And the Winner is …

Titelbild: © Kathrin39 – stock.adobe.com

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Nach der Wahl ist vor der Entscheidung

Feind, Erzfeind, Parteifreund

Obwohl die Bundestagswahl 2021 hinter uns liegt, ist weiter unklar, welche Parteienkoalition das Land künftig regieren wird. Zumindest bei der Kanzlerschaft dürfte die Sache relativ klar sein. Die läuft nach einem fulminanten Schlussspurt auf Olaf Scholz (SPD) zu. Zwar wäre rechnerisch auch eine sogenannte Jamaika-Koalition (Schwarz, Grün, Gelb) unter Führung von CDU/CSU möglich, aber es ist die Union selbst, die bereits mit der Demontage des glücklosen Armin Laschet begonnen hat. Die politische Steigerung „Feind, Erzfeind, Parteifreund“ bewahrheitet sich gerade einmal wieder im Innenverhältnis der beiden Schwesterparteien. Während am Sonntag noch zähneknirschende Einigkeit demonstriert wurde, starteten am Montag bereits erste Angriffe über Bande und am Dienstag wurde auch CSU-Chef Söder konkret. Politisch höchst unwahrscheinlich also, dass der schwer angeschlagene Laschet noch Kanzler werden kann, auch wenn dies rechnerisch möglich wäre.


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Projektionsfläche für Neuanfang

Laschet war nicht nur glücklos, es fehlte ihm auch an Rückenwind, etwa durch die Kanzlerin, der es sichtbar egal war, was nach ihr aus „ihrer“ CDU wohl werden würde. Dazu bekam er ordentlich Gegenwind, der nur zum Teil selbstverschuldet war. Die Präferenz der medialen Meinungsführer zeigte sich auch am Umgang mit Scholz: Dessen, mit Skandalen gespickte Vita (Cum-Ex, Wirecard, FIU, G20-Gipfel etc.) wurde nicht weiter thematisiert, was ihn zur Projektionsfläche für einen Neuanfang machte, obwohl er seit Jahren der wichtigste Minister der alten Regierung ist. Auch wenn die Fortführung der GroKo – dann allerdings unter umgekehrten Vorzeichen – so beharrlich ignoriert wird, ist sie neben der derzeit hoch gehandelten „Ampel“ (Rot, Grün, Gelb) durchaus eine nicht ganz unwahrscheinliche Option.

Feuer und Wasser

Denn schon nach der 2017er Wahl waren Versuche, ein Jamaika-Bündnis auf Bundesebene zu schmieden, gescheitert. Das liegt zum einen daran, dass Vier-Parteien-Bündnisse – CDU und CSU zählen wir als zwei Parteien – grundsätzlich schwerer unter einen Hut zu bekommen sind als Drei-Parteien-Bündnisse. Die eigentliche Hürde dürfte jedoch inhaltlicher Natur sein. Denn die Kombination FDP und Grüne ist eigentlich wie Feuer und Wasser und würde nur funktionieren, wenn eine der beiden Parteien sich von ihrem ureigensten Politikverständnis verabschieden würde. Der von den Grünen propagierte „klimagerechte Umbau“ des Landes ist nichts anderes als eine grün gefärbte Umverteilungspolitik gigantischen Ausmaßes, die nicht nur extrem teuer ist, sondern das Geld genau dort holen will, wo die Stammwählerschaft der FDP sitzt. Will die FDP ihrem Markenkern als Partei der Leistungsträger mit hoher Wirtschaftskompetenz treu bleiben, muss sie Steuererhöhungen kategorisch ablehnen, zumal sich dies vor dem Hintergrund des deutschen Höchststeuerlandes schon jetzt plausibel argumentieren lässt.

Blaues Auge

Die Anleger könnten bei dieser Wahl also noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen sein, auch wenn es sich – je nach konkreter Ausgestaltung – durchaus tiefblau färben könnte. Die potenziell eigentums- und leistungsfeindliche Regierungskombination Rot-Grün-Rot, die Scholz auch auf Nachfrage nie ausgeschlossen hatte, konnte jedenfalls keine rechnerische Mehrheit erreichen. Auch der Versuch der Grünen, aus der Bundestagswahl eine „Klimawahl“ zu machen, ist gescheitert. Rund 85% der Wähler haben sich – trotz überwältigender Medienpräsenz – gegen diese Partei und ihre Kanzlerkandidatin entschieden. Schließlich wird jeder möglichen Koalition mindestens eine der tendenziell wirtschaftsfreundlicheren Parteien CDU/CSU oder FDP angehören müssen. Insofern wäre auch die Oppositionsrolle für CDU/CSU keine Katastrophe: Nach 16 Jahren könnte dies für den lange überfälligen inhaltlichen und personellen Neuanfang sowie eine Schärfung des Parteiprofils in der Oppositionsarbeit sorgen. Der DAX hat auf das Wahlergebnis am Montag (vgl. Abb. 1, grüne Linie) erst einmal positiv reagiert. Dass es dann letztlich doch anders endete und es gestern sogar zu einer kalten Dusche kam, hat mit innerdeutscher Politik nichts zu tun (siehe unten).

Einfach nur Kopfschütteln

Im Windschatten der Bundestagswahl fanden auch noch Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Berliner Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ statt. Erschreckend für Anleger dürfte sein, dass sich mit 56,4% die absolute Mehrheit für die „Vergesellschaftung“ rund jener 240.000 Wohnungen ausgesprochen hatte, die sich im Eigentum großer Wohnungsbaukonzerne wie Deutsche Wohnen oder Vonovia befinden. Die Aktienkurse beider Unternehmen – vgl. Abb. 2, Deutsche Wohnen (blau), Vonovia (orange) – reagierten am Montag dennoch gelassen, weil das Ganze vermutlich nicht sonderlich ernst genommen wird, was man den Anlegern auch nicht ganz verübeln kann. Denn nach deutschem Recht bedeutet „enteignen“ eben (noch?) nicht „einfach wegnehmen“. Vielmehr ist eine Entschädigung zu leisten, und über deren Höhe wird im Zweifel vor Gericht gestritten werden. Die Initiatoren hinter dem Volksentscheid rechneten mit Entschädigungskosten von 7,3 bis 13,7 Mrd. EUR – eine gewaltige Streubreite, und eine Summe, die das Land Berlin gar nicht hat. Sogar der rot-rot-grüne Senat, der durchaus nicht in Fundamentalopposition zu der Initiative stand, rechnete mit 29 bis 39 Mrd. EUR – eine Summe, die Berlin erst recht nicht hat. Wenn man eine Durchschnittsgröße Berliner Wohnungen von 70 qm unterstellt, die so von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angegeben wird, dann läge die Entschädigungshöhe zwischen knapp 500 und gut 800 EUR pro Quadratmeter Wohnraum. Das ist zwar fernab von jeder Berliner Realität, für 56,4% der Berliner Stimmbürger war es aber wohl dennoch realistisch genug.


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Zu den Märkten

Dass die Erleichterung nach den Wahlen für Aktionäre nur kurz währte, hatte allerdings nichts mit hausgemachten Problemen zu tun. Vielmehr schwappte die Unsicherheit aus den USA herüber, wo US-Finanzministerin Janet Yellen insbesondere den Republikanern im Kongress mit drastischen Worten die Leviten gelesen hatte. Gelänge es nicht, sich auf eine neuerliche Anhebung der sogenannten Schuldenobergrenze zu einigen, drohe den USA am 18. Oktober die Zahlungsunfähigkeit. Tatsächlich begrenzt diese Obergrenze das Wachstum der Schulden nicht. Denn seit ihrer Einführung wurde sie noch jedes Mal, nach mehr oder weniger zähen Verhandlungen, weiter angehoben. Insofern ist es ein bisschen überraschend, wie verschnupft die Märkte auf ein Ritual reagierten, dass sich schon mehr als 80mal wiederholt hat.

Besonders heftig fiel die Reaktion im NASDAQ-100 aus, der in weniger als zwei Wochen nicht nur zwei Abwärts-Gaps aufweist (vgl. Abb. 3, rote Rechtecke), sondern nun auch aus der Keilformation nach unten ausgebrochen ist (vgl. Abb. 3, rote Linien). Sogar die Umsatzentwicklung unterstreicht das schwache Bild, zogen die Umsätze doch jeweils an den besonders schwachen Tagen deutlich an. Von der unteren Keilbegrenzung hat sich der Index inzwischen fast 1.000 Punkte nach unten entfernt. Zwar sind nach solchen heftigen Abverkäufen jederzeit stärkere Gegenbewegungen möglich, insgesamt sieht das Ganze aber stark nach einem, zumindest lokalen Hoch aus.

Für Value-Fans

Weniger rund als bei den Highflyern der Growth- und Tech-Aktien geht es bei klassischen Value-Unternehmen. Wir dürfen Ihnen an dieser Stelle die Aufzeichnung eines Webinars mit Gunter Burgbacher von unserem Kooperationspartner VVO Haberger empfehlen, der sich dort intensiv mit börsennotierten Beteiligungsgesellschaften auseinandersetzt. Dazu gehört nicht nur Warren Buffetts Berkshire Heathaway, sondern auch all diejenigen Unternehmen, die erfolgreich in seine Fußstapfen getreten sind. Der von Herrn Burgbacher gemanagte Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen (AFB) ist zudem auch sehr erfolgreich in unserem Fonds-Musterdepot vertreten.


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Anlegermessen und Zeitmesser:

Am 23.10. findet die World of Value Investmentkonferenz im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt am Main in echter Starbesetzung statt: Dort können sie neben Dr. Markus Krall auch Prof. Dr. Christian Rieck und Marc Friedrich live oder im Digitalstream erleben. Nähere Informationen zu den Tickets gibt es auch hier auf der Website des Veranstalters www.worldofvalue.de oder im Smart Investor 10/2021 auf Seite 67.

Auch bei der diesjährigen Watchtime ist Smart Investor Medienpartner. Die Messe findet vom 29. bis 31. Oktober in der Rheinterrasse Düsseldorf statt und hat wiederum einiges für die Liebhaber hochwertiger Uhren zu bieten. Und es lohnt sich, schnell zu sein. Noch sind unter dem Code „WTD21SmartInvestor“ einige kostenlose Tagestickets auf der Website der Watchtime Düsseldorf oder über den Shop von Eventbrite abrufbar.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über zwei erfolgte Transaktionen in unserem Aktien-Musterdepot und über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Um diesen Bereich lesen zu können, müssen Sie Abonnent des Smart Investor Magazins sein und sich auf der Smart-Investor-Website https://www.smartinvestor.de einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@smartinvestor.de an.

Fazit

In der Bundestagswahl hat sich der rot-grün-rote Anlegeralbtraum nicht realisiert. Dass die Welt dennoch ein gefährliches Terrain bleibt, demonstrierte US-Finanzministerin Janet Yellen aber gleich tags darauf.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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