Aktien Update – Gerry Weber International AG

Nach schwachen Zahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/2015 reduzierte das Management des Modeherstellers aus Halle in Westfalen seinen Ausblick auf das Gesamtjahr. Das Umsatzwachstum soll nun im einstelligen Prozentbereich liegen, das EBIT um 20-25% gegenüber dem Vorjahr zurückgehen.

In den ersten sechs Monaten erzielte Gerry Weber einen Konzernumsatz von 432,7 Mio. EUR (Vj.: 412,8 Mio. EUR), eine Steigerung von 4,8%. Ein Zuwachs, der vor allem auf die erstmalige Einbeziehung von Hallhuber und die organische Expansion im Einzelhandelsbereich zurückzuführen sei. Durch die niedriger als geplant ausgefallenen Umsätze, hohe Rabatte und den expansionsbedingt höheren Fixkosten habe sich das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) im Halbjahresvergleich jedoch um 14,9 % auf EUR 52,5 Mio. reduziert. Das EBIT des Konzerns lag mit 36,2 Mio. EUR rund 26,8% unter dem Vorjahreshalbjahr, die EBIT-Marge in Folge dessen bei lediglich 8,4% (Vj.: 12,0%). Nach Zinsen und Steuern ergab sich ein Periodenüberschuss von 21,9 Mio. EUR (Vj.: 32,7%), ein sattes Minus von 33%.

Die Börse reagierte vorletzte Woche geschockt auf diese Nachrichten: Die Aktie brach um mehr als 30% ein, in Summe vernichtete der Kurssturz einen Börsenwert von mehr als 430 Mio. EUR.

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SI-Kommentar: Gerry Weber ist im laufenden Jahr voll von der Schwäche des Textileinzelhandels getroffen worden, die neue Prognose ist alles andere als erfreulich. Langfristig bleibt das Unternehmen jedoch seiner Strategie treu. Gerry Weber expandiert im Ausland, betreibt eine vertikale Integration des Einzelhandels und versucht Skaleneffekte aus der Akquisition von Hallhuber zu heben, um wieder auf den alten Wachstumskurs zurückzukehren.

Nach neuesten Daten der GfK bevorzugen die Deutschen derzeit eher höherpreisige Konsumprodukte wie Autos oder Möbel, Kleidung dagegen steht nicht ganz oben auf der Wunschliste der Verbraucher. Ein Trend, dem sich Gerry Weber angesichts des Alters seiner Kunden vermutlich weniger entziehen kann als Einzelhändler für eine junge Zielgruppe.

Bei den Investoren wurde durch das wiederholte Verfehlen der eigenen Prognosen in den vergangenen drei Jahren einiges an Porzellan zerschlagen. Hier muss das Management nun nach und nach verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.

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