Aktien Update – C.A.T. Oil AG

Auch nach einer mit allerlei juristischen Tricks und Finten ausgetragenen Übernahmeschlacht, einem geschlossenen Rücktritt des Vorstands und einer letztendlich erfolgreichen Mehrheitsübernahme eines bis heute äußerst intransparenten Großaktionärs kommt die Wiener C.A.T. Oil AG nicht zur Ruhe.

Denn mit einer Ad-hoc-Mitteilung von letztem Freitag gibt das Unternehmen bekannt, bei der Staatsanwaltschaft gegen das ehemalige Vorstandsmitglied Anna Brinkmann wegen des Verdachts auf Untreue Strafanzeige gestellt zu haben. Bei der Beschaffung von Investitionsgütern wurden dabei angeblich Gesellschaften zwischengeschaltet, die nicht dem Konzern gehörten. In Summe hätten solche Gesellschaften in zweistelliger Millionenhöhe von diversen Beschaffungsvorgängen profitiert, ohne dass es dafür eine wirtschaftliche Begründung gegeben hätte.

C.A.T. Oil ist als Ölfeld-Service-Unternehmen für Unternehmen wie LukOil, Rosneft, TNK-BP und Gazprom in Russland tätig. Durch Hydraulic Fracturing und Side Tracking sorgt das Unternehmen für eine Erhöhung der Profitabilität von bestehenden und stillgelegten Bohrungen.

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SI-Meinung: Transparenz und C.A.T. Oil waren traditionell schon immer ein Widerspruch. Erinnert sei beispielsweise an den Börsengang im Jahr 2006, als erst nach öffentlicher Kritik der Hauptaktionär der Gesellschaft genannt wurde – ein deutscher Steuerberater, der offensichtlich als Strohmann für Dritte fungierte. Daher passen auch die aktuellen Ermittlungen wunderbar in das Bild, dass Anleger sowieso schon von der C.A.T. Oil AG hatten. Denn spätestens seit der Übernahmeschlacht Ende letzten Jahres wissen Investoren, dass Anna Brinkmann neben ihrem Job als Vorstand auch noch eine Rolle als maßgeblicher Großaktionär der Gesellschaft gespielt hat. Eine Position, die sie auch angesichts des Übernahmeangebotes des Franzosen Maurice Dijols nicht aufgeben wollte. Vielleicht auch deswegen, um zu verhindern, dass ein zu tiefer Einblick in die Bücher so manche ungemütliche Wahrheit zu Tage bringen würde.

Der neue Hauptaktionär liefert sich unterdessen nach wie vor eine Schlacht um die Anteile einer zypriotischen Holding, an der unter anderem eben auch wieder Frau Brinkmann beteiligt ist. C.A.T. Holding (Cyprus) Ltd. besitzt rund 48% des Aktien an C.A.T. Oil. Ob es vor Abschluss dieser Fehde zu einem Squeeze-Out des zuletzt sehr ausgedünnten Free-Floats kommen kann, darf zumindest bezweifelt werden.

Unabhängig von den aktuellen Vorwürfen ist auch die operative Zukunft des Unternehmens nach wie vor unklar. Spätestens im laufenden Jahr dürfte die schwierige Situation der russischen Ölindustrie erste Spuren in den Zahlen von C.A.T. Oil hinterlassen. Ein Engagement lediglich aufgrund der Möglichkeit einer Abfindung beim Squeeze-Out sollte daher angesichts der nach wie vor unübersichtlichen Lage gut überlegt sein.

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