Aktien Update – Deutsche Bank AG

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Ein verdoppelter Gewinn vor Steuern, reduzierte Risikoaktiva und ein um mehr als 3% gestiegener Buchwert je Aktie – auf den ersten Blick scheinen die Zahlen des deutschen Branchenprimus zu überzeugen. Allerdings auch tatsächlich nur auf den ersten Blick, denn die selbstgesteckten Renditeziele wurden meilenweit verfehlt: Nach Steuern wurden im vierten Quartal 2014 lediglich 253 Mio. EUR verdient, eine Eigenkapitalrendite von nur noch rund 2,6%.

Die beiden Chefs dagegen betonen die positiven Aspekte: „2014 stieg unser Gewinn vor Steuern von 1,5 Milliarden Euro auf 3,1 Milliarden Euro. Der Jahresüberschluss stieg von 681 Millionen Euro auf 1,7 Milliarden Euro. Zum ersten Mal haben alle vier Kern-Geschäftsbereiche ein Ergebnis vor Steuern von mehr als 1 Milliarde Euro erwirtschaftet.“ Auch woher die Erträge kommen betonen Jain und Fitschen: „Unsere Konzernerträge haben wir im vierten Quartal gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 19 Prozent von 6,6 Milliarden Euro auf 7,8 Milliarden Euro gesteigert. Dieser Anstieg spiegelt hauptsächlich höhere Erträge in Corporate Banking & Securities wider, wo wir im Anleihegeschäft und in Corporate Finance im Laufe des Jahres Marktanteile gewonnen haben.“

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SI-Kommentar: Der Deutschen Bank geht es besser als im Vorjahr – aber alles andere als gut. Verglichen mit den großen US-Konkurrenten ist die Bank nach wie vor schwach bei Kapitalausstattung und Rendite. Bei einer Eigenkapitalrendite von 2,6% darf man zudem fragen, ob hier die Rendite in einem angemessenen Verhältnis zum dafür eingegangenen Risiko steht.

Nach wie vor ist das Zahlenwerk der Deutschen Bank alles andere als transparent. Vermutlich nur wenige geschulte Bankanalysten können sich unter den genannten Zahlen, Kennziffern und Formulierungen vermutlich tatsächlich etwas vorstellen. So berichtet die Bank etwa von einer Rendite „basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity“, einer „Common Equity Tier-1-Kapitalquote (CET1) bei vollständiger Umsetzung der Capital Requirements Regulation“ oder einem „niedrigeren Leverage Exposure aufgrund der geänderten CRR/CRD4-Regeln“.

Die Frage nach der Herkunft der Gewinne ist daher auch nicht einfach zu beantworten, offiziell trug z.B. der Anleihehandel mit rund 1,1 Mrd. EUR zum Ergebnis bei. Zwar werden auch hier etwaige Segmente genannt, jedoch nicht mit expliziten Ergebnisbeiträgen. Daher ist es durchaus vorstellbar, dass der größte Teil aus dem Handel und dem Halten europäischer Staatsanleihen stammt, finanziert mit Mitteln der EZB. Die Bank könnte also durchaus als ausgelagerte Quantitative Easing-Abteilung der Zentralbank angesehen werden. Praktischerweise wird nun ab März die EZB dies in Eigenregie übernehmen. Gut für den, der die entsprechenden Papiere schon mit Vorlauf in seiner Bilanz hält.

Für die nächsten Quartale darf man daher wohl bereits jetzt von weiter steigenden Anleihe-Gewinnen ausgehen, ansonsten dürften die Zahlen jedoch auch 2015 eher durchwachsen bleiben. Die Bank ist nach wie vor ein Hedgefonds mit Zentralbankenzugang. An sich ein nahezu perfektes Geschäftsmodell – aber eben auch nur dann, wenn es keine teuren Altlasten zu verarbeiten gäbe, und davon hat die Deutsche Bank noch jede Menge.

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