Aktien Updaten – Rocket Internet SE

Die Start-Up-Holding der umstrittenen Samwer-Brüder ist weiterhin auf einem kapitalintensiven Expansionskurs. Nach einer Kapitalerhöhung über 590 Mio. EUR im Februar platzierte das Unternehmen nun eine 550 Mio. EUR umfassende Wandelanleihe (3,0% Coupon, 7 Jahre Laufzeit, Wandlungspreis bei 47,50 EUR). Eine Kapitalmaßnahme, die bei großen Teilen der Aktionäre offensichtlich alles andere als gut ankam: Alleine die Bekanntgabe der Platzierung am Dienstag vor zwei Wochen drückte den Kurs um glatte 15% an einem einzigen Tag.

Mit 33,00 EUR notiert die Aktie mittlerweile rund 22% unter dem Ausgabepreis beim Börsengang im Oktober des letzten Jahres. Neben den jüngsten Finanzierungsrunden hatte der IPO den Berlinern im letzten Jahr rund 1,3 Mrd. EUR eingebracht, weitere Kapitalmaßnahmen im Vorfeld des Gangs an die Börse hohe dreistellige Millionenbeträge.

Unabhängig davon vermeldet Rocket jüngst erneut „Erfolgszahlen“. Im ersten Quartal des laufenden Jahres haben sich die Außenumsätze der sogenannten „Proven Winners“ um 216% erhöht, die EBITDA-Marge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5% erhöht (allerdings ist diese nach wie vor im negativen Bereich). Zu dieser Kategorie zählen die Samwers sämtliche Start-Ups mit einem – in ihren Augen – bewiesenen Geschäftsmodell. Darunter unter anderem Unternehmen wie der Accessoire-Händler Westwing, das Modehandelsunternehmen Zalora oder hello fresh, ein Versender von sogenannten Kochboxen. Insgesamt habe der Wert der Beteiligungen seit dem Börsengang um sage und schreibe 2,3 Mrd. EUR auf nun 4,9 Mrd. EUR zugelegt.

Link zur Meldung

SI-Kommentar: Der „Börsenrakete“ scheint der „Sprit“ immer wieder auszugehen, denn nach mehreren Aktienplatzierungen und einem Börsengang im letzten Jahr pumpt Rocket Internet nun bereits zum zweiten Mal den Kapitalmarkt an. Insgesamt hat die Internet-Holding damit in diesem Jahr mehr als 1,1 Mrd. EUR eingesammelt. Geld, das vor allem in den Ausbau der Beteiligung an Delivery Hero und neue Finanzierungsrunden der „Proven Winners“ geflossen ist. Unter diese Kategorie fallen im Hause Samwer Unternehmen mit einem bewiesenermaßen funktionierenden Geschäftsmodell.

Dass diese allesamt dennoch mit negativen operativen Ergebnissen aufwarten, lässt zum einen an der Eingruppierung zweifeln, liefert zum anderen jedoch auch eine Erklärung für den Kapitalbedarf. Denn wo bereits auf EBITDA-Ebene massiv Geld verbrannt wird, muss natürlich permanent frisches Kapital in Form von weiteren Eigenmitteln nachgeschossen werden. Da trifft es sich natürlich gut, dass Rocket den Wert seiner Beteiligungen analog zu den Bewertungen der letzten Finanzierungsrunde festlegt – im Zweifelfall also einfach selbst.

Was die Aktien der Holding jedoch tatsächlich wert sind, steht jedoch auf einem völlig anderen Blatt. Zumindest seit Dezember letzten Jahres hat der Kapitalmarkt hier zunehmend Zweifel, wie das Minus von mehr als 40% seit dem Höchstkurs beweist. Angesichts des gigantischen Kapitalbedarfs der Holding mehr als verständlich – schließlich sorgt die enorme Verwässerung dafür, dass die Substanz je Aktie kontinuierlich abnimmt. So gab es weder bei der Kapitalerhöhung im Februar, noch bei der jüngst begebenen Wandelanleihe ein Bezugsrecht für die Altaktionäre.

Deren Anteil an den einzelnen Beteiligungen der Berliner Holding wird folglich immer geringer. Und mit einem sinkenden Kurs wird das Stopfen der Löcher bei den einzelnen Töchtern aus Sicht der heutigen Rocket-Aktionäre auch bei zukünftigen Kapitalerhöhungen immer teurer werden. Bislang ist Rocket den Beweis schuldig geblieben, Werte für die Aktionäre schaffen zu können. Der waghalsige Expansionskurs könnte nun am Ende am Unwillen der Börse scheitern, weiteres Kapital dafür zur Verfügung zu stellen.

<- Zum letzten Aktien-Update       -> Zum nächsten Aktien-Update