Grafik der Woche – Die italienische Angelegenheit

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Quelle: Flossbach von Storch

Bankenkrisen bleiben selten lokale Phänomene. So auch nicht bei der aktuellen Diskussion um die Risiken im italienischen Bankensektor. Schließlich ist Italien Mitglied der Eurozone. Die Verrechnung kurzfristiger Salden des Bankensystems erfolgt daher über die berühmt-berüchtigten Target2-Salden der EZB. Und diese zeigen jüngst für Italien und Deutschland einen ähnlichen Zusammenhang an, wie letztes Jahr für Griechenland und die Bundesrepublik.

Groß angelegte Kapitalflucht aus dem italienischen Bankensystem hat in den letzten Monaten diese Salden wieder auf ein Niveau nahe ihrer Höchststände anschwellen lassen. Für Italien sind in diesem Zeitraum die Verbindlichkeiten mit einer ähnlichen Dynamik angestiegen (rote Linie), wie in Deutschland die Forderungen (blaue Linie).

Eine verständliche Entwicklung, blickt man auf die nackten Zahlen der Banken in „Bella Italia“: 360 Mrd. EUR der dortigen Bankkredite sollen zwischenzeitlich notleidend sein, 210 Mrd. EUR davon von mittlerweile insolventen Schuldnern. Größenordnungen, die das Eigenkapital des Bankensektors weit übersteigen. Was liegt also näher, als Geld von einem italienischen Konto auf das eines deutschen Bankhauses zu transferieren?

Doch damit wird aus einem italienischen Bankenproblem ein Risiko für den deutschen Steuerzahler. Denn sollte Italien am Ende aus dem Euro austreten, dürfte die deutsche Seite ihre Target-Forderungen abschreiben. Anders als beim Monaco Franze handelt es sich bei der „italienischen Angelegenheit“ daher also um ein ganz reales Risiko…

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