Aktien Update – HOCHTIEF AG

Schon länger hatten die Aktionäre von HOCHTIEF auf die Meldung des Ausstiegs der Qatar Holding, eines Staatsfonds des Emirats Katar, beim Essener Bau- und Infrastrukturkonzern gewartet. Letzte Woche war es nun soweit, zunächst blieb jedoch einige Konfusion bestehen.

Denn der Käufer der Anteile war in der Meldung der Qatar Investment Authority zunächst nicht genannt worden. Ein „maßgeblicher Teil“ der Aktien sei an einen „einzelnen strategischen Aktionär“ zu 77 EUR je Aktie (WKN 607000, akt. Kurs 78,77 EUR) verkauft worden, was zumindest Spekulationen zuließ. Denn an sich gibt es bei Hochtief nur einen einzigen strategischen Investor – die spanische ACS Gruppe, die bereits zuvor rund 61% der Anteile an HOCHTIEF besessen hatte. Diese bestätigte kurz darauf auch in einer eigenen Ad-hoc-Mitteilung den Erwerb von 5,84% der Anteile, in Summe halten die Spanier nun 66,54% der Anteile.

Gleichzeitig gab Hochtief erst am 1.10. einen Vorstandsbeschluss zu einem weiteren Aktienrückkauf bekannt. Bis zu 10% der Anteile sollen demnach in einem Zeitraum vom 7.10 bis zum Ende des Jahres erworben werden – auch dies mit entsprechenden langfristigen Implikationen für die Aktionäre.

Link zur Meldung von ACS

Link zur Meldung von HOCHTIEF

SI-Kommentar: Statt die eigene Kasse zu belasten, lässt ACS lieber HOCHTIEF seine eigenen Aktien zurückkaufen – und auf eigene Kosten bezahlen. Lediglich für den nun erfolgten Paketerwerb von knapp 6% der Anteile der Qatar Holding mussten die Spanier nun eigenes Geld auf den Tisch legen, sind dafür jedoch ihrem mutmaßlichen Ziel einen bedeutenden Schritt näher gekommen.

Denn nach der vollständigen Durchführung des geplanten Aktienrückkaufs dürfte ACS rechnerisch einen Anteil von knapp 74% der HOCHTIEF-Aktien besitzen, lediglich rund ein Prozent würde dann noch zu eine Dreiviertelmehrheit fehlen. Dann könnte ACS mit einem Gewinnabführungsbetrag den direkten Zugriff auf die Kasse bekommen. Angesichts dieser Überlegung ist es eigentlich nur die Frage, warum die Spanier nicht den kompletten Anteil der Scheichs aus Katar übernommen haben. Bereits vor der aktuellen Transaktion hat ACS übrigens über die Tochter HOCHTIEF ein Angebot an die ebenfalls börsennotierte australische Tochter Leighton Holdings (jetzt CIMIC) unterbreiten lassen, auch hier wird der Konzern nach erfolgreichem Abschluss knapp 75% der Anteile kontrollieren – ebenfalls aus der Kasse von HOCHTIEF bezahlt.

Für Aktionäre des Konzerns sieht es nach einem baldigen Endspiel der Übernahme aus, die im Jahr 2007 mit der Übernahme des ersten Anteils begonnen hatte. Läuft alles nach dem voraussichtlichen Plan der Spanier, dürfte hier in Kürze eine interessante Sondersituation anstehen, die mit einem Gewinnabführungsvertrag oder einem Squeeze-Out enden könnte. Bereits im Smart Investor 3/2015 (S. 73) haben wir auf diese Konstellation hingewiesen, im nächsten Smart Investor werden wir mit einem ausgewiesenen Nebenwerteexperten die aktuelle Situation erneut thematisieren.

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