Suche nach Lösungen

Titelbild: © Antonioguillem – stock.adobe.com

ARTIKEL TEILEN

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on email
Email

… und nach einem Testat

„… if things need fixing, we’ll provide a solution“

In der Selbstauskunft der Solutions 30 SE (WKN: A2N8PV, akt. Kurs: 3,50 EUR) findet sich unter der Überschrift „Solutions for new Technologies“ prominent und sogar durch Fettdruck hervorgehoben dieser Halbsatz: „… if things need fixing, we’ll provide a solution“ („… wenn Dinge in Ordnung gebracht werden müssen, bieten wir eine Lösung“). In der aktuellen Situation des Unternehmens und nach einem zwischenzeitlichen Kurssturz von mehr als 70% seit der Wiederaufnahme des Handels nach einem regelrechten Monster-Gap (vgl. Abb. 1, rote Markierung) klingt das wie blanker Hohn. Manch ein Aktionär wird sich fragen, ob man vor solchen großspurigen Ankündigungen nicht erst einmal den eigenen Laden in Ordnung bringen könnte?! Denn, dass dort einiges im Argen liegt, zeigt die Verweigerung des Testats durch den Abschlussprüfer EY.

Anzeige


Profitieren Sie jetzt von unserem Vorteilsangebot und erhalten Sie 200 € Neukundenbonus*, wenn Sie ein Turbo24-Konto bei IG eröffnen.

Mit Turbo24-Zertifikaten handeln Sie kommissionsfrei, ohne versteckte Kosten, auf einer leistungsstarken und leicht bedienbaren Plattform oder von überall mit unserer preisgekrönten App.

Mehr erfahren

Warum Turbo24 bei IG handeln?

  • 0 € Kommission und keine versteckten Kosten. Alle potentiellen Gebühren sind bereits im Turbo-Preis erhalten.
  • Handeln Sie auf einer schnellen, leicht bedienbaren Plattform oder unterwegs auf unserer mobilen und preisgekrönten App.
  • Turbo24 werden stündlich neu emittiert, somit erhalten Sie immer das gewünschte Knock-out-Level.
  • Begrenzen Sie Ihr Risiko und wählen Sie den passenden Hebel flexibel zu Ihrer Strategie.

Jetzt Bonus erhalten

*Es gelten die AGB

Turbozertifikate sind komplexe Finanzinstrumente und gehen mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Verluste können extrem schnell eintreten. 


Vermeintlicher Glanz

Spätestens beim Namen EY, früher Ernst & Young, dürfte es bei Börsianern klingeln. Das liegt weniger daran, dass man auch dort um große Slogans nicht verlegen ist („Building a better working world“ – „Für eine bessere Arbeitswelt“), sondern an deren Tätigkeit als Abschlussprüfer der Wirecard AG. Dieses einstige Vorzeigeunternehmen deutscher Digitalisierungsbemühungen, in dessen vermeintlichem Glanz sich auch hochrangige Politiker nur allzu gerne sonnten – zumindest in besseren Tagen –, wurde praktisch über Nacht zu einem der größten Finanzskandale in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ausländische Konten, auf denen sich angeblich Milliardenbeträge tummelten, hatten sich als Luftnummer erwiesen, die freilich notwendig wurde, um die „geschäftlichen Erfolge“ des Unternehmens plausibel zu machen. Die Blamage für EY, die als langjähriger Abschlussprüfer von den krummen Touren nichts mitbekommen hatten, war perfekt. Allerdings muss man zu deren Ehrenrettung auch erwähnen, dass eine Abschlussprüfung eben keine Unterschlagungsprüfung ist. Da es, hier wie dort, im Vorfeld Gerüchte über Unregelmäßigkeiten gab, ließ man sich mit der Verweigerung des Testats für Solutions 30 möglicherweise – wir spekulieren – nun von besonderer Vorsicht leiten.

Unvereinbare Perspektiven

Damit scheinen die Parallelen zwischen beiden Fällen allerdings auch schon – soweit man das aktuell überblicken kann – zu enden. Denn während bei Wirecard wohl große Teile des angeblich hoch profitablen Geschäfts fingiert waren, verfügt Solutions 30 tatsächlich über das angegebene Geschäft und kann auf zahlreiche renommierte Kunden verweisen. Die Verweigerung des Testats betrifft einen Teilbereich, den EY so umschreibt: „Wir waren nicht in der Lage, ausreichende und angemessene Nachweise für die Art, den Inhalt, den Wert und die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften bestimmter Transaktionen des Konzerns zu erlangen und festzustellen, ob diese Transaktionen mit nahestehenden Personen, einschließlich Mitgliedern des Managements, durchgeführt wurden.“ Zudem sei das Management der Aufforderung des Aufsichtsrats nicht nachgekommen, „zusätzliche Verfahren“ durchzuführen. Das Unternehmen habe – zumindest nach Einschätzung von EY – die für ein Testat erforderlichen Unterlagen nicht im geforderten Umfang beigebracht. Dieser Einschätzung allerdings widersprach Solutions 30 in seiner Pressemitteilung vom Sonntag heftig. Man verwies zudem auf das gesunde, wachstumsstarke Geschäftsmodell sowie eine stolze Liquiditätsreserve von 159 Mio. EUR zum Stichtag 31.12.2020. Ferner stellte man weitergehende Gedankenspiele an: Das reichte von der Wahl eines neuen Abschlussprüfers bis zur Suche nach neuen „Referenzinvestoren“ und der Perspektive eines späteren Delistings.

Nichts für schwache Nerven

Die Lage bleibt also unübersichtlich. Das zeigt auch ein Blick in unser GENIOS-Heftarchiv (Zugang für eingeloggte Abonnenten des Smart Investor Magazins). Dort finden Sie unter dem Stichwort „Solutions 30“ immerhin 30 Erwähnungen des Unternehmens über die letzten Jahre. Das hat auch damit zu tun, dass sich die Aktien derzeit in unserem Aktien-Musterdepot befinden und wir immer wieder eine neue Bewertung der jeweils aktuellen und zuletzt kontroversen Entwicklungen vorgenommen hatten. Sollten Sie allerdings nicht in Archiven wühlen wollen, dann sei Ihnen – so viel Werbung darf erlaubt sein –, der brandneue Smart Investor 6/2021 empfohlen, der zum Wochenende erschienen ist. Unser Top-Thema sind diesmal Beteiligungsgesellschaften, mit einem besonderen Augenmerk auf jene, die nicht nur versuchen, den Investmentstil von Warren Buffett nachzuahmen, sondern dabei auch noch äußerst erfolgreich sind: „Warren und die Copycats“. Zurück zu Solutions 30: Angesichts der Unsicherheiten, die nun um die Aktie bestehen, könnte es sich auf dem nun erreichten Kursniveau entweder um eine hervorragende Chance oder um ein noch immer viel zu teures Papier handeln. Nur eines ist sicher: Für schwache Nerven ist Solutions 30 derzeit sicher nichts.

Vom Segen der Streuung

Wenn wir die Sicht auf das Unternehmen verlassen und uns der Perspektive des Anlegers zuwenden, dann hält der Fall Solutions 30 einige wichtige Lehren bereit: Egal wie überzeugt man von einem Unternehmen auf einem bestimmten Kursniveau ist, praktisch jede Aktie beinhaltet erhebliche Risiken, die im Extremfall bis zum Totalverlust gehen können. Damit dieses Risiko nicht in extremer Weise auf das Gesamtvermögen durchschlägt, bleibt die Streuung der Anlagen unabdingbar. Denn wer immer alles auf eine Karte setzt, wird langfristig selbst dann Schiffbruch erleiden, wenn er eine weit überdurchschnittliche Trefferquote aufweist. Ohne Streuung genügt ein einziger Querschläger vom Kaliber Solutions 30 oder gar Wirecard, um das Kapital empfindlich zu schmälern bzw. zu vernichten. In einem weltweiten Universum von vielen Tausend liquiden Aktien sollten sich doch wenigstens 30, 20 oder auch nur 10 aussichtsreiche Titel entdecken lassen? Käme es dann tatsächlich einmal zu einem Totalausfall, würde sich dieser – bei einer Gleichgewichtung der Positionen – mit einem Verlust von 3,3%, 5% bzw. 10% des Gesamtkapitals niederschlagen.

„Kurslochlotterie“

Ein anderer Aspekt der Querelen um den Solutions-30-Jahresabschluss ist die Aussetzung des Kurses über sage und schreibe zwei Wochen. Uns beschleicht da immer das Gefühl, dass solche Maßnahmen zwar gut gemeint sein mögen, aber nicht unbedingt gut gemacht sind. Natürlich können die Gerüchte ins Kraut schießen, wenn die Aktie in einer derart kritischen Phase weiter gehandelt wird und die Kurse stark fluktuieren. Das Argument für eine Kursaussetzung ist also nachvollziehbar, sollen doch alle Marktteilnehmer die Chance erhalten, auf Basis der gleichen Information zu handeln. Ähnlich wird auch bei ad-hoc-pflichtigen Sachverhalten argumentiert – übrigens mit dem gleichen praktischen Ergebnis: Zwar gibt es nun eine gewisse „Gerechtigkeit“ zwischen den besser und den weniger gut Informierten, allerdings entfällt dadurch auch die Arbitrage der Besserinformierten. Wo diese früher ihre Spuren im Kursverlauf hinterlassen hatten, klafft nun eine teils gewaltige Lücke. Auch gibt es keinerlei Gewähr dafür, dass sich die während der handelsfreien Zeit aufgestauten Emotionen tatsächlich beim „richtigen“ Kursniveau entladen. Die Solutions-30-Aktie stieg beispielsweise heute bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe um satte 25%.

Lösung der Geldprobleme?

Ebenfalls nichts für schwache Nerven ist der Bitcoin (vgl. Abb. 2). In der letzten Ausgabe sollte eigentlich ein Chart angeheftet sein, der aber versehentlich nicht mit ausgesendet wurde. Sie finden unseren Mittwochs-Newsletter übrigens auch immer auf unserer Website, wo eventuelle Fehler dann auch gleich unmittelbar korrigiert werden. Eine Woche später sieht man die ganze Dramatik der Achterbahnfahrt: Noch am Mittwoch stürzte der Bitcoin unter die runde Marke von 30.000 USD ab, konnte sich jedoch in der Folge wieder kräftig erholen. Aktuell notiert er wieder bei knapp 40.000 USD – vom Tief aus ist das ein Plus von mehr als einem Drittel in nur einer Woche. Mit den beiden gelben Markierungen ist das Mindestkursziel der Schulter-Kopf-Schulter-Formation markiert, die wir in der Vorwoche ausgiebig besprochen hatten. Dieses Kursziel ist mit dem Ausschüttler sogar bereits übererfüllt, so dass weitere Kursverluste aus dieser Formation erst einmal nicht mehr abgeleitet werden sollten. Andererseits verläuft der Kurs weiter unterhalb der Nackenlinie (rot) und ist auch durch die Abfolge von tieferen Tiefs und tieferen Hochs erst einmal definitionsgemäß im Abwärtstrend. Geht die Geldvermehrung in den Fiatgeldsystemen allerdings ungebremst weiter – und dagegen spricht im Moment nichts –, könnten die Bitcoin-Anhänger den Kurs auch schnell wieder über die Nackenlinie und sogar in Richtung neue Hochs treiben. Ob der Bitcoin aber tatsächlich die Lösung für die politisch missbrauchten und niedergehenden Fiatgelder ist, darf bezweifelt werden. Was bzw. wer hinter den drei ominösen grünen Ziffern im Chart steckt, können Sie übrigens auch in der Vorwochenausgabe nachlesen.

Zu den Märkten

Auch in dieser Woche markierte der DAX neue Allzeithochs und auch diesmal war dies wenig überzeugend (vgl. Abb. 3, rote Markierung). Das Ganze war so wenig spektakulär, dass es nicht einmal große Beachtung fand. Denn wiederum wurde gestern nur ein Verlaufshoch erreicht, das noch in der Sitzung relativiert wurde. Auch heute sind wir zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe erst einmal mit einer weiteren schwarzen Kerze konfrontiert. Das sieht nicht nach Optimismus aus. Im Gegenteil: Die hohen Kurse scheinen als willkommene Verkaufsgelegenheit wahrgenommen zu werden. Insofern ist auch die an sich gute Umsatztätigkeit zu relativieren. Mit dem Kursgeschehen dieser Woche etabliert sich der Bereich von rund 15.500 Punkten immer mehr als harter Widerstandbereich. Falls dieser doch nachhaltig geknackt wird, muss mit einer Dynamisierung des Kursgeschehens nach oben gerechnet werden. So weit sind wir allerdings noch nicht.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute noch einmal über den Fortgang der Ereignisse bei Solutions 30. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit

Bei Solutions 30 ist man weiter auf der Suche nach Lösungen, die einen Weg aus den aktuellen Turbulenzen weisen. Ob der Bitcoin eine Lösung gegen die massive Inflationierung der Fiatgeld-Systeme ist, muss sich ebenfalls erst noch zeigen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

Smart Investor 6/2021:

Titelstory: Warren und die Copycats

Lieferketten: Ohne Input kein Output

Ungarn: Bodenständig und modern

Healthcare: Biotechnologie beflügelt den Sektor

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier oder ein Derivat darauf wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Smart Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

Abonnements:
Unsere Smart Investor Abonnements finden Sie hier.

Das Magazin:
Das aktuelle Smart Investor Magazin finden unsere Abonnenten hier.

E-Mail-Versand:
Sollten Sie den E-Mail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine E-Mail mit dem Betreff “Abbestellen des SIW” an
weekly@smartinvestor.de.

Unsere Datenschutzerklärung finden sie hier.

Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

UNSERE EMPFEHLUNGEN