaltigkeit: Über Sein, Schein & Bewertungen

 Edelmetalle: Zündet eine weitere Stufe?

 

 

Veranstaltungshinweis

Ein völlig neues Messekonzept für Fonds-Interessierte stellt HANSAINVEST mit der Fondstique, der digitalen Anlegermesse der Fondsboutiquen, vor. Sie haben dort die Gelegenheit virtuell 36 Aussteller zu besuchen und bis zu 50 Vorträge in drei Panels zu folgen. Termin ist der 15. Oktober 2020 in der Zeit von 9:00 bis 18:00 Uhr. Nähere Informationen und die Möglichkeit zu einer kostenlosen Anmeldung finden Sie hier.

Fazit

Genauso wie die Deutsche Börse von Zeit zu Zeit Bereinigungen in ihren Indizes vornimmt, so tun auch wir dies in unserem Musterdepot. Denn der Herbst könnte heiß werden.

Ralf Flierl, Markus Wessel

 

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Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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