Dammbruch

Titelbild: © Frank Wagner – stock.adobe.com

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Elon Musk, der Bitcoin und der Kursrutsch

Markt schlägt Druckerei

Eigentlich wollten wir Sie im neuen Smart Investor 6/2021 auf eine brisante Konstellation beim Bitcoin aufmerksam machen: Beim Methusalem der Krypto-Szene zeigten sich nämlich deutliche Ermüdungserscheinungen. Doch während unser Heft gerade noch gedruckt wird, gab es beim Kurs schon heute kein Halten mehr nach unten. Technisch war dies abzusehen, denn nach dem Verlassen seines steilen Aufwärtstrends (vgl. Abb., blaue Linie) entwickelte sich eine fast lehrbuchmäßige Schulter-Kopf-Schulter Formation (rote Markierungen), wobei der Bruch der Nackenlinie als der eigentliche Dammbruch zu bewerten ist. Um ein solches Chartbild zu heilen, müsste der Kurs das Ausbruchsniveau in einer kräftigen Gegenbewegung zurückerobern. Das ist zwar möglich, aber dazu braucht es mehr als eine rein technische Reaktion auf die erfolgten Kursverluste. Aus chartanalytischer Sicht ist also das Kursverhalten der nächsten Tage bzw. Stunden entscheidend, genauer gesagt, das Kursverhalten bei einer Wiederannäherung an die Nackenlinie, falls es überhaupt dazu kommt: Prallt der Kurs dann erneut nach unten ab, wäre der Durchbruch bestätigt und es ist mit weiteren Kursverlusten zu rechnen. Wird die Nackenlinie dagegen tatsächlich wieder überwunden, dann wäre der Ausbruch als Fehlsignal zu bewerten.

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Zwischen den Extremen

Wir reiten beim Bitcoin deshalb so auf der Markttechnik herum, weil sie – auch als Spiegel der jeweiligen marktpsychologischen Verfassung – im Krypto-Bereich eine herausragende Rolle spielt. Das liegt vor allem daran, dass Kryptowährungen fundamental kaum zu fassen sind. Entsprechend pendelt die Wertzuschreibung gerne zwischen den Extremen. Der eine Eckwert ist eine astronomische Zahl, die sich ergibt, wenn man – wie es eingefleischte Bitcoin-Fans tun – wahlweise die umlaufenden Dollarbestände oder gleich alle Fiatwährungen der Welt auf die maximal 21 Millionen Bitcoins umrechnet, gerne auch noch reduziert um einen Prozentsatz für die bereits unwiederbringlich verlorenen Coins. Der andere Extremwert liegt bei null, der entweder mit dem technologischen Fortschritt oder mit der staatlichen Konkurrenz begründet wird. Im Bereich der Technologie werden üblicherweise die zahlreichen und besseren Konkurrenten angeführt, oder aber der Quantencomputer, der eines Tages jeden Bitcoin-Schlüssel knacken können wird. Auch, dass der Bitcoin als ein kaum regulierbares Privatgeld den Staaten mit ihren Geldmonopolansprüchen ein Dorn im Auge ist, lässt sich nachvollziehen und gibt Befürchtungen für entsprechende Gegenmaßnahmen Raum.

Eine Frage des Impulses

In der täglichen Praxis helfen einem solche Szenarien aber nur wenig. Da kommt es eher auf kursbewegende Impulse an. Genau die setzte Elon Musk zuletzt reichlich, und zwar sowohl in positiver wie auch negativer Hinsicht. Diese Impulse sind zugleich die Erklärung für die drei grünen Ziffern in unserer Bitcoin-Graphik. Für regelrechte Euphorie unter den Krypto-Fans sorgte Musk, als er den Kauf von Bitcoins im Gegenwert von 1,5 Mrd. USD bekanntgab (Ziff. 1). Auch als er ankündigte, künftig Teslas gegen Bitcoin verkaufen zu wollen, stieg der Kurs (Ziff. 2). Zwar wurde seinerzeit nicht klar, ob die Ankündigung auch gleich den Tarif (ein Bitcoin = ein Tesla) beinhaltet, inzwischen hat sich die Sache aber ohnehin erledigt. Musk zog den Bitcoin-Tesla-Deal zurück (Ziff. 3). Inzwischen hat er sogar entdeckt, dass der Bitcoin ein ziemlicher Stromfresser ist, was nicht zum grünen Image seiner Fahrzeuge passen will, die streng genommen auch ziemliche Stromfresser sind, die Menschen aber immerhin von A nach B bringen.

Vom Messias zum Hassobjekt

Nachdem Musk noch im Februar euphorisch von der Krypto-Gemeinde gefeiert worden war, mutierte er nach seinen letzten Tweets zum Hassobjekt. Jede weitere Kurszuckung nach unten gilt den Bitcoinern als Hinweis auf sein übles Spiel, während jede Zuckung nach oben mit Häme quittiert wird. Offenbar neigt man als Teil einer Spekulationswelle zu emotionalen Überreaktionen. Das eigentliche Problem aber geht tiefer: Viele Bitcoin-Anhänger hatten wohl gehofft, dass ein unbestechlicher Algorithmus sie künftig vor den willkürlichen Manipulationen der Notenbanken schützen werde, die bei Fiatgeldsystemen an der Tagesordnung sind. In Bezug auf die Geldmenge bzw. auf die Geldmengenausweitung ist das zwar richtig, und dennoch ist es nur die halbe Wahrheit. Denn die sprunghaften Aktionen eines einzelnen Mitspielers wie Musk führen ebenfalls zu willkürlichen Wertveränderungen, allerdings direkt über den Kurs.

„Viele Regeln“

Elon Musk weilte die Tage zu einem Kurzbesuch in Deutschland, genauer gesagt beim Tesla-Werk, das gerade in Grünheide entsteht. Das Projekt ist bereits landestypisch im Verzug. Sollten schon zur Jahresmitte – im gewohnten Musk-Tempo – die ersten Elektroflitzer vom Band rollen, wird es jetzt wohl doch eher das Jahresende werden. „Viele Regeln in Deutschland“, ließ er die Fans bei einer improvisierten Autogrammrunde am Bauzaun wissen. Der Neuigkeitswert dieser Aussage war für gelernte Bundesbürger allerdings eher gering.

Vergleichsweise neu ist allerdings, dass auch etablierte Fahrzeughersteller in Verzug geraten – nicht wegen zu vieler Regeln, sondern wegen zu weniger Vorprodukte. Was den Autobauern die Chips sind, ist der Bauindustrie Blech, Holz und Zement. Es kneift an allen Ecken und Enden. Im neuen Smart Investor 6/2021 gehen wir den Ursachen auf den Grund und fragen uns, wo die Lieferketten besonders angespannt sind. Zumindest eines ist klar: Wenn Ware nur noch hereintröpfelt, wo sie noch vor kurzem in einem breiten Strom geflossen war, dann steigen die Preise. Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Denn entgegen naiven Vorstellungen, kann man die Wirtschaft nicht ab- und dann einfach wieder anschalten. Bis sich die durchtrennten Enden wiederfinden, kann daher noch einige Zeit ins Land gehen.

Zu den Märkten

Zumindest der DAX „leidet“ heute jedenfalls nicht unter Preissteigerungen, und das ist auch keine gute Nachricht. Heute startete der Index bereits mit einem Abwärts-Gap unter die Aufwärtstrendlinie (vgl. Abb., rote Linie) und verlor bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe weiter an Boden. Damit bestätigt sich das gestrige Fehlsignal. Der Index erreichte nämlich noch gestern früh ein Allzeithoch (!), fiel dann aber unmittelbar in die Schiebezone zurück. Nach der Inselumkehr der Vorwoche beobachten wir nun, innerhalb von nur zwei Handelstagen, zwei weitere negative Signale: Einen Fehlausbruch auf ein neues Allzeithoch und einen Durchbruch des Aufwärtstrends. Vorsicht ist also angesagt.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung bei Solutions 30, die sich sowohl auf unser Musterdepot, als auch auf unser wikifolio „Smart Investor – Momentum“ auswirkt. Der Kurs der Aktie wurde auf Wunsch des Managements bis zum 21. Mai ausgesetzt.

Fazit

Der Dammbruch beim Bitcoin zeigt auch, wie luftig die Höhen waren, auf denen er sich bewegte. Blasentypisch wird das den Beteiligten aber regelmäßig erst bewusst, wenn die Blase bereits geplatzt ist.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

Smart Investor 5/2021:

Titelstory: Great Reset

Familienunternehmen: Die Eigentümerstruktur macht den Unterschied

Netzwerkeffekt: Markt- oder eher Staatsversagen?

Aktieninvestments: Auch langfristig sind die Renditen nicht sicher

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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