Aktien Update – Tesla Motors, Inc.

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Das neue Model 3 von Tesla

Es ist die Domäne der deutschen Automobil-Hersteller: Die Mittelklasse, Autos wie ein 3er BMW oder ein VW Passat. Autos, mit denen eine breite Käuferschicht angesprochen wird, die im Straßenverkehr allgegenwärtig sind. Und exakt auf diese Mittelklasse zielt Elon Musk – der Gründer und CEO des US-Elektroauto-Vorreiters Tesla – mit seinem in der Nacht von Donnerstag auf Freitag vorgestellten Model 3 ab. Ein ab 2017 verfügbares, rund. 35.000 USD teures Elektroauto, das den etablierten Herstellern das Fürchten lehren soll. Ganz bewusst nimmt Musk dabei Anleihen bei Apple. Denn genau wie zum Verkaufsstart eines neuen iPhones stehen die Leute nun auch eine Nacht lang vor dem Tesla Laden, um ein Model 3 vorzubestellen – wohlgemerkt in der ein oder anderen Stadt sogar im Regen.

In Summe liegen nun bereits rund 115.000 Vorbestellungen für den Wagen vor. Unterdessen deutet sich bei den Massenherstellern derzeit tendenziell der Beginn neuer Rabattschlachten an. Deutlicher könnte der Gegensatz in der automobilen Welt also nicht sein. Man könnte durchaus zu dem Fazit gelangen, dass ein Unternehmen einiges richtig gemacht hat, wenn zahlende Kunden bereit sind, eine Nacht im Freien zu verbringen, nur um einem das neueste Produkt aus den Händen reißen zu können. Doch ist Tesla tatsächlich der Alptraum der deutschen Automanager oder bleiben am Ende doch noch ein paar Fragezeichen stehen?

Link zur Produktvorstellung

SI-Kommentar: Mit Blick auf die Marktkapitalisierung von Tesla muss es wohl so formuliert werden: Es ist die 30 Mrd. USD Frage. Schafft es ein Start-Up aus Kalifornien einen Mittelklasse-Elektrowagen günstiger zu produzieren, als ein Haufen etablierter Produzenten, die es sich teilweise sogar erlauben könnten, dieses Fahrzeug mit Verlust zu verkaufen?

Eine Wette, der die Börse derzeit eine hohe Erfolgschance zugesteht. Denn Tesla wird mit dem 7,5 fachen der 2015er Umsätze bewertet. Zwar legten diese im vierten Quartal um rund 60% zu, mit einem Verlust von 0,87 USD je Aktie lag das Ergebnis jedoch deutlich unter den Erwartungen des Marktes. Angesichts des Anlaufens des Models 3 ist wohl auch so schnell keine ergebnisseitige Verbesserung zu erwarten. Denn Tesla wird die Kosten für die Batterie deutlich reduzieren müssen, um ein qualitativ hochwertiges Fahrzeug produzieren zu können, das lediglich rund halb so viel kostet, wie das aktuelle Model S.

Es gibt jedoch zwei Dinge zu beachten, die viele Anleger nicht auf dem Schirm haben: Zum einen plant Tesla mit der Gigafactory eine eigene Batterieproduktion – und zwar mit deutlich geringeren Stückkosten als die gegenwärtigen Einkaufspreise der meisten Hersteller. Gleichzeitig wird mit dem Absatz des Model 3 auch der Verkauf sogenannter ZEV-Credits schlagartig ansteigen. Besonders etablierte Hersteller sind mangels eigener Elektrofahrzeuge darauf angewiesen sich sozusagen die Erlaubnis zum Verkauf von „Spritschleudern“ einzukaufen, um gewisse Quoten einzuhalten.

Tesla steht eindeutig in der Pole Position im Rennen um die Elektromobilität. Damit dies so bleibt, muss jedoch auch in Zukunft der Kurs stabil bleiben. Denn Tesla wird mehr denn je auf frisches Kapital aus neuen Finanzierungsrunden angewiesen sein, um sich vom Hoffnungswert zum ebenbürtigen Gegner globaler Automobilkonzerne zu entwickeln. Da ist es eher unpassend, dass Tesla eine Bilanzierungspolitik betreibt, die wohl lediglich Insider bis ins Detail verstehen. Das Unternehmen verweist primär auf sogenannte Non-GAAP Zahlen, die teilweise dramatisch von den Werten der offiziellen GuV-Rechnung abweichen. So lag der Verlust 2015 laut Teslas eigenen Zahlen bei lediglich 2,30 USD je Aktie, analog zu gängigen Buchhaltungsregeln jedoch bei 6,93 USD. Ursächlich dafür ist vor allem die starke Verwässerung der Aktionäre durch Kapitalmaßnahmen.

Für Anleger bleibt die Aktie damit ein heißer Reifen. Auch das neue Modell und dessen Aussichten haben daran zunächst nicht viel geändert. Lediglich mutige Anleger sollten daher zum heutigen Kurs auf die automobile Revolution setzen. Freilich geht dies mit dem Preis einher, nicht dabei gewesen zu sein, wenn es tatsächlich funktioniert hat.

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