Tech-Revival?

Titelbild: © i-picture – stock.adobe.com

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Fantasie treibt Kurse

Business as usual

Nahezu unbeirrbar scheinen sich die Aktienmärkte immer weiter nach oben zu schrauben. Auch die letzte Korrektur wurde einmal mehr zügig als Nachkaufgelegenheit identifiziert und entsprechend genutzt.  Zwar erlitten einzelne Aktien, beispielsweise aufgrund enttäuschenden Quartalszahlen oder allfälliger Sonderthemen, Rückschläge, die Indizes selbst ließen sich dadurch aber nicht aus der Spur bringen. Nicht einmal ein geopolitisches Erdbeben wie der überhastete Rückzug der USA und ihrer Verbündeten aus Afghanistan, konnte die Märkte irritieren. Wenn man bedenkt, welche Unruhe weltpolitische Ereignisse an den Börsen stiften können, ist die Reaktion diesmal bemerkenswert gelassen. Obwohl die westliche Führungsmacht in einer Art gedemütigt wurde, die eigentlich nur mit dem traumatischen Rückzug aus Vietnam vergleichbar ist, wurde einfach zur Tagesordnung übergegangen.

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Inflation und Aktien

Es muss also derzeit eine übergeordnete Kraft am Werke sein, die sich immer dann durchsetzt, sobald der Börsenmotor ins Stottern zu geraten droht. Damit ist nun keine geheimnisvolle Macht im Hintergrund gemeint, sondern schlicht jener übergeordnete Rahmen, der intensiv auf das Verhalten der Anleger einwirkt und dabei auch geopolitische Großereignisse in den Hintergrund drängen kann. An erster Stelle steht dabei mit den Notenbanken eine sehr weltliche Macht, die mit überreichlicher Geldversorgung die Corona-Politik der Regierungen flankieren. Und dieses Geld sucht nach Anlage- oder zumindest Parkmöglichkeiten. Eine Suche, die durch den Anstieg der Inflationsraten nicht gerade leichter geworden ist. Zwar ist der Zusammenhang zwischen Inflation und Aktienkursentwicklung historisch eher negativ, diese Beobachtungen stammen allerdings aus einer Zeit, als die Notenbanken noch ihr ganzes Arsenal nutzten, um die Inflation in Schach zu halten oder gar niederzuringen. Die heutige Inflationsbekämpfung – und das wissen die Marktteilnehmer – beschränkt sich dagegen im Wesentlichen auf Verbalinterventionen und einige symbolische Mini-Zinsschritte.

Gut gefüllte Seitenlinien

Von dieser Seite besteht also weiter grünes Licht für Aktien. Auch ist die Stimmung im Moment nicht gerade überschäumend. Das über weite Strecken kraftlos wirkende Hochkriechen der Indizes löst zumindest keine Begeisterungsstürme aus. Patrick Hussy von sentix spricht im neuen Smart Investor 9/2021, der zum Wochenende erscheint, sogar von einer „Sommerlethargie“ beim DAX. Dennoch sieht er aufgrund der unterschiedlichen Investitionsgrade von Privaten und Institutionellen eine potenziell nicht ungefährliche Situation. Auch wir halten einen Abverkauf, gerade im Hinblick auf den nun anstehenden September, der zu den schwierigsten Börsenmonaten überhaupt gehört, für möglich. Verlassen sollte man sich aber nicht darauf, dass die Märkte in absehbarer Zeit noch einmal attraktive Einstiegschancen eröffnen werden. Dazu ist nämlich wohl doch viel zu viel billiges Geld im Umlauf, das an den Seitenlinien auf Schnäppchenkurse wartet.

Value vs. Growth

Eine weitere Entwicklung ist bemerkenswert: Growth-Aktien scheinen ihre im August 2020 begonnene Schwächephase nach rund einem Dreivierteljahr beendet zu haben. In der Abb. ist der Russel 1000 Growth Index (oben) und das Verhältnis dieses Index zum Russel 1000 Value Index (unten) dargestellt. Obwohl beide Indizes seit dem Corona-Crash im Februar/März 2020 praktisch kontinuierlich gestiegen sind, zeigt der Spread-Chart, dass es auf diesem Weg einen gut sichtbaren Favoritenwechsel gab. Wir interpretieren das so, dass die Anleger nach der rasanten Bergfahrt der Growth-Titel seinerzeit verstärkt in die deutlich zurückgebliebenen Value-Aktien umgeschichtet hatten, wohl auch, weil ihnen die erreichten Höhen nicht mehr ganz geheuer waren. Zwar stiegen die Growth-Aktien auch danach weiter an, doch zeigt der Spread-Chart im unteren Teil der Abbildung, dass sie sich dabei den Value-Titeln geschlagen geben mussten.

Nur eine Edel-Parkposition?

Je länger diese Relativbewegung anhielt, desto mehr setzte sich am Markt die Auffassung durch, dass hier eine grundlegende Neubewertung der über Jahre vernachlässigten Value-Aktien stattfinden könnte. So plausibel diese Argumentation war, seit Juni 2021 bekommt sie deutliche Risse. Denn da setzten die Growth-Aktien erneut zum Spurt an – und verwiesen das Thema „Value“, wie gewohnt, auf die Plätze. Eine mögliche Interpretation könnte sein, dass „Value“ nur als eine Art Edel-Parkposition gespielt wurde. Der Growth-Sektor war bereits heiß gelaufen, gänzlich verabschieden wollten sich viele aus dem steigenden Aktienmarkt aber wohl dennoch nicht und suchten entsprechend nach möglichen Kandidaten für eine Titelrotation. Als Folge wurden Value-Aktien tatsächlich populärer und entwickelte schließlich sogar echtes Momentum.

Wo sind die Chips?

Dass die Value-Anlagen dann aber doch wieder aus dem Fokus der Anleger verschwanden, könnte auch mit einer neuen Anlegergeneration zu tun haben. Diese wartet nicht mehr geduldig, bis der Markt die Unterbewertung ihrer Aktien aufdeckt, sondern sucht unmittelbar nach Storys, die nur so vor Wachstums- und Ertragsfantasie strotzen. Und genau solche Storys sind im Growth-Segment haufenweise vertreten. Insbesondere in den Bereichen Hightech und Biotechnologie finden sich immer wieder Aktien, deren Kurse sich scheinbar mühelos vervielfachen. Oft kommt dann als Treibsatz auch noch ein aktuelles Thema dazu, durch das schlagartig das Potenzial einer ganzen Branche beleuchtet wird. Derzeit sind es beispielsweise die Nachrichten über vorübergehende Produktionsstillegungen aufgrund fehlender Computerchips, die die starke Stellung der Chipproduzenten ins Rampenlicht gerückt haben. Davon sollte beispielsweise auch unser Musterdepotwert Micron Technologies weiter profitieren.

Es grünt so grün …

Auch grüne und nachhaltige Anlagen gehören zu den Wachstumsthemen, auch wenn der Rückenwind hier eher politisch-gesellschaftlicher Natur ist. Im neuen Smart Investor 9/2021 haben wir uns einmal intensiver mit nachhaltigem Investieren, Ökoaktien und den sogenannten ESG-Kriterien bei der Aktienanlage beschäftigt und einige echte Perlen gefunden. Aber sowohl die wachsende staatliche Einflussnahme auf die Entwicklung der Wirtschaft als auch die immensen Geldmengenausweitungen durch die Notenbanken haben eine Schattenseite: Im Glauben an die Machbarkeit und Steuerbarkeit entfernen wir uns immer weiter von den Konzepten der Marktwirtschaft und gleiten dabei schleichend in Sozialismus und Befehlswirtschaft. Nach der Definition von Altbundeskanzler Helmut Kohl wäre Deutschland mit einer Staatsquote von mehr als 50% schon im letzten Jahr im Sozialismus angekommen. Warum der Sozialismus, egal welcher Couleur, eine richtig schlechte Idee ist und wie sich unsere Leserdiskussion um den dritten Weg weiterentwickelt hat, das lesen Sie in der Titelgeschichte des neuen Smart Investor 9/2021.

Eilsache: Petition für Anleger!

Nur noch bis zum 30. August haben Anleger die Möglichkeit, die Petition 124097 „Einkommensteuer: Rücknahme der Änderung in § 20 Absatz 6 EStG vom 06.06.2021“ mitzuzeichnen. Durch die Änderung des § 20 Absatz 6 EStG ist es ab dem Jahr 2021 nämlich nur noch möglich, realisierte Verluste aus Termingeschäften im Privatvermögen mit gleichartigen Gewinnen bis maximal 20.000 Euro jährlich steuersparend zu verrechnen. Dies führt nicht nur zu einer unterschiedlichen steuerlichen Behandlung von Verlusten und Gewinnen. Auch die Anrechenbarkeit von Verlusten über verschiedene Anlageklassen hinweg wird dadurch verschlechtert. Schließlich wird durch die Neuregelung die Komplexität bei der Besteuerung von Kapitalerträgen weiter erhöht. Fast scheint es, als wolle der Gesetzgeber Privatanleger ganz grundsätzlich aus Termingeschäften herausdrängen. Damit sind selbst konservative Absicherungsstrategien im Privatvermögen künftig steuerlich benachteiligt. Auch wenn Sie selbst vielleicht nicht in diesem Bereich tätig sind, geht es doch darum, hier ein Zeichen gegenüber einem zunehmend willkürlich und übergriffig agierenden Gesetzgeber zu setzen, der sich anmaßt zwischen „guten“ und „schlechten“ Einkommensarten zu unterscheiden. Bislang haben rund 7.100 Petenten unterzeichnet. Für das Quorum werden 50.000 Unterschriften benötigt. Jede Stimme zählt, machen Sie bitte mit!

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

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Fazit

Growth ist gut, Sozialismus schlecht und der brandneue Smart Investor 9/2021 erscheint zum Wochenende.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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