Nicht dürfen oder nicht wollen?

Titelbild: © NDABCREATIVITY – stock.adobe.com

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Das Paradox von Handel und Gastronomie

Schleppende Geschäfte

Nicht ganz unerwartet stehen Handel und Gastronomie in diesem Advent vor einem Scherbenhaufen. Seit 2G- und 2G+-Regeln zur Pflicht wurden, herrscht vielerorts gähnende Leere, wo sonst dichtes Gedränge war – abgesagte Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkte, ausgefallene Einkaufsbummel und Geschenkmarathons. Längst kann man viele Waren auch im Online-Handel und von Lieferdiensten beziehen. Wenn man auf der anderen Seite aber erst einmal in der Kälte warten muss, bevor man einen Check-In im Flughafenstil über sich ergehen lässt, bleiben Spontaneität und Geselligkeit zwangsläufig auf der Strecke. Und weil das offenbar viele so sehen, befindet man sich anschließend in einer kaum besuchten Einrichtung, in der die Stimmung nahe dem Nullpunkt liegt. Ein weiterer Aspekt ist, dass die von Politik und Medien seit Monaten gefahrene Angstkampagne gerade bei den inzwischen Dreifachgeimpften auf so fruchtbaren Boden gefallen ist, dass diese trotz ihrer erimpften Zugangsberechtigung weiter Menschenansammlungen meiden – ein Phänomen, das wir insbesondere bei älteren Menschen beobachten. Angst ist eben nur dann gut fürs Geschäft, wenn man Versicherungen oder Impfstoffe verkauft bzw. Politik macht. Am anderen Ende des Spektrums stehen jene, die sich bis heute nicht zur Annahme des „Impfangebots“ entschließen konnten und nun weitgehend vom öffentlichen Leben ausgeschlossen wurden. Obwohl viele dieser Menschen sich unter Leute wagen würden, dürfen sie es nicht. Im Endergebnis lässt sich mit beiden Gruppen vor Ort kein Geld verdienen.

Besinnliche Weihnachten

Aber die Dynamik geht darüber hinaus: Bekannt ist, dass die Online-Wirtschaft einer der großen Profiteure ist, wenn ein wachsender Teil des Konsums vom heimischen Sofa aus abgewickelt wird. Allerdings ist es durchaus möglich, dass das Pendel nach dem enormen Zulauf der letzten zwei Jahre wieder ein wenig zurückschwingt. Nicht jeder sieht die Erfüllung seines Lebens zwischen Videostreaming, Online-Gaming, Versandhandel und Pizzaboten. Weniger offensichtlich ist, dass ein Teil der Menschen durch diese Zäsur ganz grundsätzlich zur Besinnung kommen könnte, was für die Geschäftswelt noch misslicher wäre. Denn einige derer, die aus dem Weihnachtstrubel ausgesperrt wurden oder diesen freiwillig meiden, könnten auf die Idee kommen, dass es in dieser Zeit des Jahres um mehr geht als um Futtern, Saufen und Kaufen. Manch einer scheint insgeheim sogar froh zu sein, dem alljährlichen Konsumterror mit einer gesellschaftlich mehr oder weniger akzeptierten Ausrede entfliehen zu können. So hören wir von Familien, in denen nach dem alljährlichen Restaurantmarathon die Oma freudestrahlend verkündet, dieses Jahr selbst aufkochen zu wollen. Zumindest bei einigen Menschen scheint unter diesen Rahmenbedingungen so etwas wie eine wirklich besinnliche Weihnachtszeit stattzufinden.

Kapitalmarktausblick 2022

Von den Märkten kann man dagegen keine Zäsur erwarten. Unablässig preisen sie die aktuelle Lage, die teils sprunghaften Veränderungen und die künftigen Erwartungen in die Kurse ein. Im neuen Smart Investor 1/2022, der zum Wochenende erscheint, haben wir uns im Rahmen des großen Kapitalmarktausblicks 2022 intensiv mit den Bestimmungsfaktoren des neuen Anlagejahres befasst, soweit diese aus heutiger Sicht schon absehbar sind. Neben der Corona-Thematik werden mit hoher Wahrscheinlichkeit das Inflationsthema und mögliche Abwehrmaßnahmen der Notenbanken auch weiter die Diskussion beherrschen. Es scheint, als täten sich die Hüterinnen der Geldwertstabilität extrem schwer damit die Geister, die sie selbst gerufen hatte, wieder loszuwerden. Tun sie zu wenig, könnte Ihnen die Inflation noch weiter entgleiten, als das schon jetzt der Fall ist. Übersteuern sie in die Gegenrichtung, könnten sie alles gefährden, was sie im Zuge der bisherigen „Rettungsaktionen“ an Bereinigungsbedarf aufgestaut haben. Wie sie sich konkret verhalten werden, werden wir schon heute bei der Sitzung der US-Notenbank Fed und nächste Woche bei der EZB-Sitzung sehen.

Roter Regent ohne rote Linien

Auch wenn das kommende Jahr volatil werden wird, verzagen müssen Anleger dennoch nicht. Denn nicht nur gibt es selbst in einem solchen Umfeld Profiteure, auch kann die Volatilität durchaus ein Freund der Anleger sein. Ob die neue Regierung dagegen zum Freund der Anleger wird, muss schon nach wenigen Tagen im Amt bezweifelt werden. Insbesondere der schwache Auftritt der FDP in der Frage der Impfpflicht wirft ein erstes Schlaglicht auf die Kräfteverhältnisse im Ampelbündnis. Auch die Äußerung von Bundeskanzler Olaf Scholz, in der Corona-Bekämpfung keine „roten Linien“ mehr zu akzeptieren, muss jedem die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, der auf Rechtssicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltentrennung vertraut. Spannend wird das neue Jahr in jedem Fall.

Zu den Märkten

Eigentlich wollten wir Ihnen an dieser Stelle nicht erneut den DAX präsentieren – schon aus Gründen der Abwechslung. Andererseits bleibt die Situation dort so spannend, dass wir Sie hier erneut updaten wollen (vgl. Abb.). Die in der letzten Ausgabe beschriebene Inselumkehr (rote und grüne Kreise) hatte es sogar auf den Titel gebracht („Reif für die Insel“), danach rutschte der deutsche Leitindex aber erneut ab. Insbesondere die lange schwarze Kerze des gestrigen Handelstags ist bemerkenswert. Zwar führte sie tief in das Aufwärts-Gap der Inselumkehr, konnte dieses bislang aber nicht schließen. Der heutige Tag deutet per Redaktionsschluss dieser Ausgabe darauf hin, dass damit die Korrektur sogar schon wieder beendet sein könnte, zumal die vergleichsweise niedrige Umsatztätigkeit während des gestrigen Abwärtstages auf einen Mangel an Dynamik schließen lässt – sowohl im Vergleich zu dem Kurseinbruch Ende November als auch im Vergleich zum Aufwärts-Gap vom 7.12. Erneut bestätigt hat sich in den letzten Handelstagen der wichtige Bereich von 15.800 Punkten, an dem der DAX einmal mehr abgeprallt ist. Alles in allem sehen wir im Moment also eher wieder ein leichtes Aufwärtspotenzial, auch, weil der Kursverlauf der letzten Tage wie eine klassische Korrekturflagge aussieht. Allerdings ist die Technische Analyse immer nur ein Puzzleteil unter vielen, besonders, wenn von außen ständig neue Impulse in den Markt gegeben werden, wie das zur Zeit der Fall ist. Welche deutschen Indizes sich besser geschlagen haben als der DAX und welches Kriterium dahinter steckt, lesen Sie übrigens ebenfalls im neuen Smart Investor 1/2022.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über die Entwicklung in unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen.

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Fazit

Das Weihnachtsgeschäft dürfte für Handel und Gastronomie weitgehend gelaufen sein. Viele Kunden schwanken zwischen einer Abwanderung in den Online-Handel oder Konsumverzicht. Das ist vor allem für jene Händler bitter, die sich bemüht haben, alle Auflagen der Politik buchstabengetreu umzusetzen und nun vor einem Scherbenhaufen stehen.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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