Getagt, beschlossen, verkündet

Titelbild: © CL-Medien – stock.adobe.com

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Über Impfangebote und Daumenschrauben

Politik macht Druck

Die sogenannte Ministerpräsidentenkonferenz gehört nicht gerade zu jenen Veranstaltungsformaten, denen man entgegenfiebert. Gestern tagte dieses Nicht-Verfassungsorgan erneut und beschloss die „Daumenschrauben“ für jene anzuziehen, die das „Impfangebot“ der Regierung bislang noch nicht angenommen haben. Damit reiht sich die Politik nun endgültig bei jenen Organisationen ein, deren „Angebote“ man nicht ohne weiteres ablehnen kann. Sachlich ist die neue Differenzierung zwischen Geimpften und Ungeimpften nur schwer nachzuvollziehen, da beide nicht nur Virusträger, sondern auch Virusüberträger sein können. Entsprechend kann ein ungetesteter Geimpfter, der sich womöglich auch noch sorgloser verhält, durchaus ein höheres Risiko darstellen als ein negativ getesteter Ungeimpfter. Das sieht man besonders deutlich an den sogenannten „Impfdurchbrüchen“, wie sie derzeit massenhaft in Israel und Island zu beobachten sind, beides Länder mit sehr hohen Impfquoten. Das vorherrschende Narrativ einer herbeiimpfbaren Herdenimmunität bekommt Risse.

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Fortsetzung der Impfpolitik mit anderen Mitteln

Aber um unaufgeregte Logik schien es gestern auch gar nicht gegangen zu sein. Ziel war es, der ins Stocken geratenen Impfkampagne auf Biegen und Brechen neues Momentum zu verleihen. So wurde auch gar kein Hehl daraus gemacht, dass es bei den Beschlüssen darum ging, den Druck zu erhöhen. Denn zig Millionen Bürger nahmen das Angebot noch immer nicht an, obwohl man sie mit einer Mischung aus Horrorszenarien und Gratis-Bratwürsten beständig in diese Richtung drängt. Dabei ist der deutsche Weg keineswegs der einzig denkbare: Während Schweden bereits von Anfang an eine andere Strategie verfolgte, dividieren sich in der Sache auch andere europäische Länder immer weiter auseinander. Während Frankreich eine ähnlich rigide Politik wie Deutschland verfolgt, was zu anhaltenden Massenprotesten führte, sind Großbritannien, Dänemark und nun auch Norwegen auf dem Weg zur Lockerung bzw. zur völligen Aufhebung aller Maßnahmen.

Sand im Getriebe

Uns interessieren an dieser Stelle vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen der bisherigen und der jetzt beschlossenen Maßnahmen. Natürlich sind diese weiter Sand im Getriebe der realen Wirtschaft, die ja oft genug – und glücklicherweise – immer noch daraus besteht, dass Menschen mit Menschen zusammentreffen. In einigen Branchen ist die Zusammenarbeit naturgemäß intensiver als in anderen, aber längst nicht jeder verbringt sein Arbeitsleben in einer Telearbeitswabe. Seit den ersten Lockdowns begleitet uns das Thema, dass phasenweise bestimmte Dienstleistungen nicht mehr erbracht und bestimmte Waren nicht mehr an den Mann gebracht werden können. Die parallel erfolgte Aufblähung der Geldmengen bei einer gestörten Realgütersphäre aus verordneten Nachfrageausfällen, Lieferengpässen und Lieferkettenabrissen schlug erwartungsgemäß auf die Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus durch, das sich inzwischen so deutlich wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr erhöht hat.

Spaltung vorangetrieben

Mit dem gestrigen Tag wird für Deutschland nun aber ein Trend in Richtung auf eine Zweiteilung der Gesellschaft gesetzt, ganz so als ob diese nicht bereits ohnehin tief zerstritten wäre. Zwar müssen alle ab Mitte Oktober Corona-Tests selbst bezahlen, benötigt werden diese aber erst einmal (!) vor allem von den Ungeimpften. So gesehen haben die Ungeimpften ceteris paribus eine andere, und erhöhte Inflationsrate, weil sie nach dem Willen der ominösen Ministerpräsidentenkonferenz künftig auch bei manchem Alltagskonsum zusätzlich mit Testkosten belastet werden. Recht geschieht ihnen, tönen einige, denn schließlich erfolgt der Verzicht auf das „Impfangebot“ ja freiwillig.

Entsolidarisierung, aber richtig!

Natürlich scheut man sich aus gutem Grund, dieses Scheinargument zu Ende zu denken: Egal ob Raucher, Junkfood-Junkies, Motorradfahrer oder Gleitschirmflieger, sie alle sind nicht Opfer eines unvermeidbaren Schicksals, sondern frönen Ihren Hobbies und Lastern mehr oder weniger freiwillig. Wenn wir mit den Beschlüssen des gestrigen Tages also in die Entsolidarisierung des Gesundheitswesens einsteigen, dann machen wir es doch bitte gleich richtig. Nebenbei bemerkt gibt es dann für Ungeimpfte auch keinen Grund mehr, den Impflingen noch einen weiteren Schuss zu finanzieren. Möglicherweise werden die Entscheidungen der Einzelnen sogar rationaler, wenn sie transparent die Kosten und (!) Folgekosten ihrer Entscheidungen erfahren und extra versichern bzw. direkt bezahlen müssen. Allerdings sieht es gar nicht danach aus, als ob die Politik an rational entscheidenden Bürgern wirklich ein gesteigertes Interesse hätte, sonst würde sie diese eben so umfassend und neutral wie nur möglich aufklären, statt sie mit Gratis-Bratwürsten an die Nadel zu bekommen.

#Testpflicht vs. #Testboykott

Eine erste Reaktion in den sozialen Medien – man nennt es wohl Shitstorm – zeigte, dass man die Maßnahmen aber wohl nicht ceteris paribus rechnen kann. Viele empörten sich über die Ausgrenzung und setzten dem Hashtag #Testpflicht den Hashtag #Testboykott entgegen. Zwar wird sich die erste Aufregung sicher legen, aber sollten auch nur ein Teil der aktuell rund 30 Millionen betroffenen Menschen den Konsum bewusst für eine Weile drosseln, dann hätte das erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. Wenn die Kunden ausbleiben, kann dies sogar wieder die Preisspirale anheizen, weil etwa Restaurants, die zur Hälfte leer sind, ansonsten kaum rentabel zu betreiben sind. Dass steigende Preise weitere Kunden vergraulen werden, versteht sich von selbst.

Interventionsspirale gegen Gesichtsverlust

Andererseits wird der Druck der Politik massenhaft zu kreativen Vermeidungsstrategien führen: Neue Geschäftsmodelle, neue Strukturen, neue Vernetzungen. Derartige Ausweichreaktionen auf einen, als ungerecht empfundenen Druck sind nur allzu menschlich. Da die Politik sich aber ganz grundsätzlich schwertut, einmal begangene Fehler einzugestehen, wird sie die Interventionsspirale vermutlich noch weiter drehen wollen. Auf gut Deutsch: Sie hat sich längst verrannt. Schwer vorstellbar, wie die heute so prominent Agierenden aus der Sache ohne Gesichtsverlust wieder herauskommen wollen.

Verfünfundzwanzigfacht

Natürlich ist auch die Impfkampagne nicht umsonst. Am deutlichsten sieht man das hierzulande vielleicht an den Aktien des Impfstoffentwicklers BioNTech, die sich seit der Erstnotiz mehr als verfünfundzwanzigfacht haben. Dabei ist das Papier erst seit Oktober 2019 an der Börse, kam also pünktlich zum Start der Pandemie an den Markt. Solange das Geschäft derart reichlich Rückenwind aus der Politik hat, sind die Einnahmen gesichert, zumal nach den jüngst geleakten Geheimverträgen des Partnerunternehmens Pfizer jegliches Haftungsrisiko ausgeschlossen ist. Dabei fällt es nicht einmal ins Gewicht, dass das Produkt lange nicht hält, was anfänglich versprochen wurde. Im vorerwähnten Israel geht man nach jüngsten Presseberichten sogar nur noch von einer Wirksamkeit von 39% gegen die aktuelle Delta-Variante aus. Aber je schneller die Impfung ihre Wirkung verliert, desto eher kommt man in ein regelrechtes Impf-Abo mit ständigen Boostern und Auffrischungen, die die Kasse erneut klingeln lassen. Zuletzt haben sogar BioNTech und Konkurrent Moderna praktisch zeitgleich auch noch kräftig die Preise erhöht. In einer Marktwirtschaft wäre das eigentlich ein Fall für das Kartellamt, aber wer fragt danach, wenn die EU selbst Vertragspartner ist?!

Wasserdicht mit Risiken

Das Geschäftsmodell von BioNTech ist also tatsächlich ziemlich wasserdicht, allerdings beinhaltet es auch einige spezifische Risiken. Die Wirksamkeit des Impfstoffs könnte bei künftigen Varianten so sehr nachlassen, dass eine Risikoabwägung gegen die Impfung spricht. Auch könnten konkurrierende Impfstoffe, insbesondere traditionelle Impfstoffe auf den Markt kommen, für deren grundsätzliche Wirkweise mehr Erfahrungen vorliegen und die von einem größeren Teil der Menschen bevorzugt werden. Zudem könnten echte Heilmittel eine Zulassung erhalten, wodurch für viele eine Impfung dann nicht mehr die erste Wahl in der Corona-Bekämpfung wäre. All das sind Risiken von jungen, disruptiven Technologien. Schließlich besteht das „Risiko“, dass auch die Corona-Pandemie selbst irgendwann in vergleichsweise harmlose Varianten ausläuft. Auf der Kundenseite ist die Abhängigkeit von wenigen staatlichen Auftraggebern zu nennen. So machte letzten Monat Singapur eine 180-Grad-Wende: Man müsse lernen, mit Corona wie mit der Grippe zu leben, heißt es dort nun. Eine Einschätzung, die nicht aus einer Bananenrepublik stammt, sondern von einem Land, das nicht nur in der Pandemiebekämpfung als eines der Musterländer gilt.

Musterdepots & wikifolio

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Fazit

Nie war die Corona-Politik so gespalten wie heute, während Frankreich und Deutschland die Bürger durch Repressalien zur Annahme der „Impfangebote“ drängen wollen, werden in anderen Ländern immer mehr Corona-Maßnahmen ersatzlos gestrichen. Welcher Weg erfolgreicher ist, wird sich in der nächsten Corona-Saison zeigen – falls wir darüber ehrliche Statistiken erhalten.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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