„Wir streuen sehr breit“

Marc Bensmann
Smart Investor: Die Performance des FU – Multi Asset Fonds, dessen Management Sie von Ihrem Vater übernommen haben, braucht sich vor Topsellern nicht zu verstecken. Welche Aspekte bestimmen den Investmentprozess?

Bensmann: Unsere Zielsetzung für den FU-Fonds ist langfristig eine zweistellige jährliche Rendite bei einstelliger Volatilität. Dafür setzen wir auf flexibles, quantitativ gesteuertes Mischen. Der Mix bezieht sich sowohl auf Assetklassen, Longs und Shorts, Anlagestile, Branchen und Länder als auch auf Marktkapitalisierungen. Grundlage der Mischung bilden drei strategische Bausteine: das Gesamtmarkttiming, die Einzeltitelauswahl und das aktive Risikomanagement. Das Gesamtmarkttiming über die Analyse der Makroebene ist sehr komplex, da die Datenlage hier oft am wenigsten eindeutig ist. Über die quantitativ gesteuerten Modelle bekommen wir Ergebnisse, die, wenn man es mit einer Ampel vergleicht, auf rote, gelbe oder grüne Marktsituationen verweisen. Bei der Aktienselektion achten wir auf Performancetreiber wie Gewinn- und Umsatzwachstum. Einzelne Faktoren, die wir nutzen, haben wir auf ihre Relevanz hin überprüft.

Smart Investor: Können Sie ein Beispiel geben?

Bensmann: Betrachtet man bei einem Ranking der Aktien in den USA – mit Daten seit 1999 – nach Gewinnwachstum die ersten 20%, stellt man fest, dass diese im Schnitt eine Rendite von 15% p.a. und die letzten 20% einen Wertverlust von 2% p.a. erzielt haben. So haben wir eine Bestätigung erhalten, dass der Faktor performancerelevant ist. Damit kommt er in die engere Auswahl für die Screeningprozesse. Neben fundamentalen Faktoren nutzen wir auch einige technische, vor allem trendfolgende Indikatoren wie z.B. das Erreichen eines 52-Wochen-Hochs. Wir versuchen nicht, in Korrekturen einzukaufen, wir kaufen, wenn die Aktien laufen. Das hat sich in den letzten drei Jahren bezahlt gemacht. Mit einer annualisierten Rendite von 12,6% per Ende November lag der FU-Fonds z.B. um 4,9% p.a. besser als der DAX.

Smart Investor: Wie sieht momentan die Allokation bzw. die Risikosteuerung im Fonds aus?

Bensmann: Momentan haben wir 90% Aktien und 10% Cash. Die Mindestaktienquote des Fonds liegt bei 60%. Früher fand der klassische Risikoausgleich bei Multi-Asset-Fonds durch Anleihen statt. Aufgrund der Niedrigzinssituation haben wir uns allerdings von Bonds abgekehrt. Wir nutzen sie eher am ganz kurzen Ende als Cash-Ersatz, beispielsweise mithilfe von Floatern. Die Risikoausgleichsfunktion im Fonds übernehmen Aktien-Shorts.

Smart Investor: Nutzen Sie ETFs im Fonds? Wie sehen Sie als aktiver Investor generell diese Instrumente?

Bensmann: Wir nutzen ETFs hauptsächlich dort, wo Einzelinvestments schwierig sind. Wenn wir z.B. positive Makrosignale für Vietnam bekommen, setzen wir das mit ETFs um. Ich kann den ETF-Hype aufgrund der niedrigen Kosten schon verstehen. Grundsätzlich hat sowohl aktives als auch passives Investment seine Berechtigung und jeweils eigene Vor- und Nachteile. Das Gesamtmarkttiming zur Vermeidung von Risiken verlangt allerdings eher nach einem aktiven Ansatz. Unser Anspruch ist es, besser zu sein als der Durchschnitt. Wenn man sich dann den Durchschnitt über Index-ETFs ins Portfolio holen würde, wird das Erreichen dieses Ziels schwieriger. Denn wenn ein Anleger in den DAX oder den S&P 500 investiert, investiert er auch in die 20 oder 30% der fundamental schlechtesten Werte dieses Index. Für den S&P 500 haben wir einen Test mit historischen Daten durchgeführt. Mit der Verwendung von vergleichsweise einfachen fundamentalen Kriterien wie Umsatzwachstum, Return on Assets >5% und positiven Free Cashflows sowie der Allokation der in dieser Hinsicht besten 50% der Aktien des S&P 500 ist eine Verdoppelung der Performance bei geringeren Drawdowns gegenüber dem Index möglich. Als einzigen Momentumfaktor haben wir bei dem Test noch das Erreichen eines 52-Wochen-Hochs verwendet.

Smart Investor: Sie erstellen keine längerfristigen Marktprognosen, sondern fahren auf Sicht. Wie sehen Sie die aktuelle Lage an den Märkten?

Bensmann: Unser Gesamtmarkttiming sehen wir eher als Diagnose. Aktuell würde ich sagen, dass die Situation am Aktienmarkt, wenn man sie mit einer Ampel vergleichen will, gerade noch im grünen Bereich liegt. Wenn wir Momentumindikatoren und Korrelationen zwischen den Assetklassen betrachten, die Aufschluss über die zukünftige Aktienmarktentwicklung geben können, sind wir aktuell noch vorsichtig bei Neukäufen. Solche Tagesdiagnosen können sich aber auch sehr schnell wieder ändern.

Smart Investor: Mit über 120 Einzeltiteln sind Sie sehr breit gestreut. Welche Aktien finden Sie aktuell interessant?

Bensmann: Wir streuen in der Tat sehr breit, die Titel sind ca. zwischen 0,3 und 2% gewichtet. CREALOGIX, ein Schweizer Fintechunternehmen mit guten Fundamentaldaten, das die Themen Digital Banking und Security abdeckt, finden wir interessant. Dort haben wir eine Anfangsposition eröffnet. SLM Solutions hat uns ebenfalls überzeugt. Das Unternehmen stellt 3D-Metalldrucker her und macht Unternehmen unabhängiger von Zulieferern. Auch hier haben wir eine Anfangsposition eröffnet und dann nachgekauft. Wir verkaufen allerdings auch sehr diszipliniert. Wenn Aktien 10 bis 12% verlieren, dann reduzieren wir das Exposure oder verkaufen komplett.

Smart Investor: Herr Bensmann, vielen Dank für die interessanten Ausführungen.

Interview: Christian Bayer

 

Über Marc Bensmann

Marc Bensmann ist Fondsmanager des FU – Multi Asset Fonds (WKN: A0Q5MD). Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er internationale Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Controlling & Finanzen. Dabei spezialisierte er sich im Zuge seiner Masterarbeit auf die quantitative Analyse von Aktien sowie auf die Umsetzung von Long- bzw. Short-Strategien für institutionelle Portfolios. Seit 2013 ist er bei der Heemann Vermögensverwaltung GmbH im Portfoliomanagement und in der Aktienanalyse tätig und seit September 2014 vor allem mitverantwortlich für den FU – Multi Asset Fonds.