Value, Growth und Gold

Titelbild: © Costello77 – stock.adobe.com

ARTIKEL TEILEN

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on email
Email

Wer schlägt wen, und wer wurde geschlagen?

Alter Streit

Wie wir zuletzt an dieser Stelle schrieben, sind sich Börsianer selten in einer Sache einig. Das muss auch so sein, weil es zu jedem Kauf einen Verkauf, zu jeder These eine Antithese gibt. Selbst dort, wo eine regelrechte Stampede durch die Wallstreet walzt, gibt es immer auch jene, die sich mutig entgegenstellen – gelegentlich um den Preis einer blutigen Nase. Insofern kann es auch nicht verwundern, dass der alte Streit zwischen Value und Momentum noch immer nicht entschieden ist – und wohl auch nie entschieden wird. Auf die Frage, ob Value besser als Growth ist, hätte der fiktive Sender Radio Eriwan wohl geantwortet: Im Prinzip ja, außer Growth geht durch die Decke. Und genau das war über viele Jahre der Fall. Erst wenn man aus der aktuellen, und historisch sehr ungewöhnlichen Situation herauszoomt, erkennt man wieder die langfristige Stärke der Value-Anlagen. Auch die Märkte selbst scheinen sich in dieser Hinsicht gerade auf eine Rückkehr zur Normalität zu besinnen, denn seit einigen Monaten konnten Value-Titel die Growth-Aktien wieder deutlich outperformen.

Rückkehr zur Normalität?

Die Frage, ob wir erneut an der Schwelle zu einem Paradigmenwechsel bei der Aktienanlage stehen, erschien uns so interessant, dass wir uns dem Thema in der Titelstory des neuen Smart Investor 7/2021, der zum Wochenende erscheint, aus verschiedenen Blickwinkeln genähert haben: „Value-Revival – Rückkehr zur Normalität?“ Dabei betrachten wir nicht nur die Historie, der zu folge Value – trotz jahrelanger Unterperformance – der Growth-Strategie noch immer langfristig überlegen ist. Denn auch die beharrliche Überperformance der Growth-Aktien während der vergangenen Jahre hat viele Fragen aufgeworfen und zu einigen interessanten Erklärungsversuchen geführt. Tatsächlich waren und sind einige Rahmenbedingungen sehr bemerkenswert, um nicht zu sagen, historisch einmalig: Neben der anhaltenden Niedrigzinspolitik profitier(t)en die Growth-Titel insbesondere von gewaltigen Innovationssprüngen in den Bereichen Digitalisierung, Robotik, Virtual Reality, etc. Die Growth-Anomalie war also deutlich besser fundiert, als jene Marktentwicklungen, die sich dynamisch verselbständigen und mit dem lakonischen Hinweis abgetan werden, dass diesmal eben alles anders sei.

Inflation trifft Aktien

Ebenfalls eine neuere Entwicklung ist das weltweite Wiederaufleben der Inflation. Im Moment herrscht allerdings Uneinigkeit, wie nachhaltig diese Preisanstiege sein werden. Von Notenbankseite wird Entwarnung gegeben: Es handle sich im Wesentlichen um ein vorrübergehendes Phänomen. Ursächlich seien demnach die Wiedereröffnungen nach den Lockdowns mit Nachholbedarf der Konsumenten bei nach wie vor angespannten Lieferketten und Produktionsausfällen. Dazu kämen noch Basiseffekte, die mit der Zeit ohnehin wieder aus den Datenreihen herausfallen werden. Es ist durchaus plausibel, dass schlagartige Nachfrageerhöhungen, die auf beschädigte Wirtschaftsstrukturen stoßen, Engpässe und Preissteigerungen auslösen. Und es ist auch plausibel, dass diese Effekte nicht nachhaltig sein werden, weil es die gestiegenen Preise selbst sind, die Impulse für ein Hochfahren der Produktion und eine parallele Zurückhaltung der Nachfrager setzen. Allerdings ist durch die diversen Rettungsmaßnahmen so viel frisches Zentralbankgeld in die Welt gepumpt worden, dass schwer vorstellbar ist, wie dieses Geld nicht zu Preissteigerungen führen sollte. Das ist insofern bedenklich, als es diesmal wohl nicht allein die Kapitalmärkte sein werden, die die Liquidität absorbieren. Allerdings muss Inflation auch nicht per se schlecht für Aktien sein. Welche Aktiengruppe davon sogar überproportional profitiert, lesen Sie ebenfalls im neuen Smart Investor 7/2021.

Regelbasiert entscheiden

Auf die eingangs gestellte Grundsatzfrage „Value oder Growth?“ lassen sich allerdings auch andere Antworten finden. So muss man gar nicht in eine möglichst lange Historie zurückblicken, um ein für alle Mal die überlegene Strategie zu finden. Denn diese Historie zeigt deutlich, dass auch die per Saldo bessere Strategie über lange Jahre unterlegen sein kann. Was liegt also näher, als immer wieder aufs Neue zu prüfen, welche Strategie zu den vorherrschenden Märkten am besten passt? Soll diese Grundsatzentscheidung regelgebunden erfolgen, ist dies ein Fall für sogenannte Handelssysteme, mit denen man etwa die Relative Stärke von Value- und Growth-Indizes zur Signalgenerierung verwenden könnte. Allerdings gibt es bei der Entwicklung von Handelssystemen einiges zu beachten, wie wir immer wieder im Smart Investor herausgearbeitet haben. In der Juli-Ausgabe geht es um die Fundamente in Form von zuverlässigen Daten und die richtige Vorgehensweise bei der Erstellung sogenannter Backtests.

Zu den Märkten

Wenn über ein Anziehen der Inflation auch nur laut gedacht wird, fällt Anlegern normalerweise sehr schnell das Gold ein. Doch diesmal lag der Fall ein wenig anders. Zwar profitierten die Edelmetalle tatsächlich von der Erwartung auf anziehende Verbraucherpreise, mit der Veröffentlichung der spektakulären Zahlen war die Luft nach oben dann aber erst einmal raus. Und dabei sollte es nicht bleiben. Denn es war die Fed selbst, die dem Goldpreis dann noch einen echten Dämpfer verpasste. Die sogenannten „Dot Plots“ sind eine Zusammenfassung von Wirtschaftsprognosen einzelner Fed-Vertreter. Was sie dagegen nicht sind, ist eine Zielgröße der Fed-Politik oder gar ein Szenario, auf das man sich geeinigt hätte. Allerdings konnte man aus diesen notorisch unzuverlässigen Schätzungen positive Wachstumsaussichten herauslesen, die über einen Zwischenschritt letztlich auch zu Panikverkäufen an den Gold-Terminmärkten führten. Welcher Zwischenschritt das war und welche Zeitreihe wieder in eine enge inverse Korrelation mit dem Gold eingemündet ist, lesen Sie in Smart Investor 7/2021 auf Seite 43.

Beim DAX sind wir bereits seit einigen Wochen zurückhaltend. Zwar erzielte der Markt immer wieder neue Allzeithochs, Dynamik aber geht anders. Im Ergebnis zeigt sich ein keilförmiger Anstieg, der negativ zu interpretieren ist, begleitet von einer vergleichsweise niedrigen Volatilität, die diesen Mangel an Dynamik im Aufwärtsgang unterstreicht. Wir hatten auf diesen Zusammenhang schon in der Vorwoche hingewiesen. Dazu kam auch noch der Titelblattindikator, der zuletzt beim SPIEGEL das Börsengeschehen mit einer Kursrakete assoziierte. Ein solches Setup könnte durchaus für einen Rücksetzer gut sein, der auch ins Saisonmuster passen würde. Näheres zu dieser Konstellation lesen Sie ebenfalls im neuen Smart Investor.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über einen Kauf und die Entwicklung in unserem wikifolio „Smart Investor Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Fazit

Im neuen Smart Investor 7/2021 beschäftigen wir uns mit einer Grundsatzfrage unter Aktienanlegern. Freuen Sie sich auf das Wochenende!

Ralf Flierl, Ralph Malisch

Smart Investor 6/2021:

Titelstory: Warren und die Copycats

Lieferketten: Ohne Input kein Output

Ungarn: Bodenständig und modern

Healthcare: Biotechnologie beflügelt den Sektor

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier oder ein Derivat darauf wird zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Publikation oder der Smart Investor Printausgabe von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

Abonnements:
Unsere Smart Investor Abonnements finden Sie hier.

Das Magazin:
Das aktuelle Smart Investor Magazin finden unsere Abonnenten hier.

E-Mail-Versand:
Sollten Sie den E-Mail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter dem Newsletter bzw. schicken uns eine E-Mail mit dem Betreff “Abbestellen des SIW” an
weekly@smartinvestor.de.

Unsere Datenschutzerklärung finden sie hier.

Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

UNSERE EMPFEHLUNGEN