Grafik der Woche – Verschiedene Welten?

 

Divergierende Erträge amerikanischer und europäischer Aktien

ChartderWoche

Quelle: BofA Merrill Lynch Global Investment Strategy, MSCI

Mehr als 40 Jahre lang lief die Ertragsentwicklung der Unternehmen in den Indizes von MSCI in den USA (blaue Linie) und Europa (rote Linie) weitestgehend parallel. Gelegentlich entwickelten sich die Erträge in Amerika besser, manchmal hatten die Europäer die Nase vorn. Langfristig konnte jedoch ein klarer Einklang beobachtet werden. Auch nach der Finanzkrise 2008 konnte zunächst die historische Korrelation beibehalten werden, dies und jenseits des Atlantiks erholten sich die Unternehmen von der Finanzkrise.

Doch ab 2012 beginnen die Gewinne extrem zu divergieren. In der Grafik von Michael Hartnett, Chefstrategen von Bank of America Merrill Lynch, zeigt sich in den letzten drei Jahren ein Auseinanderdriften der Ertragssituation. US-Konzerne haben in diesem Zeitraum ihre Gewinne im Durchschnitt um 20% gesteigert, europäische Konzerne verdienen dagegen heute rund 20% weniger.

Die Eurokrise und die daraus resultierende schwache Konjunktur belasteten zuletzt die Gewinne in Europa, in den USA konnte sich dagegen ein dynamischer Aufschwung entwickeln. Der Crack-Up-Boom in den USA hat bereits begonnen, die Ertragsentwicklung ist somit nur konsequent. Europa ist verglichen mit der Quantitative Easing-Politik (QE) der Fed extrem zurückhaltend.

Auch wenn die Fed mit ihrem Tapering-Programm das Gelddrucken zwischenzeitlich eingestellt hat, bedeutet dies nicht, dass die bereits kreierten Geldmengen aus dem Markt genommen wurden. Nach wie vor gibt es also massenhaft Liquidität. Die US-Konzerne nutzen aktuell z.B. die günstigen Zinsen zu Aktienrückkäufen auf Pump, was im Umkehrschluss natürlich die Erträge je Aktie befeuert.

Die Fed unter Janet Yellen sollte außerdem auf jegliche Konjunkturschwäche mit einem neuerlichen QE-Programm reagieren. Erst wenn auch auf dem alten Kontinent die Geldschleusen genauso massiv geöffnet werden, dürfte die alte Korrelation wieder gelten.

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