Aktien Update – Vonovia SE

Die Mitgliedschaft im DAX gilt wohl als Ritterschlag schlechthin für deutsche börsennotierte Unternehmen – eine Ehre, die dem Immobilienriesen Vonovia SE ab 21.9 dieses Jahres zu Teil werden wird (WKN A1ML7J, akt. Kurs 29,59 EUR)! Zum ersten Mal überhaupt rückt damit ein Immobilienunternehmen in die Liga der größten 30 deutschen Börsenwerte auf, ein Unternehmen mit einem 23 Mrd. EUR und 370.000 Wohnungen schweren Immobilienportfolio. Entstanden war Vonovia erst dieses Jahr durch den Zusammenschluss der Deutschen Annington mit deren Konkurrenten GAGFAH. Die vom britischen Finanzinvestor Terra Firma ins Leben gerufene Deutsche Annington ist daneben durch den Erwerb von Wohnungen aus dem Bestand der ehemaligen Bundesbahn, die Integration verschiedener Wohnungsportfolien (Vitus, DeWAG, Franconia) sowie den Erwerb der SÜDEWO Gruppe im Sommer 2015 stark gewachsen.

Nach der Definition der Deutschen Börse befinden sich mehr als 95% der Vonovia-Aktien im Streubesitz, die Marktkapitalisierung beträgt zum aktuellen Kurs rund 13 Mrd. EUR. Ideale Voraussetzungen also für die Aufnahme in den deutschen Leitindex. Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, sieht in der DAX-Aufnahme eine positive Wirkung für die gesamte Immobilienwirtschaft: „Es ist ein gutes Signal für die gesamte Branche, dass mit Vonovia nun auch Immobilien im Leitindex DAX vertreten sind und ein wichtiger Wirtschaftszweig noch mehr Sichtbarkeit bekommt.“

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SI-Kommentar: Die Vonovia-Aktie bleibt, was sie auch vor der Aufnahme in den DAX war: Eine Wette auf die Fortsetzung des deutschen Immobilienbooms der letzten Jahre. Ein Boom, der zuletzt wohl vor allem in Boom-Städten wie München seine Wirkung zeigte. Bei genauerer Betrachtung sind jedoch exakt dies nicht die Regionen, in denen Vonovia aktiv ist. Vielmehr liegen deren 370.000 Wohneinheiten eher in Bochum, Mülheim an der Ruhr oder Gelsenkirchen. Dass sich Anleger bei der vormaligen Deutschen Annington dennoch mit einer Mietrendite nach Instandhaltung von knapp über 2% p.a. (basierend auf den AFFO, den Adjusted Funds from Operations) zufrieden geben offenbart vor allem eines: Den Anlagenotstand großer Teile der Investoren.

Zuletzt ist das Unternehmen nun vor allem mit Großakquisitionen gewachsen, primär mit dem Streben nach geringeren Refinanzierungskosten. Denn statt auf der Mieteinnahmeseite konnte die heutige Vonovia in den vergangenen Jahren seine Ergebnisse vor allem durch günstigere Fremdfinanzierungskosten steigern. Als Profiteur der Niedrigzinsen verhält sich der Kurs daher analog zum typischen Kurs einer Anleihe, mit einer alles anderen als üppigen Rendite. Doch genau wie bei einer Bundeanleihe ist der Kurs nach oben natürlich limitiert – DAX-Mitgliedschaft hin oder her.

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