Rote Ampeln

Titelbild: © Aris Suwanmalee – stock.adobe.com

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Politchaos und Inflation

Feuer und Wasser

Innenpolitisch stehen die Zeichen zwar weiter auf Ampel, eine Liebesheirat zwischen FDP und Grünen wird es aber wohl nicht mehr werden. Da kann sich das grün/gelbe Verhandlungsquartett noch so zwanghaft jugendlich vor den Kameras inszenieren, wie inkompatibel die beiden Parteien sind, zeigen wohl am deutlichsten deren eigentliche Jugendorganisationen. Es wäre der Versuch Feuer mit Wasser zu vereinen und dabei im Ergebnis etwas anderes als nasse Asche zu erwarten. Von ihren traditionellen Überzeugungen und Politikansätzen sind beide Parteien maximal weit voneinander entfernt – Freiheit und Selbstverantwortung vs. Gängelung und Bevormundung. Aber vielleicht bewegen sie sich ja doch? Denn mit der Aussicht auf hochbezahlte Ämter gibt es auch Einendes zwischen den Spitzenkräften. Wir dürfen also gespannt sein.


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Tiefer Fall, weiche (Zwischen-)Landung

Durcheinander ist allerdings keine Spezialität der deutschen Politik. So ist in unserem Nachbarland Österreich gerade der tiefe Fall des Sebastian Kurz zu beobachten. Der ehedem jüngste Außenminister und dann jüngste Bundeskanzler der Alpenrepublik wurde einst als „Wunderwuzzi“ der Politik gefeiert, soll aber schon für seinen Einzug ins Kanzleramt tief in die verbotene Trickkiste gegriffen haben. Der Rücktritt war also unvermeidlich. Die schweren Vorwürfe hinderten Kurz freilich nicht daran, unmittelbar das Amt des Klubobmanns des ÖVP-Parlamentsklubs zu übernehmen (entspricht in Deutschland dem Fraktionsvorsitz), um so vorerst die Fäden weiter in der Hand halten zu können. Auch in der EU geht es nicht nur hinsichtlich der zunehmend konträren Strategien zur Corona- und Migrationspolitik drunter und drüber. Groß war zuletzt die Aufregung, als das polnische Verfassungsgericht urteilte, dass Teile des EU-Rechts nicht mit der Verfassung des Landes vereinbar seien. Das oberste polnische Gericht schlug damit einen Pflock ein, wie es bislang kein anderes Verfassungsgericht eines Mitgliedsstaates gewagt hatte. Da es um Grundsatzfragen der Souveränität geht, ist derzeit nicht abzusehen, wie der Konflikt entschärft werden könnte – ob Sanktionsdrohungen der EU-Kommission hilfreich sind, darf bezweifelt werden. Das könnte die Entfremdung zwischen Warschau und Brüssel nur noch weiter vorantreiben und perspektivisch sogar zum zweiten Austritt eines Landes aus der EU führen.

Gelassene Aktionäre

Am polnischen Aktienmarkt sieht man die verschärften Spannungen mit der EU relativ gelassen. In Abb. 1 sehen wir die Relativbewegung des PTX (schwarze Linie) im Vergleich zum DAX (rote Linie). Während die Indizes seit Anfang Juni mehr oder weniger im Gleichklang verliefen, konnte der PTX in den letzten Tagen sogar einen kleinen Sprung nach oben machen. Als Belastung für die Wirtschaft wird der Konflikt derzeit offenbar noch nicht gesehen.

Donnergrollen an der Inflationsfront

Ebenfalls indifferent reagieren die Märkte aktuell auf die immer neuen Hiobsbotschaften von der Inflationsfront. Derzeit kursieren bereits erste Bilder von Tankstellen mit Benzinpreisen oberhalb der magischen Marke von 2,00 EUR. Auch vergeht kein Tag ohne Berichte über zum Teil zweistellige prozentuale Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr, etwa bei Lebensmitteln und Energiepreisen. Zwar werden beide Bereiche bei der Berechnung der sogenannten Kerninflation herausgerechnet, aber für Verbraucher ist beides natürlich unverzichtbar. Wieviel Inflationspotenzial noch in der Pipeline steckt, kann man vielleicht am ehesten an den Erzeugerpreisen ablesen, die im August mit +13,4% bekanntlich erneut zweistellig angestiegen waren und damit an die Raten des Inflationsjahres 1974 heranreichen.

Vorübergehendes Phänomen?

Zwar gibt es in diesen Zahlen mit der seit Anfang des Jahres erhobenen CO2-Steuer von 25 EUR pro Tonne durchaus auch Basiseffekte, an das Phänomen der vorübergehenden Inflation wollen wir dennoch nicht recht glauben. So ist es zwar richtig, dass der Effekt dieser Steuererhöhung zum nächsten Jahreswechsel aus den Jahresraten wieder verschwindet, die Preise wurden aber dadurch dennoch dauerhaft erhöht. Die bloße Betrachtung von Jahresraten führt also hinsichtlich des tatsächlich erlittenen Kaufkraftverlustes in die Irre. Tatsächlich wird zum Jahreswechsel zwar diese Steuererhöhung „unsichtbar“, aber gleichzeitig wird schon die nächste Erhöhung auf 30 EUR pro Tonne CO2 erfolgen und das soll munter so weiter gehen bis im Jahr 2025 ein Wert von 55 EUR pro Tonne erreicht ist. Da Energiepreise in praktisch allen Produkten enthalten sind, ist schon auf diese Weise für kontinuierlichen Preisauftrieb gesorgt.

Energiewendesozialismus

Aktuell gravierender sind die teils explosionsartigen Preissteigerungen für Öl, Gas und Strom an den Märkten und Börsen. In Deutschland hat die scheidende Kanzlerin Merkel mit ihrer Energiewendepolitik zudem das Kunststück fertiggebracht, dass hierzulande nicht nur die höchsten Strompreise des Kontinents bezahlt werden müssen, sondern zusätzlich auch noch die Gefahr eines Blackouts mit jedem Winter realer wird. Hohe Preise bei gefährdeter Versorgungslage, das klingt nicht nur nach Sozialismus – das ist Sozialismus! Was es mit dem Sozialismus und seiner ungebrochenen Attraktivität für bestimmte Bevölkerungskreise auf sich hat, dazu besuchten wie am vergangenen Wochenende die Jahreskonferenz des Ludwig von Mises Instituts Deutschland in München. Freuen Sie sich auf unseren Bericht im nächsten Smart Investor 11/2021.

Ausfallserscheinungen

Ein weiterer Preistreiber sind derzeit die Verspannungen und Verkürzungen der internationalen Logistikketten. In immer mehr Bereichen wird derzeit sichtbar, dass es eine reichlich naive Vorstellung der Politik war, man könne die Wirtschaft – im Rahmen der auch gesundheitspolitisch höchst umstrittenen Lockdown-Politik – einfach aus- und ein paar Monate später wieder anknipsen. In der Zwischenzeit wurden etliche Teile dieses hochkomplexen Gebildes, das wir Weltwirtschaft nennen, so schwer beschädigt, dass sie sich bislang noch nicht wieder eingependelt haben. Man mag darauf hoffen, dass wenigstens einige der Möchtegern-Zentralplaner in der Exekutive und den nachgelagerten Behörden daraus die richtigen Schlüsse ziehen – darauf wetten würden wir aber nicht.

Inflation aus dem Elfenbeinturm

Dem Haupttreiber der Inflation wird dagegen medial nur sehr wenig Beachtung geschenkt – die ultralockere Notenbankpolitik, die sich sogar als Retter inszenierte und nun – weitestgehend handlungsunfähig hinsichtlich einer echten Inflationsbekämpfung – vor dem selbst angerichteten Scherbenhaufen steht. Mit immer neuen Schlagzeilen zu Preissteigerungen scheint sich nun langsam auch in der breiteren Bevölkerung eine echte Inflationsmentalität herauszubilden, die wiederum selbst preistreibend wirkt. Solange sich das frische Geld der Zentralbanken im Wesentlichen über die Anlagemärkte ergoss und die Weltwirtschaft von Überkapazitäten und Preisdruck gekennzeichnet war, durfte man sich reich fühlen. Jetzt, da die beschleunigt schwindende Kaufkraft zur Jagd auf die Gütermärkte bläst, wird man arm.

Zu den Märkten

In dieser Gemengelage müsste doch eigentlich Gold die Anlage der Stunde sein. Zum einen bietet es einen Inflationsschutz in der Form, dass es im Gegensatz zum Papiergeld nicht beliebig vermehrbar ist, zum anderen geht man hier kein Kontrahentenrisiko ein, was insbesondere in wirtschaftlich rauen Zeiten eine positive Eigenschaft darstellt. Zudem ist es, im Gegensatz zu vielen anderen Anlagegütern über Monate vernachlässigt gewesen. Eigentlich ein echtes Goldilocks-Szenario, also die Beste aller Welten. Selbst die leicht anziehenden Zinsen sind angesichts rapide anziehender Inflationsraten kein(!) Problem, weil dadurch die Realverzinsung sogar noch negativer wird, was wiederum positiv für Gold ist. Wir bleiben bei unserer Meinung, dass die Notenbanken angesichts der Verschuldungssituation im Wesentlichen nur eine verbale bzw. symbolische Inflationsbekämpfung werden leisten können. Tatsächlich macht man sich inzwischen sogar vereinzelt im Mainstream Sorgen über den „Frust der Goldanleger“, deren Szenario zwar ziemlich genau so eingetroffen ist, wie sie es erwartet haben, die davon bislang aber trotzdem nicht profitieren konnten: „Stell‘ Dir vor es ist Inflation und keiner kauft Gold“ hätte man wohl früher gesagt.

Ganz so traurig ist die Situation allerdings auch nicht, wenn man sich einen etwas längerfristigen Chart ansieht (vgl. Abb. 2). Zwar ist bis zur roten Abwärtslinie noch einiger Spielraum, sollte diese aber erreicht und überwunden werden ist auch eine Überwindung der Allzeithochs realistisch. Dann würde sich nämlich die Phase seit August 2020 als Korrektur im Aufwärtstrend erweisen, was wir als die wahrscheinlichste Alternative ansehen. In einer Welt, in der es regelrechte Runs auf Toilettenpapier oder Nudeln gibt, spricht schließlich nichts dagegen, auch etwas Gold zu kaufen.

Veranstaltungshinweise:

Auch in Zeiten von Corona bleibt der Herbst Messezeit. Am 12./13. November findet die traditionelle Edelmetall- & Rohstoffmesse 2021 statt – in diesem Jahr noch einmal virtuell. Zahlreiche bekannte Experten wie Dimitri Speck, Egon von Greyerz, Eugen Weinberg, Gerald Celente, Johann Saiger, Marc Faber, Prof. Max Otte sind mit Videovorträgen dabei. Unter den virtuellen Ausstellern sind wieder zahlreiche internationale Minengesellschaften. Eine Registrierung ist nicht erforderlich und es wird sogar ein Gewinnspiel geben, bei dem Sie echte Goldmünzen gewinnen können. Nähere Informationen finden Sie auf der Website des Veranstalters.

Zeitgleich findet am 12./13. November die Deutsche Goldmesse in Form einer Mining Investment Konferenz in Frankfurt statt. Führende Köpfe der Mining-Industrie und ausgewählte Unternehmen – vom jungen Explorer bis zum etablierten Produzenten – werden teilnehmen. Mining-Unternehmen und Investoren können direkt miteinander interagieren, das heißt, Investoren haben die Möglichkeit, bei Live-Vorträgen direkt Fragen an die Vorstände zu stellen. Die kostenlose Anmeldung finden Sie auf der Website des Veranstalters.

Weiter aktuell ist der Termin der World of Value Investmentkonferenz am 23.10. im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt am Main: Dort können sie neben Dr. Markus Krall auch Prof. Dr. Christian Rieck und Marc Friedrich live oder im Digitalstream erleben. Nähere Informationen zu den Tickets gibt es auch hier auf der Website des Veranstalters.

Auch bei der diesjährigen Watchtime ist Smart Investor Medienpartner. Die Messe findet vom 29. bis 31. Oktober in der Rheinterrasse Düsseldorf statt und hat wiederum einiges für die Liebhaber hochwertiger Uhren zu bieten. Noch sind unter dem Code „WTD21SmartInvestor“ einige kostenlose Tagestickets auf der Website der Watchtime Düsseldorf oder über den Shop von Eventbrite abrufbar.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung bei unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

Um diesen Bereich lesen zu können, müssen Sie Abonnent des Smart Investor Magazins sein und sich auf der Smart-Investor-Website https://www.smartinvestor.de einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@smartinvestor.de an.

Fazit

Wenn man sich das aktuelle Durcheinander in der Politik ansieht, dann können wir uns nicht vorstellen, dass man dort auf die richtige, wenngleich äußerst schmerzhafte Lösung für eine Eindämmung der Inflation kommen wird – die Rückkehr zu einer geordneten Geldpolitik. Stattdessen erwarten wir ein Durchwursteln zwischen „Weiter so!“ und „Mehr desselben“, garniert mit guten  Ratschlägen für das Volk im Stile Marie Antoinettes: “Die Kilowattstunde, die ich nicht verbrauche, ist am billigsten” (Katarina Barley (SPD), Vizepräsidentin des EU-Parlaments)

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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