„Vom Ende her gedacht“?!

Titelbild: © MarekPhotoDesign.com – stock.adobe.com

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Öffentliche Reue rettet Merkel das Amt

Panikmache, Dilettantismus und Phrasen

Der Kanzlerin wurde vom liebedienernden Medienmainstream gerne unterstellt, dass sie die Dinge „vom Ende her denke“. Dass sie nun, erst einen Tag nach den „Beschlüssen“ der sogenannten Bund-Länder-Konferenz, die entgegen landläufiger Auffassung kein Verfassungsorgan ist, erneut die Ministerpräsidenten zu einem Ad-Hoc-Gipfel „zitierte“, spricht für das Gegenteil. Nachdem Fasching und Karneval dieses Jahr ausfielen, wollte die Regierung den Menschen offenbar rechtzeitig zum 1. April einen „Unsinnigen Donnerstag“ der besonderen Art bescheren: Aber die sogenannte „Osterruhe“, auf die sich die Runde noch gestern geeinigt hatte, löste einen Sturm der Entrüstung aus – zu Recht. Denn die von jeder Lebenswirklichkeit und Lebenserfahrung weit abliegende Idee bestand darin, Supermärkte zusätzlich zu den eigentlichen Feiertagen an weiteren „Ruhetagen“ zu schließen. Wie schon bei Masken- und Impfstoffbestellung oder dem „Wellenbrecher“-Lockdown vom November sollte einmal mehr mit der inzwischen hinlänglich bekannten Mischung aus Panikmache und Dilettantismus durchregiert werden. Selbst BILD, der Kanzlerin lange Zeit treu ergeben, konnte angesichts des neuerlichen Unfugs aus Berlin nicht länger an sich halten und konterte unter anderem mit der Video-Sequenz „Die leeren Sprüche der Floskelkanzlerin“ oder dem Beitrag „Planlos! Ratlos! Mutlos! – Wissen Merkel, Söder & Co. eigentlich noch, was sie tun?“

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„Superspreadermärkte“?!

Die Idee, dass sich Kontakte dadurch verringern ließen, dass man die Einkaufsmöglichkeiten zusätzlich beschränkt, den Kundenansturm also in ein noch engeres Zeitfenster leitet, kann man nur als verwegen oder auf gut bayrisch als „saudumm“ bezeichnen. Wenn man denn überhaupt erneut in den Handel eingreifen wollte, dann wäre die einzig sachlich nachvollziehbare Maßnahme die vollkommene Freigabe der Öffnungszeiten gewesen, damit sich der Käuferandrang so weit wie möglich entzerrt. Unabhängig davon waren und sind Supermärkte, die während aller Lockdown-Maßnahmen offenblieben, bislang nicht als Superspreader mit hohem Krankenstand der Mitarbeiter bekannt geworden. Wer trotz der täglichen Panikmache dann möglicherweise doch einmal sein Hirn einschaltet, könnte sich die Frage stellen, warum dies im Baumarkt, Möbelgeschäft, Autohaus oder Gartencenter anders sein sollte?!

Wissenschaft der Willkür

Nachdem die Kanzlerin gestern noch 16 Ministerpräsident*innen zu ihren Maßnahmen gedrängt hatte, von denen nicht ein einziger/eine einzige Manns oder Fraus genug war, Berlin die Stirn zu bieten, vollzog sie einen Tag später die 180-Grad-Wende. Eine wissenschaftliche Begründung gab es weder für die gestrige Maßnahme noch für deren heutige Aufhebung. Das Regierungshandeln in der Sache bleibt weiter von Willkür und Aktionismus bestimmt. Internationale Studien zur Wirkungslosigkeit und sogar Schädlichkeit der Lockdown-Maßnahmen – also echte wissenschaftliche Diskussionsbeiträge mit dem Qualitätssiegel „peer reviewed“ – werden vom Berliner Panikorchester dagegen routiniert ignoriert.

Bemerkenswerte Reaktionen

Die Zeiten sind schwer und wäre es nicht alles so traurig, könnte man zumindest den Reaktionen auf das Hin und Her etwas Heiteres abgewinnen – Lachen ist ja bekanntlich gesund und wirkt insbesondere gegen Angst: Bemerkenswert sind jetzt vor allem jene Journalisten und Politiker, die die „Osterruhe“ gestern noch vehement als richtig und notwendig, ja „alternativlos“ verteidigt hatten, und der Kanzlerin schon heute größten Respekt dafür zollen, einen Fehler zugegeben zu haben – Sie lesen richtig, einen. Was würden diese Wendehälse eigentlich machen, falls die Kanzlerin ihre Meinung morgen erneut ändert?! Wer aber glaubte, dass sich hier eine Kanzlerinnendämmerung abzeichnet, wird wohl bald eines Schlechteren belehrt. Denn nicht einmal die potenziellen Nachfolger – wobei langsam fraglich ist, ob eine Partei, die von einer soliden 40%+ Volkspartei auf aktuell rund 26% Zustimmung heruntergewirtschaftet wurde, überhaupt noch Anspruch auf das Kanzleramt erheben kann –, nicht einmal diese Nachfolger würden Merkel trotz ihrer aktuellen Schlagseite jetzt aus dem Amt treiben. Denn mit der öffentlich, dosiert und kalkuliert gezeigten Reue hat sie heute tatsächlich die „Notbremse“ gezogen und die gewünschte Beißhemmung bei den „Parteifreunden“ ausgelöst. Niccolò Machiavelli hätte seine helle Freude an Merkel gehabt. Auch BILD ist bereits wieder auf Kurs: „Eine große Ansprache der Kanzlerin!“ heißt es dort in einer Blitzanalyse.

Weiter angeschlagen

Wenden wir uns den Märkten zu, bevor diese auch noch in die „Osterruhe“ geschickt werden. Mit einer gewissen Sorge blicken wir weiterhin auf die Tech- und Growth-Titel, die die Hausse der letzten Jahre – insbesondere auch die Bewegung nach dem Corona-Crash – so überzeugend angeführt haben. Im neuen Smart Investor 4/2021, der zum Wochenende erscheint, finden Sie dort einige Hintergründe zum Stottern des Tech-Motors, der sich nicht nur beim NASDAQ 100 (vgl. Abb.) insgesamt zeigt, sondern auch bei den Marktführern dieser Hausse wie Tesla*. Das Allzeithoch des Papiers stammt von Ende Januar und das ist schon eine Aussage für eine Aktie, für die die Rekordjagd der Normalfall war. Die Aussage wird sogar noch schärfer, wenn man sich vor Augen hält, dass gleichzeitig Standardwerte-Indizes zuletzt durchaus neue Allzeithochs erzielen konnten. Die Rotation ist also in vollem Gange und dafür gibt es mit der US-Zinsentwicklung nicht nur ein schlagkräftiges Argument. Was Sie darüber sonst noch wissen sollten, lesen Sie ebenfalls im neuen Smart Investor 4/2021.

Metalle im Steigflug

Ebenfalls begünstigt von der Rotation sind Rohstoffe. Das erscheint aufgrund der vorerwähnten Zinsentwicklung erst einmal erklärungsbedürftig, da der US-Zinsanstieg ja gerne als Hauptargument für die Goldpreisschwäche bemüht wird. Bei den Batterie- und Elektrometallen spielt dieses Argument allerdings nur eine weit untergeordnete Rolle. Vielmehr sorgt hier der politische Wille, flankiert durch milliarden- bzw. billionenschwere Ausgabenprogramme der Regierungen, für einen enormen Nachfrageschub. Denn tatsächlich genügt es für die angestrebte Dekarbonisierung nicht, Geld in die Hand zu nehmen, es müssen erst einmal massenhaft Rohstoffe gefördert und eingesetzt werden, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Wir halten das Thema für so interessant, dass wir dem „Rohstoffsuperzyklus“ diesmal die Titelgeschichte im Smart Investor 4/2021 gewidmet haben. Allerdings sind etliche der vorgestellten Akten in der aktuellen Aufwärtsbewegung auch schon stark gestiegen, so dass es sich auszahlen sollte, hier mit ruhiger Hand zu Werke zu gehen und möglicherweise sogar einen kleineren Rücksetzer abzuwarten. Von solide bis hochspekulativ stellen wir Ihnen jedenfalls etliche Unternehmen vor, die nach unserer Auffassung auf die Watchlist gehören.

Zu den Märkten

Geradezu klassisch ist das aktuelle Kursverhalten des DAX. Klassisch in dem Sinne, als es den Anlegern keine leichte Entscheidungssituation bietet (vgl. Abb.). Zum einen ist da der an dieser Stelle schon mehrfach erwähnte bearishe Keil (rote Linien). Dies ist eine Kursformation, von der Ungemach zu erwarten ist, sobald der Kurs daraus nach unten ausbricht. Genau das tat der DAX aber nicht. Im Gegenteil, der überschritt die obere Begrenzung und produzierte schon innerhalb des Keils erste Allzeithochs. Interessanterweise war der Kursverlauf dabei innerhalb des Keils sogar von dynamischeren Bewegungen gekennzeichnet als außerhalb. Es scheint im Moment sogar fast so, als habe die Marktteilnehmer der Mut verlassen, den DAX weiter kräftig nach oben zu kaufen. Entsprechend schleicht sich der Index an der oberen Begrenzung entlang, ohne sich davon aber bislang nachhaltig lösen zu können. Interessanter Weise gehört der DAX damit aber weltweit zu den stärkeren Indizes, und konnte beispielsweise den TecDAX deutlich hinter sich lassen. Und um die Indifferenz noch ein bisschen auf die Spitze zu treiben, ist im DAX natürlich die Performance der Volkswagen Vorzüge enthalten, über die wir das letzte Mal geschrieben haben und denen entsprechend auch einige deutlich schwächere Werte zur Seite stehen, um dieses Gesamtergebnis zu produzieren. Das Fazit an dieser Stelle ist daher auch indifferent: Erst die nächste große Bewegung wird die Vorzugsrichtung zeigen – es sei denn, es handelt sich dabei um ein Fehlsignal.

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Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung in unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“ und geben unsere aktuelle Einschätzung zu unserem NASDAQ-100-Put. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit

Die Kanzlerin erhält polit-medialen Zuspruch, wenn sie Unsinn verkündet, und dann noch einmal, wenn sie davon wieder ablässt. Für Börsianer gibt es in der Regel nicht so viele Streicheleinheiten.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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