Grafik der Woche – Licht und Schatten

 

DFAX-Extrem
Die bloße Beobachtung eines Aktienindex verstellt in der Regel den Blick auf die enormen Chancen und Risiken, die in seinen Komponenten stecken – Licht und Schatten, wenn man so will. Das gilt selbst für einen Blue-Chip-Index wie den DAX. Die Spalten der Abbildung zeigen für die vier besten und die vier schlechtesten DAX-Aktien, welche prozentualen Kursentwicklungen diese zwischen markanten Hochs und Tiefs seit dem 9.3.2009 genommen haben.

Rote Schrift bedeutet, dass die betreffende Aktie innerhalb des Zeitraums zu den zehn schwächsten Titeln gehörte – grüne Schrift entsprechend, dass sie eine der zehn stärksten des Betrachtungszeitraums war.

Die beiden Versorger RWE und E.On performten vom Tief (9.3.2009) weg schlecht. Dabei dürften gerade die konservativen Versorgeraktien vielen Anlegern während des Aktiencrashs als eine relativ gut abgesicherte Form der Aktienanlage erschienen sein. Auch in jeder weiteren betrachteten Periode gehörten sie zu den zehn schwächsten Aktien des Index. Die Idee, dass diese Aktien aufgrund der schwachen Kursentwicklung der Vorperiode so etwas wie Nachholbedarf entwickeln könnten, gehörte ins Reich der Fabeln. Im Gegenteil: Schwäche führte zu immer weiterer Schwäche. Insgesamt bedeutete dies über den Gesamtzeitraum dann ein Minus von 78% (RWE) bzw. 60% (E.On).

Bei den Banken sah es nur etwas besser aus. Zumindest gehörte die Deutsche Bank in der ersten Erholungsbewegung sogar zu den zehn stärksten DAX-Aktien. Möglicherweise wirkte hier noch der Nimbus des „ersten Hauses am Platze“. Wer wenn nicht der Branchenprimus war nach dem vermeintlichen Ende der Finanzkrise kaufenswert? In jeder weiteren Periode gehörte „die Deutsche“ dann aber zu den zehn schlechtesten DAX-Werten. In der letzten Abwärtsbewegung vom Index-Hoch am 10.4.2015 bis zum Index-Tief am 11.2.2016 war sie sogar erstmalig schwächer als die Commerzbank.

Die Top-Performer der ersten Aufwärtsbewegung waren dagegen jene Aktien, deren Überleben am Höhepunkt der Krise am seidenen Faden hing. Infineon Technologies legte um knapp 1.900% zu, ProSiebenSat.1 Media sogar um knapp 2.000%. Derartige Hopp- oder Top-Titel sind einer der seltenen Fälle, wo tatsächlich extreme(!) relative Schwäche zu extremer relativer Stärke führt – vorausgesetzt das betreffende Unternehmen überlebt. Auch in den Folgeperioden gehörten beide Werte noch mehrfach zu den zehn Bestplatzierten. Während der vermeintlich konservativ investierende E.On-Aktionär sein Geld – ausgehend vom DAX-Tiefpunkt am 9.3.2009 – noch einmal nahezu gefünftelt hätte, wäre der ProSiebenSat.1 Media-Anteilseigner mit einer Verzweiundvierzigfachung seines Einsatzes belohnt worden. Dazwischen liegt rund der Faktor 200 – bei deutschen Blue Chips über einen Betrachtungszeitraum von gerade einmal sieben Jahren!

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