Sto SE & Co. KGaA

Jörg Lappöhn

Mit unserem Fonds verfolgen wir einen quantitativ fundamentalen Value-Ansatz und wir selektieren mittels eines zweistufigen Investmentprozesses Unternehmen. Auf Sto wurden wir durch unser Qualitäts-Screening aufmerksam. Dabei werden Unternehmen nach ihrer Nettoliquidität, der durchschnittlichen EBIT-Marge der vergangenen Jahre, dem Return on Equity, der Cashflow-Stabilität sowie der Free-Cashflow-Rendite bewertet. Wir bevorzugen Unternehmen, die eine hohe Nettoliquidität und eine hohe Rendite des Free Cashflows aufweisen. Als wir Sto ins Portfolio aufnahmen, waren die oben genannten Kriterien erfüllt. Beispielsweise betrug die Nettofinanzliquidität Ende 2016 55,5 Mio. EUR. Auch klassische qualitative Value-Kriterien wie die Qualität des Geschäftsmodells und die Tatsache, dass das Unternehmen durch den Großaktionär geführt wird, sind bei Sto erfüllt. Die Geschichte von Sto begann 1954 in Stühlingen. Bis heute steuert die Familie Stotmeister die Geschicke des Unternehmens. Im Besonderen sind wir von der Langlebigkeit des Geschäftsmodells überzeugt, da Sto unserer Meinung nach über einen Burggraben („economic moat“) verfügt. Diese Tatsache wird beispielsweise durch über 160 Erfindungen untermauert und durch die hohe Loyalität der Kunden bestätigt.

Geschäftsmodell und -entwicklung

Der Sto-Konzern erzielt mit etwa 5.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,23 Mrd. EUR und ist ein führender Spezialist für Wärmedämmung bei Fassaden, Altbauten und Häusern. Durch diese Maßnahmen lassen sich effektiv Heizkosten senken. Das Unternehmen unterteilt seine Geschäftsaktivitäten in vier Kerngeschäftsfelder, wobei mit dem Kerngeschäft Fassadensysteme (Wärmedämmverbundsysteme, WDVS) gegenwärtig 46% des Konzernumsatzes erzielt werden. Fassadenbeschichtungen, zu denen Putz- und Anstrichsysteme gehören, steuerten im Berichtsjahr rund 25% des Umsatzes bei. Im dritten Geschäftsfeld werden mit Innenraumprodukten und Akustiksystemen rund 14% umgesetzt. Abgerundet wird die Produktpalette durch hochwertige Bodenbeschichtungen und Produkte zur Betoninstandsetzung.

Die Produkte von Sto werden sowohl im Neubau als auch bei der Renovierung bestehender Gebäude verwendet. Zielkunden sind professionelle  Verarbeiter wie Maler, Stuckateure und Bauunternehmen sowie Architekten und Planungsbüros. Im November 2016 passte Sto die Umsatz- und Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr nach unten an. Schlussendlich wurden aber aufgrund der guten Witterungsverhältnisse in den letzten Wochen des Jahres die revidierten Werte doch noch übertroffen. Obwohl die deutsche Bauindustrie von einer regen Neubautätigkeit profitierte, entwickelte sich das Kerngeschäft Fassadensysteme ungünstig. Hier beeinflusste die widersprüchliche Medienberichterstattung über den Einsatz von Wärmedämmverbundsystemen den Geschäftsverlauf, was zu einer spürbaren Zurückhaltung bei den Nutzern führte.

Was sind die langfristigen Wachstumstreiber?

Bis zum Jahr 2022 soll ein Umsatzwachstum auf 2 Mrd. EUR und eine Verbesserung der Rentabilität erreicht werden. Sto setzt dabei auf ein konsequentes organisches Wachstum sowie mögliche gezielte Zukäufe. Wir glauben, dass Sto die langfristigen Ziele erreichen wird, da es eine Vielzahl an Wachstumstreibern gibt. Eine Wärmedämmung oder ein Wärmeschutz im Alt- sowie Neubau lohnt sich, da dadurch Energie gespart wird und sich der Wert der Immobilie erhöht. Damit sich jeder die umweltfreundlichen Investitionen leisten kann, bieten zahlreiche Institutionen staatliche Förderungen (KfW-Wärmedämmung) in Form von Zuschüssen oder zinsgünstigen Darlehen an. Allein in den Bereichen Energieeinsparung und Erneuerbare Energien gibt es zahlreiche öffentliche Förderprogramme. Daher ergeben sich Chancen für Sto, wenn neue Programme aufgelegt oder bestehende ausgeweitet werden. Ebenso haben sich die politischen Entscheidungsträger auf der Weltklimakonferenz in Paris zum Klimaschutz bekannt. Allerdings beabsichtigen die USA einen Austritt aus dem Abkommen. Trotz alldem sollte die energetische Gebäudesanierung aufgrund der angestrebten Reduzierung von CO2-Emissionen zunehmen.

In Deutschland profitiert momentan besonders der Wohnungsneubau von den positiven gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie niedrigen Zinsen und Zuwanderung (der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet für 2017 ein Umsatzwachstum von rund 7% im Wohnungsbau). Auch in Europa rechnet Euroconstruct wegen der wirtschaftlichen Erholung und der niedrigen Zinsen in diesem Jahr mit einem Anstieg des Wohnungsbaus um 2,8%. Somit befindet sich die deutsche und europäische Bauwirtschaft, sowohl bei Altbauten als auch
hinsichtlich der Neubautätigkeit, auf einem soliden Expansionspfad. Hieraus ergibt sich weiterhin gutes Potenzial für die Fassadendämmsysteme.

Darüber hinaus hat Sto aufgrund der hohen Markteintrittsbarrieren wesentliche strategische Vorteile gegenüber seinen Wettbewerbern. Denn trotz einer hohen Kapitalintensität gelingt es Sto, sich am Markt als Qualitäts- und Systemanbieter mit einem hohen technischen Know-how zu positionieren. Forschung und Entwicklung (F&E) ist daher für Sto unerlässlich. In der F&EAbteilung sorgen aktuell rund 160 Personen dafür, dass der Innovationsmotor weiter auf Hochtouren läuft (seit Firmengründung über 160 Patente). Um auch zukünftig Trendsetter bei neuartigen Produkten zu sein, werden weiterhin rund 3% des Umsatzes in F&E investiert.

Fazit

Value-Investoren interessieren sich traditionell für erfolgreiche mittelländische Familienunternehmen wie Sto, die häufig auch als „Hidden Champions“ bezeichnet werden. Die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der gute Start ins erste Quartal sollten dazu beitragen, dass Sto seine angestrebten Umsatz- und EBIT-Ziele 2017 erreicht (Umsatz +3% auf 1,268 Mrd. EUR, EBIT zwischen 80 und 90 Mio. EUR). Neben der hohen Nettoliquidität überzeugt die Aktie mit einer moderaten Bewertung auf Basis der Schätzungen für das Geschäftsjahr 2017/18.

 

Der leidenschaftliche Value-Investor Jörg Lappöhn von der LaRoute GmbH arbeitete nach seinem BWL-Studium zehn Jahre bei der BayernLB im Aktien Sales. Danach wechselte er ins Fondsmanagement und verantwortet nun zusammen mit André Werner den Laplace European Equity Fonds (WKN: A0Q8MQ). Mit dem im Jahr 2008 aufgelegten Fonds mit einem Volumen von inzwischen 57 Mio. EUR hat er in den letzten fünf Jahren eine jährliche Rendite von 13,1% p.a. erzielt und damit seine Vergleichsindizes um 4,3% übertroffen.