Grafik der Woche – Silber vor dem Sprung?

Für Edelmetall-Fans begann das Jahr bekanntlich recht verheißungsvoll. Allerdings konzentrierte sich die Kauflust auf Gold, das als Krisenmetall und ultimative Alternativwährung bei Anlegern und unabhängigen Notenbanken „gesetzt“ ist. Etwas im Schatten dieses goldenen Aufschwungs war der Kursverlauf des „kleinen Bruders“ Silber. Das vielbeachtete Silber/Gold-Ratio (vgl. Abb., unterer Teil) näherte sich Ende Februar sogar bis auf Haaresbreite dem markanten Paniktief aus dem Jahr 2008 (vgl. grüne Markierungen). Für eine Feinunze Gold mussten an diesen Tagen mehr als 83 Feinunzen Silber aufgewendet werden.

Begründet wird dies damit, dass Silber eben nicht nur Edelmetall und potenzieller Wertspeicher, sondern auch Industriemetall und damit konjunkturabhängig sei. Was auf den ersten Blick überzeugt, ist auf den zweiten schon gar nicht mehr so eindeutig. Denn Silber wird inzwischen auch massiv in den Bereichen der sogenannten regenerativen Energien und der Elektromobilität nachgefragt. Beides Themen, die politisch vorangetrieben werden und von daher auch bei schwächerer Gesamtkonjunktur für stabile Nachfrage sorgen können – möglicherweise sogar gerade bei einer Konjunkturschwäche gestützt durch ein „ökologisch ausgerichteten Konjunkturprogramm“.

Daneben ist zu berücksichtigen, dass das „Gold des kleinen Mannes“ – wie beispielsweise die Verkäufe von Silbermünzen zeigen – zunehmend auch von normalen Sparern nachgefragt wird. Wer mit Null- und Negativzinsen bei wackelnden Banken konfrontiert ist, für den sind ein paar Silbermünzen – zumal auf dem gedrückten Preisniveau – allemal eine sinnvolle Möglichkeit zur Vermögensdiversifikation. Tatsächlich hat sich das Silber/Gold-Ratio in den letzten Tagen auch schon wieder leicht von den Tiefs gelöst – aktuell braucht es „nur“ noch weniger als 80 Feinunzen Silber um eine Feinunze Gold zu erwerben.

Aber auch der Silberpreis in US-Dollar (oberer Teil der Abbildung) verspricht einiges an Potenzial. Nach dem Durchbruch der wichtigen Unterstützung im Bereich von 18,50 USD/Feinunze (rote Linie) im September 2014 ging es erwartungsgemäß erst einmal kräftig nach unten. Allerding ließ die Abwärtsdynamik in den letzten Monaten spürbar nach, so dass sich hier ein bullisher Keil herausbildete (blaue Linien). Dieser wurde nun nach oben gebrochen, wobei die Korrektur an das Ausbruchsniveau nahezu lehrbuchmäßig verlief und mit einem weiteren Kursschub abgeschlossen wurde (gelbe Markierung). Silber könnte aus diesem Blickwinkel nun tatsächlich am Beginn eines neuen Bullenmarktes stehen.

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