Löcher in der Matrix – “Damit ich nicht plötzlich verschwinde”

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Jim Clifton, Gallup CEO, backtracks on calling job stats a lie so ‘I don’t suddenly disappear’“ (washingtontimes.com, 9.2.2015)

Es gibt so Nachrichten, die mag man den hiesigen Konsumenten kaum zumuten – vermutlich aus Fürsorge. So bemühen wir heute ausnahmsweise einmal eine englischsprachige Quelle, die Online-Ausgabe der Washington Times. Es geht um Jim Clifton, den Vorstandsvorsitzenden von Gallup. Gallup, das ist eines der führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute der Welt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Washington, D.C. ist in rund 30 Ländern vertreten und der Chef kann als „alter Hase“ im Geschäft mit der Meinung gelten, schließlich leitet er Gallup seit 1988!

Auch scheint ihm das Thema Arbeit besonders am Herzen zu liegen – so sehr, dass er dazu vor wenigen Jahren ein Buch schrieb –„Der Kampf um die Arbeitsplätze von morgen“ („Coming Job Wars“).

Nun hatte es der renommierte Meinungsprofi gewagt, die Arbeitslosenstatistik unter Präsident Obama als „große Lüge“ („Big Lie“) zu bezeichnen. Schon von dieser kritischen Aussage selbst bekam man hierzulande kaum etwas mit. Zu groß war der Jubel angesichts der „hervorragenden Verfassung“ des US-Arbeitsmarktes.

Für die Washington Times gingen derlei Anwürfe wohl über das erträgliche Maß hinaus und so zeigte sie sich erleichtert, dass Clifton seine Aussage anlässlich eines CNBC-Interviews „zurückzog“ – zumindest meinte man das bei der Washington Times. Cliftons CNBC-Statement im Wortlaut: „Ich denke die Zahlen, die aus dem Arbeitsministerium kommen, sind sehr, sehr genau (“very, very accurate”). … Ich muss das sehr, sehr klar („very, very clear“) machen, damit ich nicht plötzlich verschwinde („so that I don’t suddenly disappear“). Ich will es heute Abend noch nach Hause schaffen.“

Dieser angebliche „Rückzieher“ ist ironisch derart überhöht, dass er eigentlich das glatte Gegenteil aussagt. Clifton schmunzelt, die Moderatorin lacht sogar herzlich. Kaum vorstellbar, dass der Washington Times dieser Aspekt „aus Versehen“ durch die Lappen gegangen sein soll.

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