Aktien-Update: Fiat Chrysler Automobiles NV

Das Management von Fiat Chrysler (akt. Kurs 11,35 EUR, WKN A12CBU) plant wahrlich eine Elefantenhochzeit. Doch die Fusion mit der Renault-Gruppe soll der drittgrößte Autohersteller der Welt mit einem Absatz von 8,7 Mio. Fahrzeugen entstehen. Die kombinierte Gruppe würde es auf einen Umsatz von 170 Mrd. EUR, ein EBIT von 10 Mrd. EUR und einen Jahresüberschuss von 8 Mrd. EUR bringen. Zusammen mit den bisherigen Partnern von Renault, Nissan und Mitsubishi, würden zukünftig sogar 15 Mio. Fahrzeuge abgesetzt – die Allianz wäre damit der größte Hersteller der Welt. Das Markenportfolio der beiden Konzerne in Europa, Nord- und Lateinamerika würde sich ideal ergänzen.

Auch deswegen sollen sich Synergien von 5 Mrd. EUR ergeben, die spätestens sechs Jahre nach dem Abschluss der Fusion realisiert werden sollen. Ab dem zweiten Jahr sollen die Synergien nach anfallenden Kosten positiv auf den Cashflow wirken. Beachtliche Zahlen, bedenkt man die rechnerische Marktkapitalisierung von ca. 40 Mrd. EUR der neuen „FCA Renault“. Die Aktionäre beider Unternehmen sollen jeweils 50% an der fusionierten Einheit halten. Allerdings ist für die Aktionäre von Fiat Chrysler vor Abschluss der Fusion eine weitere Sonderausschüttung von 2,5 Mrd. EUR (rund 1,60 EUR je Aktie) und eine Abspaltung der Robotersparte Comau via Spin-Off geplant.

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SI-Kommentar: Zwar sieht der Deal von Fiat Chrysler und Renault auf den ersten Blick wie eine Verzweiflungsakt aus, könnte sich aber langfristig betrachtet als strategisch weitsichtig herausstellen. Er trägt zudem extrem die Handschrift des leider verstorbenen Fiat-Chefs Sergio Marchionne. Dieser hatte stets die unzureichenden Kapitalrenditen in der Automobilbranche kritisiert, die lediglich durch höhere Skaleneffekte gesteigert werden könnten. Mit dem Erwerb der insolventen Chrysler konnte er den ersten großen Schritt in Richtung der kritischer Masse realisieren.

Die nun vorgeschlagene Fusion erscheint zwar nicht gleichermaßen attraktiv, dürfte aber dennoch einige Potentiale für FCA und deren Aktionäre bieten. Denn mit Renault zusammen könnte Fiat in Europa und Lateinamerika eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreiben wie in den letzten Jahren mit Jeep in den USA. Mit einheitlichen Plattformen  könnten die einzelnen Marken in den verschiedensten Märkten enorme Skaleneffekte heben, die Margen auch in Europa und Lateinamerika auf ein ähnliches Niveau steigen wie zuletzt in den USA.

Daneben würde dem fusionierten Unternehmen der 43%-Anteil an Nissan zufallen, den Renault heute hält. Dieser wird von der Börse jedoch lediglich bedingt eingepreist. In einer weiteren Stufe könnte Nissan teil eines gemeinsamen Unternehmens werden. Sollten sich die der Allianz mit Renault gegenüber zuletzt eher kritisch eingestellten Japaner dagegen entscheiden, stünde dieser Anteil möglicherweise zum Verkauf – und könnte so einen Großteil der geplanten Fusion finanzieren. Die Aktie bleibt damit weiter hochinteressant, auch wenn die konjunkturelle Abschwächung weitere Volatilität mit sich bringen sollte.

 

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