Aktien Update – Rocket Internet SE

Der Internetkonzern Rocket Internet ist trotz deutlich zulegender Umsatzzahlen seiner diversen Beteiligungen deutlich in die roten Zahlen geraten. In Summe beliefen sich die Verluste im vergangenen Jahr auf 198 Mio. EUR. Nach wie vor sind alle Start-Ups aus dem Portfolio von Rocket Internet defizitär, erst im Verlauf des Jahres 2017 soll sich dies bei immerhin drei Beteiligungen ändern.

Auf Ebene der Holding erzielte Rocket einen relativ konstanten Umsatz von rund 128 Mio. EUR. Hierin sind allerdings die Erlöse aus den Verkäufen von diversen Beteiligungen nicht mit eingerechnet. Diese lagen in 2015 mit 167 Mio. EUR allerdings deutlich unter dem Vorjahr, als Rocket Internet noch rund 452 Mio. EUR aus Desinvestments realisieren konnte.

Mit dem Verkauf eines 9,1%-Anteils an Lazada, einem Online-Einzelhändler in Südost-Asien, an den chinesischen Internet-Konzern Alibaba zum Preis von 137 Mio. USD konnte das Unternehmen jedoch nur wenige Tage vor Bekanntgabe der Ergebnisse belegen, dass Teile des Portfolios durchaus als werthaltig angesehen werden können.

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SI-Kommentar: Rocket Internet ist alles andere als ein gewöhnliches Unternehmen, das zeigen die jüngst veröffentlichten Zahlen einmal mehr. Denn klassische Kennziffern greifen bei der Bewertung stets zu kurz. Allerdings muss CEO Oliver Samwer zu Recht Kritik an seinem Geschäftsmodell anhören. Denn nach wie vor verbrennen seine zahlreichen Beteiligungen massiv Geld. Geld, das zuletzt offensichtlich auch nicht aus Anteilsverkäufen hereingekommen ist.

Nicht dass Rocket frisches Geld nötig hätte – immerhin befinden sich noch immer rund 1,8 Mrd. EUR Cash auf den Konten der Holding und der einzelnen Beteiligungen – doch die Investoren scheinen auf erste Anzeichen zu warten, dass sich die massiven Verluste zumindest reduzieren. Hier macht Samwer immerhin Hoffnung, wenn er verspricht, dass der Zenit des Cash-Burn nun zumindest überschritten scheint.

Allerdings waren die Zahlen aus der GuV stets der falsche Maßstab um Unternehmen, wie die des Rocket-Portfolios, zu bewerten. Stattdessen sollten Anleger auf die Bewertungen der Töchter achten, und diese offenbaren durchaus einiges an Substanz. Quasi als Absicherung dürfen Anleger zusätzlich die bestehende Cash-Position betrachten, die immerhin rund 40% der Marktkapitalisierung abdeckt.

Bereits im Heft 3/2016 haben wir in uns in einer ausführlichen Analyse intensiver mit Rocket Internet beschäftigt (S. 62, sie können den Artikel hier abrufen). In einer Schattenrechnung haben wir damals die einzelnen Beteiligungen mit deutlichen Abschlägen zu den vom Unternehmen selbst genannten LPVs (Last Portfolio Value) angesetzt. In der Zwischenzeit notiert die Aktie, die damals bei unter 20 EUR gehandelt wurde, allerdings schon wieder über dem von uns errechneten Substanzwert von 27,00 EUR. Potential hat Rocket in unseren Augen daher nur noch dann, wenn 2016 eine Vielzahl an Exits oder Börsengängen klappt und gleichzeitig der Cash-Burn deutlich reduziert wird.

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